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Oschatz Oschatzer Gastronomen bei Plastik-Verbot mit gemischten Gefühlen
Region Oschatz Oschatzer Gastronomen bei Plastik-Verbot mit gemischten Gefühlen
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15:50 30.05.2018
Birgit Hoffmann füllt eine Plasteschale mit Essen to go.
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Oschatz

Brüssel mag weit weg sein und manches, was dort diskutiert wird, spielt im Alltag hier wirklich keine Rolle. Das angestrebte Ziel, die Menge des Plastikmülls zu verringern und auf diesem Weg sogar mit Verboten zu arbeiten, könnte aber auch den Alltag in Oschatz verändern.

Kaffee aus der Tasse statt aus dem Plastikbecher?

Vom Wochenmarkt kann man nicht nur frisches Obst, Brot, Fisch, Fleisch, Textilien oder Kuchen mit nach Hause nehmen. Dort, wo sich die Hähnchen am Spieß drehen, kann man diese auch essen, ebenso wie eine Bratwurst und dazu Kaffee trinken. Den gibt es im Plastebecher. Kommt das EU-Verbot für Einweggeschirr, wäre das so nicht mehr möglich.

Für die Umwelt wäre das sicher in Ordnung, heißt es am Stand. Aber der Verkauf im Plastebecher sei auch eine Frage der Hygiene. Als Alternative ganz ohne Müll sieht der Mann hinter dem Tresen Kaffee aus Tassen. Dazu bräuchte man einen Geschirrspüler an Bord. Der mache nur Sinn mit Wasseranschluss für den Stand – und den gibt es in Oschatz nicht. Das sei eine Kette ohne Ende, meint der Händler.

Eine Möglichkeit wäre natürlich auch, gar keinen Kaffee mehr anzubieten. Dem Kunden, der gerade mit dem später möglicherweise verbotenen Plastestäbchen seinen Kaffee umrührt, ist klar, dass die Standgebühren steigen würden, wenn der Markt mit Wasseranschlüssen nachgerüstet würde. Er wäre ja durchaus bereit, für den Kaffee hier einen Euro zu zahlen. Ob das dann reichen würde?

Holz- statt Plastikbesteck?

Wer denkt beim Eis schon an Müll? Muss man auch nicht, wenn man seinen Eisbecher im „Florenz“ oder auf dem Freisitz davor genießt. Aber beim Eis zum Mitnehmen gibt es neben dem Klassiker, der Kugel in der Waffel, auch die Kugel im beschichteten Pappbecher mit Plastelöffel.

„Für die Becher bezahlen wir schon seit ein paar Jahren eine Extrasteuer“, erklärt Lucio Foscaro, Inhaber der Eiscafés. Tatsächlich gäbe es sowohl für den Becher als auch für die Plastelöffel eine Alternative. Und Lucio Foscaro findet dann sogar einen Vergleich zwischen Eis und dessen „Zubehör“ zum Auto. Die Industrie würde so lange die alten Technologien auf den Markt werfen, wie es eben gehe.

Strohhalm aus Reis statt aus Kunststoff?

„Undenkbar“ ist für Birgit Hofmann, die Betreiberin von Hofmann’s Hütte derzeit der Alltag ohne Einweggeschirr. Gut, die Becher für die Getränke brauche niemand wirklich. Aber nicht jeder Kunde wolle sein Getränk aus der Flasche oder dann mit Reisstrohhalm trinken.

Weil auf die außer Haus verkauften Speisen ein anderer Steuersatz erhoben wird als auf die in der „Hütte“ oder auf dem Freisitz verzehrten, weiß sie genau, dass rund 60 Prozent aller Essensportionen im Plastegeschirr weggetragen werden. „Jemanden, der nur eine Bratwurst möchte, kann man leicht davon überzeugen, sie im Brötchen mitzunehmen“, erklärt Birgit Hofmann. Aber bei einer Currywurst mit Soße funktioniere das schon nicht, gleich gar nicht bei den anderen Tagesgerichten.

„Ich habe eine Kundin, die mit eigenen Schüsseln hierher kommt und ihr Essen holt“, erzählt sie. Aber das sei eben eine Ausnahme. Bis das Plastegeschirr nicht mehr genutzt werden darf, wenn tatsächlich ein Verbot kommt, dürften noch ein paar Jahre vergehen. Die Zeit müsse man nutzen, um diese Artikel umweltfreundlich zu ersetzen. Das Außer-Haus-Geschäft sei für den Umsatz in Hofmann’s Hütte jedenfalls wichtig, denn der werde zum größten Teil innerhalb eng bemessener Stoßzeiten realisiert.

Assietten aus Aluminium statt Styropor?

Im Gegensatz dazu machen Speisen zum Mitnehmen bei Wächtlers Schlemmerparadies nur rund ein Fünftel des Tagesgeschäfts aus. Ob das Verbot aus Brüssel auch die derzeit genutzten Styropor-Behälter betrifft, da ist sich Inhaber Mike Wächtler unsicher.

Sicher für ihn ist hingegen, dass die neue Verordnung nur wenige Einschränkungen für seine Filialen in Oschatz und Grimma bedeuten dürfte. „Wir setzen jetzt schon sehr wenig auf Einwegplastik. In Grimma sind wir bei Speisen zum Mitnehmen bereits auf Alu-Verpackungen umgestiegen. Das ist kaum teurer.“

Das gilt auch fürs Catering-Angebot des Schlemmerparadieses. Mit einer Ausnahme: Einweg-Besteck. „So eine Holzgabel ist doch deutlich teurer als eine aus Plastik“, sagt Wächtler. Während für Kunststoffbesteck rund ein Cent pro Stück anfalle, müsse man bei Holz mit etwa 12 bis 13 Cent rechnen.

Von Axel Kaminski

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