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Oschatzer Hobbymeteorologe zieht Bilanz: 20 Hitzetage und 17 Grad im Dezember

Das Wetterjahr 2015 Oschatzer Hobbymeteorologe zieht Bilanz: 20 Hitzetage und 17 Grad im Dezember

In Oschatz hatte das Wetter 2015 viel zu bieten: 20 Hitzetage, einen neuen Hitzerekord, starke Winde, extreme Regenfälle und Hagelschläge. Der Herbst war ungewöhnlich frühlingshaft. Hohe Temperaturen kamen, Schnee folgte dort, wo sonst keiner fällt. Auch der Winter überraschte mit bis zu 17 Grad Celsius Spitze.

Hobby-Meteorologe Sebastian Schuffenhauer weiß dank seiner privaten Meßstation immer, wie das Wetter wird.

Quelle: Foto: Dirk Hunger

Oschatz. Nach 2014 ist mit 2015 ein außergewöhnlich warmes Jahr gefolgt. Insgesamt war es 1,2 Grad wärmer als im Vergleich zum langjährigen Mittel seit den Wetteraufzeichnungen von 1978. Fast in allen Monaten war es ungewöhnlich warm, Wärmerekorde wurden gebrochen. Der 31-jährige Hobbymeteorologe Sebastian Schuffenhauer hat die Entwicklungen mit Hilfe seiner privaten Wetterstation genau beobachtet und zieht Bilanz.

Stürmisch und trocken beginnt das Jahr

„Der Jahresstart im Januar war erstaunlich mild und ungewöhnlich trocken. Wir hatten eine Durchschnittstemperatur am Tag von 9 Grad plus, zehn Tage fröstelnde Kälte unter Null. Üblicherweise sind es in Oschatz um diese Zeit tagsüber minus zwei bis minus zehn Grad“, sagt Schuffenhauer. Die Durchschnittstemperatur lag im Januar 2,1 Grad über dem langjährigen Mittel. Daneben stürmte es. „Am 5. Januar hatten wir das Sturmtief Elon abbekommen, am 10. Januar das Tief Felix und wurde eine schwere Sturmböe von 94 Stundenkilometern gemessen, die Schäden verursachte.“

Der Februar war zudem der niederschlagsärmste Monat des gesamten Jahres mit 8,5 Litern pro Quadratmeter. Üblichweise fallen 72 Liter mehr Regen. Schnee gab es kaum – vom 3. bis 6. Februar fielen je ein bis zwei Zentimeter. Winterliche Aktivitäten wie Rodeln oder Schlittschuhfahren wichen herbstlichen wie dem Drachensteigen. Der kälteste Tag des Jahres war am 7. Februar mit minus 6,4 Grad.

Starke Regenfälle und Hagelschlag im Frühling

Auch der Frühling zeigt sich von seiner freundlichen Seite, bot den Menschen bereits lauwarmes Wetter. Die Durchschnittstemperatur für März, April, Mai lag bei 17,5 Grad. An sieben Tagen wurde die 20 Grad-Marke überschritten. Die Höchsttemperatur wurde am 24. April mit 23,5 Grad erreicht. Ende März bis Anfang April stürmte es. Um den 5. April gab es zudem Hagelschlag und heftige Regenfälle. Schuffenhauer: „Diese Entwicklung hängen mit den weltweiten Klimaveränderungen zusammen. Sie machen das Wetter unvorhersehbar.“

Von März bis Mai fielen mit 98,4 Litern Regen pro Quadratmeter 33,7 Liter weniger als im Vorjahr. Der Frühling war damit insgesamt zu trocken. „130 Liter sind das Mindestsoll im Frühling“, so der Hobby-Meteorologe. Insgesamt gab es 34 Regentage, wobei der April der regenreichste Frühlingsmonat war.

Hitzerekord im Sommer mit 37,8 Grad

Obwohl der Juli mit 236 Litern pro Quadratmeter der regenreichste Monat des Jahres war, wird der Sommer 2015 vielen als Hitzesommer in Erinnerung bleiben. „Drei Monate hatten wir besonders heißes Wetter, bereits im Juni gab es Temperaturen zwischen 27 und 30 Grad plus. Da wusste ich bereits, das wird ein heißer Sommer in Oschatz.“

Insgesamt zählte der Wettermann 46 Sommertage mit 25 Grad und 20 Hitzetage über 30 Grad. Schuffenhauers Wetterstation zeigte am 7. August einen Temperaturrekord an: erstmals seit Ende der 70er Jahre wurden 37,8 Grad Celsius erreicht. „Die Durchschnittstemperatur für Juni, Juli, August lag im Mittel bei 18,5 Grad, das sind 1,5 Grad mehr als in den letzten 38 Jahren“, so der Experte.

Herbst: frühlingshafte Temperaturen und früher Schneefall

Auch der Herbst hielt im verrückten Wetterjahr 2015 Überraschungen bereit. Nach einem warmen und trockenen Start mit Temperaturen bis zu 24 Grad im September und einer Durchschnittstemperatur von 13 Grad, folgte auf eine Regenperiode früher Schneefall mit bis zu 2 Grad minus vom 13. bis 15. Oktober. Schuffenhauer: „Üblicherweise schneit es erst Mitte Dezember. In den Bergen mag das im Oktober normal sein, aber nicht im Flachland, wo es tagsüber sonst 9 bis 17 Grad sind.“

Der November war ein zweiter Frühling mit einer Durchschnittstemperatur von 7,5 Grad, das sind drei Grad wärmer als im langjährigen Mittel. Die Höchsttemperatur lag bei 19 Grad. Üblich sind hingegen Tageshöchstwerte von 9 Grad. Zugleich war der November nach Juli der Monat mit den meisten Niederschlägen.

Wärmster Winter aller Zeiten

Der Winter schlug alle Rekorde. 17 Grad plus war es am 13. Dezember. Die Durchschnittstemperatur lag mit 6,4 Grad, 5 Grad über dem langjährigen Mittel. Vom 24. November bis 28. Dezember gab es keine Minusgrade. „Das war der wärmste Winter in Oschatz seit Beginn der Wetteraufzeichnungen,“ sagt Schuffenhauer. Dass man an Silvester Dank der hohen Plustemperaturen von sechs Grad draußen Grillen konnte, hat der Hobby-Meteorologe zum ersten Mal erlebt.

2015 zweitwärmstes Jahr seit den Wetteraufzeichnungen

Gemessen am langjährigen Mittel waren alle Monate – bis auf September und Oktober – zu warm. Der Deutsche Wetterdienst notierte sogar das zweitwärmste Jahr seit 1978. Insgesamt gab es 107 Tage mit über 20 Grad, 171 Regentage mit einen Jahresniederschlag von 598,6 Litern pro Quadratmeter. Gegenüber 2014 fiel etwas weniger Niederschlag.

Das verrückte Wetterjahr 2015 bot viel Abwechslung: 20 Hitzetage, einen neuen Hitzerekord, Hagelschlag, sowie einen Herbst mit frühlingshaften Temperaturen samt frühem Wintereinbruch. Im Winter waren es 17 Grad Celsius Spitze. „Mehr kann das Wetter hier vor Ort nicht bieten“, meint Wettermann Schuffenhauer und schüttelt den Kopf.

Von Oliver Becker

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