Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Oschatz Oschatzer Geburtenstation: Hebammen halten durch – bis zum Schluss
Region Oschatz Oschatzer Geburtenstation: Hebammen halten durch – bis zum Schluss
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Die Geburtenstation in der Collm-Klinik wird zum Ende des Jahres geschlossen, aufgrund der immer weiter sinkenden Geburtenzahlen. Quelle: Dirk Hunger
Anzeige
Oschatz

Die umliegenden Krankenhäuser suchen zwar Personal für ihre Geburtenstationen - ob das aber eine Option für das Personal der Collm-Klinik sein wird, hängt noch in der Schwebe. "Wir wollen bis zum Ende des Jahres durchhalten und dann schauen wir weiter", sagt Anke Hübel, eine der Hebammen in der Collm-Klinik. Zum Ende des Jahres wurde allen Hebammen von ihrem Arbeitgeber gekündigt.

Neben einer erneuten Anstellung in einem anderen Krankenhaus ist die Arbeit als freiberufliche Hebamme eine Alternative für die betroffenen Frauen. Allerdings geht es schon länger durch die Medien, dass freiberufliche Hebammen mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen haben, da die Beiträge für die obligatorische Berufshaftpflicht in der Vergangenheit stark gestiegen sind.

"Es ist eine schwierige Situation", schätzt Anke Hübel ein. Sie mache sich darüber aber jetzt noch keine großen Gedanken. Es suchen immerhin einige Kliniken im Umfeld nach neuen Mitarbeiterinnen. Die Freiberuflichkeit wäre außerdem für sie trotz der teuren Berufshaftpflicht eine echte Alternative, über die es sich nachzudenken lohne.

Bis Ende des Jahres werden die Hebammen der Collm-Klinik aber erst noch mit Arbeit beschäftigt sein. Alle arbeiten momentan viel, es gibt noch ein paar Kinder, die bis zum Jahresende auf dieWelt gebracht werden wollen. Zeit, um kurz durchzuatmen und sich umzuorientieren, bleibt deshalb kaum. "Anfang nächsten Jahres werden wir uns erst mal sammeln und dann weiter schauen", sagt Anke Hübel. Sie ist zuversichtlich, dass es für alle Betroffenen irgendwie weitergehen wird.

Der sächsische Hebammenverband sieht die Schließung der Geburtenstation kritisch: Es wäre eine Zentralisierung zu erkennen, die so nicht gewollt sein kann. Schließlich gebe es das Selbstbestimmungsrecht des Einzelnen und dazu gehöre auch die freie Wahl des Geburtsortes.

Nah Angaben der Collm-Klinik ist die Zahl der in Oschatz geborenen Kinder in den vergangenen Jahren kontinuierlich zurück gegangen. Vor zehn Jahren erblickte hier noch 395 Mädchen und Jungen das Licht der Welt, im Vorjahr lag diese Zahl bei 270. Bis Anfang Oktober wurden im laufenden Jahr 181 Kinder geboren. Hintergrund dieser Entwicklung ist, dass die Bevölkerungszahl in der Region und damit auch die Zahl der künftigen Mütter sinkt.

Alternativen für werdende Mütter ab 2016: Elblandkliniken Riesa, Tel. 03525/753709, Helios-Klinik Leisnig, Tel. 034321/8461, Muldentalkliniken Wurzen, Tel. 03425/932230, Muldentalkliniken Grimma; Tel. 03437/993458, Kreiskrankenhaus Torgau, Tel. 03421/772750, Universitätsklinikum Leipzig, Tel. 0341/9723494.

Von Andrea Schrader

Anzeige