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Oschatz Oschatzer Jugend debattiert über Vorurteile, Feindbilder und Diskriminierung
Region Oschatz Oschatzer Jugend debattiert über Vorurteile, Feindbilder und Diskriminierung
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16:14 15.02.2017
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OSCHATZ

Politische Bildung wurde im soziokulturellen Zentrum E-Werk in den vergangenen drei Jahren etwas stiefmütterlich behandelt. Mit der Rückkehr Anja Kohlbachs als Fachkraft ändert sich das – zur Neuauflage des 2014 letztmals durchgeführten Demokratiestammtischs sprach sie am Dienstag mit sieben weiteren Interessierten über gesellschaftliche Vorurteile, Diskriminierung und Feindbilder.

Ein halbes Dutzend Jugendlicher zwischen 14 und 18 Jahren – darunter auch der ein oder andere Erstwähler – sah sich mit diversen Aussagen konfrontiert. Für Anja Kohlbach ist es wichtig, dass jeder der Anwesenden dazu Position bezieht. „Auch wenn ich mir zu etwas keine Meinung bilden kann, sollte ich das kundtun“, begründet sie. Im Alltag, da waren sich alle einig, ist das allemal besser, als das nachzuplappern, was andere sagen – und sei es nur, weil es bequem oder mehrheitsfähig ist.

„Die Fahrer der Automarke BMW sind allesamt Angeber.“ Diesen Satz hätte Florian Boden vor dem Stammtischdialog noch bedenkenlos unterschrieben. Danach war das anders. „Mir ist klar geworden, dass das auch auf alle anderen Autofahrer zutreffen könnte, oder eben auf gar keinen. Entscheidend ist, dass man sich mit dem Menschen hinterm Steuer auseinander setzt – und dann urteilt“, so der 18-jährige Oschatzer.

Angelique Wartenberger aus Oschatz setzte sich am Stammtisch mit der Aussage „Ausländer sind krimineller als Deutsche“ auseinander – und gab zu, hier denjenigen auf den Leim, gegangen zu sein, die mit solchen Aussagen Stimmung machen. „Die Gründe dafür, kriminelle Handlungen zu begehen, können unterschiedlich sein. Das muss keinesfalls vorsätzlich geschehen. Es gibt Situationen, in die jeder unverschuldet geraten kann. Wenn daraus kriminelle Handlungen entstehen, ist davor keiner gefeit – egal, welcher Nationalität er angehört“, sagte die 17-Jährige nach dem Gespräch.

Blond, blauäugig, pünktlich, korrekt und pessimistisch – alles das liest man bisweilen über Deutsche. Wer das bestätigt, nährt ebenso Vorurteile. „Sie sind der Nährboden für Diskriminierung, Verachtung, Ausgrenzung und Feindbilder. Je stärker das Ausmaß der Anfeindung, um so geringer ist die Chance der Opfer, sich dagegen zu wehren. Manche Worte können noch viel mehr weh tun als ein Schlag ins Gesicht“, so Anja Kohlbach. Emma Luise Röber aus Wadewitz bei Wermsdorf sieht sich gegen solche Gefahren gewappnet. „Ich finde es gut, dass wir uns am Stammtisch austauschen können. Ich rede nichts unreflektiert nach, was man mir vorsetzt. Die Runde ist eine gute Möglichkeit, das auch anderen vor Augen zu führen, die das nicht so sehen“, sagte die 16-Jährige. Der nächste Demokratiestammtisch ist am 12. April geplant.

Von Christian Kunze

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