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Oschatz Oschatzer Gastronomen stemmen sich gegen Nachwuchssorgen
Region Oschatz Oschatzer Gastronomen stemmen sich gegen Nachwuchssorgen
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06:00 25.10.2017
Volkmar Beier Quelle: dpa
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Oschatz

Seit einigen Jahren geistert der Begriff „Fachkräftemangel“ durch die Hotels und Gaststätten Nordsachsens. Vor allem in stark ländlich geprägten Regionen taucht er in Gestalt von vermehrten Ruhetagen und mäßigen Service auf. Hierbei sei auch die Demografie ein bedeutender Faktor – es gebe in Nordsachsen „weniger junge Menschen, die als potenzielle Auszubildende überhaupt in Frage kommen“, sagt Thomas Hofmann, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Leipzig. Die Oschatzer Gastronomen halten dagegen: Sie können ihre offenen Stellen besetzen.

Fast alle Stellen besetzt

„Wenn wir Stellen ausschreiben, bewerben sich etwa vier bis sechs Leute darauf“, sagt Stephan Süß. Der Hoteldirektor des Gasthauses und Hotels zum Schwan beschreibt die derzeitige Personallage als „gut“. Das Haus sei voll: Alle Stellen vom Koch bis zur Bedienung seien besetzt, zudem gebe es vier Lehrlinge. Bei der Personalsuche spiele die Lage eine Rolle: auf dem flachen Land sei das schwieriger, in Oschatz gebe es dagegen ausreichend Interessenten. Der Berufszweig werde aufgrund neuer Entfaltungsmöglichkeiten zudem wieder interessanter, so Süß.

Auch Ulf Jungnitz hat alle seine festen Stellen besetzt. Doch wenn der Geschäftsführer des Lindenecks einmal eine Aushilfe benötige, werde es schon schwerer. Vor allem am Wochenende bemerke das der Gastronom. Im Gegensatz zur Woche könne dann die anfallende Arbeit kaum bewältigt werden. „Na klar, gibt es Fachkräftemangel“, so Jungnitz. „Das liegt vor allem am Lohngefüge.“ Fachpersonal verdiene besseres Geld in Bayern oder Österreich. Dennoch blickt Jungnitz optimistisch in die Zukunft: Es werde schon weitergehen.

Koch bleibt beliebter Berufswunsch

In der Stadt Oschatz und den umliegenden Gemeinden gab es Ende 2016 insgesamt 193 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze im Bereich Hotel und Gastronomie. „Über die letzten Jahre ist diese Zahl, abgesehen von saisonalen Schwankungen, stabil“, sagt Volkmar Beier, Pressesprecher der Arbeitsagentur Oschatz. Es kommen darüber hinaus Aushilfskräfte zum Einsatz auf Basis einer geringfügigen Beschäftigung. Aktuell seien für die Region Oschatz etwa zehn Arbeitsplätze im Bereich Hotel und Gastronomie zu besetzen, berichtet Beier.

Volkmar Beier von der Arbeitsagentur Oschatz. Quelle: Volkmar Beier

In den Top Ten der häufigsten Berufswünsche Jugendlicher sei der Koch regelmäßig dabei, „Restaurantfachmann/-frau, Hotelfachmann/-frau eher nicht so oft“, berichtet Beier. „Auf alle Fälle verfügen die Berufe dieser Branche insgesamt über einen hohen Bekanntheitsgrad. Nicht jeder, der sich zunächst für einen dieser Berufe interessiert, erlernt ihn später. Das ist auch bei anderen Berufsbildern normal. Praktika oder Ferienarbeit helfen, hinter die Fassade einzelner Berufe und Tätigkeiten zu schauen“, so Beier.

Nordsachsen: 70 Prozent weniger Auszubildende als noch vor 7 Jahren

„Der Zuwachs an Beschäftigen im Gastgewerbe fällt für Nordsachsen mit einer Steigerung von 2,4 Prozent im Vergleich von 2016 zu 2010 unterdurchschnittlich im Vergleich zu anderen Branchen aus“, berichtet Thomas Hofmann, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Leipzig. Insgesamt wurde für diesen Zeitraum ein Zuwachs der Sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten im Landkreis von rund 11 Prozent erzielt. Zum Vergleich: Die Jobmotoren seien der Verkehrs- und Logistikbereich mit einem Plus von 50,6 Prozent.

Einen deutlichen Einbruch gebe es im Ausbildungsbereich: Die Zahl der Ausbildungsverhältnisse im Hotel- und Gaststättengewerbe sei im Vergleich von 2016 zu 2010 um 70 Prozent zurückgegangen, sagt Hofmann.

Hauptgeschäftsführer der IHK zu Leipzig, Dr. Thomas Hofmann. Quelle: Frank Schmidt

Die Herausforderungen seien vielfältig: Zum einen werden in der Gastronomie sowohl Fachkräfte als auch Azubis gebraucht, die eine echte Dienstleistermentalität haben. „Das heißt: Spaß am Umgang mit dem Gast und das auch in schwierigen Situationen. Man muss sich zudem bewusst sein, dass Sonn-, Feiertags, Schicht- und auch Nachtarbeit zum Beruf dazugehören. Das alles macht es grundsätzlich zu einer echten Herausforderung, geeignetes und motiviertes Personal zu finden und binden. In ländlich geprägten Regionen kommen die teils langen Berufsschulwege hinzu“, so Hofmann.

Die Auswirkungen seien heute schon zu beobachten: „Schließung von gastronomischen Einrichtungen insbesondere von Familienbetrieben, die Einschränkung von Öffnungszeiten“, sagt der Hauptgeschäftsführer der IHK Leipzig, „und damit auch direkte Auswirkungen auf die Attraktivität des gesamten Tourismusangebotes in der Region.“

Von Mathias Schönknecht

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