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Oschatz Oschatzer Jäger schießen neue Rekorde bei Wildschwein und Waschbär
Region Oschatz Oschatzer Jäger schießen neue Rekorde bei Wildschwein und Waschbär
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10:18 24.07.2018
Sachsens Jäger haben 2017/18 gleich mehrere neue Rekorde aufgestellt. Quelle: picture alliance / dpa
Oschatz

Sachsens Jäger haben in der zurückliegenden Saison neue Rekorde aufgestellt und so viel Wild wie noch nie zuvor erlegt. Wie das Sächsische Umweltministerium mitteilt, sind in der Saison 2017/18 mehr als 131 000 Wildtiere in den Streckenmeldungen verzeichnet worden. Das entspricht einer Steigerung um rund 10 000 Tiere im Vergleich zu den vergangenen zwei Vorjahren.

Mehr Schwarzwild-Abschüsse als je zuvor

Der auffälligste Anstieg findet sich beim Schwarzwild. Die Anzahl der erlegten Wildschweine steig von 33 300 in der Saison 2016/17 auf 45 300 – eine Erhöhung um 36 Prozent. Auch im Altkreis Oschatz hat die Zahl der erlegten Wildschweine zugenommen, wenn auch nicht ansatzweise so stark wie im gesamtsächsischen Vergleich.

So stieg die Zahl innerhalb einer Saison von 438 auf 462 – was dennoch mehr ist, als in den Jahren zuvor. 2015/16 waren es noch 274 erlegte Tiere gewesen. Das geht aus aktuellen Zahlen des Landratsamtes Nordsachsen hervor. Laut Sachbearbeiter Jens Gebhardt würden in dieser Statistik noch die Zahlen von zwei der insgesamt 67 Jagdbezirke im Altkreis fehlen. Diese seien jedoch vernachlässigbar.

Freistaat erleichterte Jagd wegen Afrikanischer Schweinepest

Grund für diese Steigerung ist im Wesentlichen, dass der Freistaat Sachsen Anfang des Jahres die Jagd auf das Schwarzwild erleichtert hatte, um das Risiko einer Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest zu reduzieren. „Im gesamten Landkreis wurde deshalb angeregt, die Wildschweine verstärkt zu bejagen, um die Population einzudämmen“, sagt Gebhardt.

„Die Tiere haben hier ein ideales Klima und ein gutes Futterangebot. Wenn die Pest kommen sollte, ist die Gefahr der Verbreitung groß. Daher zahlen die Jäger zur Zeit für die Trichinen-Proben, die bei jedem erlegten Schwarzwild gemacht werden muss, keine Gebühr.“ Die übernimmt stattdessen das Sächsische Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz.

„Nachdem wir bereits im vergangenen Jahr unbürokratische Regelungen zur Anlage von Bejagungsschneisen im Mais einführen konnten, haben wir nunmehr auch erreicht, dass Jägerinnen und Jäger Schalldämpfer nutzen und damit ihr Gehör und das ihrer Jagdhelfer besser vor Schusslärm schützen können“, teilte Frank Pfeil, Staatssekretär im Umweltministerium, im Zuge der Veröffentlichung der Zahlen mit. „Wir haben zudem die Fangjagd auf Schwarzwild sowie künstliche Lichtquellen bei der Bejagung des Schwarzwildes zugelassen.“

Jäger aus der Region freuen sich über mehr Abschüsse

Sönke Thamsen von der Wermdorfer Jagdschule Thamsen zieht in dieser Hinsicht ein positives, wenn auch kein überschwängliches Fazit: Zwar seien auf seinen Strecken rund um Kaisa und Lausa vergleichsweise mehr Sauen geschossen worden, jedoch „nicht so extrem“, wie sich dies in den gesamtsächsischen Zahlen niederschlage.

Dem schließt sich auch ein weiterer Jäger aus der Region an, der nicht namentlich genannt werden möchte: Auf seinen 100 Hektar hätte er in der vergangenen Jagdsaison selbst ohne Drückjagden elf Sauen erlegt. „Für diese Fläche ist das wirklich viel. In den letzten Jahren kamen so viele nur nach der Drückjagd zusammen“, sagt der Jäger, dessen Revier im Wermsdorfer Wald nahe Luppa liegt.

Sturmschäden haben Jagd erschwert

Dass es nicht noch mehr geworden sind, dafür zeichnet unter anderem Sturmtief Friederike verantwortlich, das Anfang des Jahres schwere Schäden in den nordsächsischen Wäldern hinterlassen hatte. „Es war lange Zeit nach dem Sturm nicht einfach, in den Wald hineinzukommen“, sagt Thamsen.

Umgeworfene Bäume boten den Tieren zudem nicht nur erheblich mehr Deckung, sie machten es den Jägern auch schwerer, die erlegten Tiere abzutransportieren, erklärt sein anonymer Kollege: „Selbst nach einem guten Schuss kann eine Sau noch 50 bis 80 Meter laufen. Wenn man die dann hinter ein paar umgestürzten Bäumen hervorziehen muss, ist das wie Mikado.“

Waschbär-Abschüsse in 10 Jahren verzwanzigfacht

Ein weiteres Rekordergebnis konnte beim Waschbär verzeichnet werden. In der abgelaufenen Saison stieg die Zahl der Abschüsse sachsenweit von rund 11 200 auf fast 15 500. Gegenüber dem Jagdjahr 2007/8 hat sich die Jagdstrecke damit um das zwanzigfache erhöht. Im Altkreis Oschatz stieg die Zahl von 481 auf 670 – ein Verdopplung gegenüber 2013/14, als noch 312 erlegt wurden.

„Nach den absoluten Erlegungszahlen dieser als invasiv eingestuften und sich landesweit insbesondere auch in die Städte und stadtnahen Bereiche weiter ausbreitenden Tierart stellen die Landkreise Bautzen, Görlitz, Meißen, Mittelsachsen, Leipzig und Nordsachsen die Erlegungsschwerpunkte dar“, so Frank Pfeil. Auch Sönke Thamsen bestätigt eine deutliche Steigerung der Waschbärpopulation und -abschüsse in seinem Revier: „Die nehmen merklich zu.“

Waschbär-Bejagung fragwürdig

Jedoch gehen die Meinungen beim Thema Waschbär weit auseinander. Das weiß auch Jens Gebhardt: „Untersuchungen haben ergeben, dass das Problem nicht wirklich gelöst werden kann. Es wurde ein Gebiet, in dem die Waschbären nicht bejagt werden, mit einem Gebiet mit Bejagung verglichen. Bei beiden ist die Population gleich. Der Grund dafür ist, dass bei einer Bejagung die einjährigen Waschbären bereits Nachwuchs bekommen, was sie sonst nicht tun würden. Natürlich richtet der Waschbär auch Schaden an.“

Beim Rotwild hingegen sei keine genaue Tendenz erkennbar, so Gebhardt. Im Jagdjahr 2017/18 wurde 16 mal Rotwild geschossen, 2015/16 waren es noch 44. In den anderen Jahren bis 2013 liegen die Zahlen dazwischen. „Alle drei Jahre wird der Rotwildabschuss beplant, damit nicht zu viel geschossen wird.

So hat auch die Hegegemeinschaft im Wermsdorfer Wald beschlossen, das Rotwild in diesem Gebiet zu schonen, da die Sichtungen zurückgegangen sind.“ Auch durch den Wolf habe das Wild ein anderes Leben aufgenommen. Es bilde größere Rudel, um sich zu schützen und sei vorsichtiger. „Das heißt nicht, dass wegen des Wolfes keine Rehe mehr da sind“, betont Gebhardt. Nach und nach stabilisiere sich die Populationsentwicklung wieder. Auch in der Dahlener Heide sei das Rotwild eine Zeit lang zurück gegangen.

Leichte Rückgänge bei anderen Tierarten

Bei anderen Arten verzeichnet die Statistik ebenfalls einen leichten Rückgang. So sank die Anzahl des geschossenen Rehwilds im Altkreis um 155 auf 508, in ganz Sachsen wurden mit 35 500 rund 700 weniger erlegt als im Jahr zuvor. Die Anzahl erlegter Füchse sank von 14 750 auf 13 300, im Altkreis von 398 auf 340. Und wurden 2016/17 noch 83 Dachse erlegt, waren es in der letzten Saison nur noch 51. Sachsenweit stieg hier die Anzahl um 500 auf rund 2900.

Staatssekretär Frank Pfeil wirbt weiterhin für eine aktive Jagd: „Auf den Erfolgen des vergangenen Jahres dürfen wir uns keinesfalls ausruhen. Ich bitte die Jäger, sich weiterhin tatkräftig für die Reduzierung regional überhöhter Wildbestände einzusetzen.“

Von Christian Neffe

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