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Oschatzer Kunstschaufenster ist Geschichte

Aktionskunst in Oschatz Oschatzer Kunstschaufenster ist Geschichte

Fast ein Jahr lang waren die beiden Themen Frieden und Kunst in einem Oschatzer Schaufenster vereint. Ende Dezember wurde das Kunstprojekt in der Sporerstraße beendet. Doch für eine Weiterführung der zugrunde liegenden Friedensinitiative ist es noch nicht zu spät.

Joachim Zehme, Lutz Heinz, Christoph Koop und Peter Streubel (v.l.) mit Tafeln aus dem Kunstschaufenster.

Quelle: Dirk Hunger

Oschatz. Fast ein Jahr lang waren die beiden Themen Frieden und Kunst in einem Oschatzer Schaufenster vereint. Der Oschatzer Bildhauer Joachim Zehme setzte sich – für die Oschatzer Öffentlichkeit gut mitzuverfolgen – in einem Schaufenster in der Sporerstraße mit dem Thema Deutsche Einheit auseinander. „2015 war das Jahr mit einigen wichtigen Jubiläen“, sagt Joachim Zehme. Dazu zählt er unter anderem den 70. Jahrestag der Beendigung des Zweiten Weltkrieges, der 25. Jahrestag der Deutschen Einheit sowie das 25-jähjrige Bestehen des Freistaates Sachsen. Zu diesen Themen wurden mehrfach verschiedene Schaufenster gestaltet.

Im Schaufenster in der Sporerstraße wurden die Ereignisse um den 9. September 2001 mit den Anschlag auf das World Trade Center in New York ebenso thematisiert wie das Ende des Zweiten Weltkrieges. „Für die Gestaltung der Schaufenster habe ich auch mit Schülern der unterschiedlichen Schulen der Oschatzer Region zusammengearbeitet“, sagt Joachim Zehme, der einer der Gründer der Oschatzer Friedensinitiative ist. Schüler des Thomas-Mann-Gymnasiums, der Robert-Härtwig-Oberschule und der Apfelbaum-Grundschule in Schweta waren an den öffentlichen Kunstaktionen beteiligt.

Zu den größten Aktionen zählte unter anderem ein „lebendiges Schaufenster“ zum Tag der Deutschen Einheit. Klangkünstler Jan Heinke, Schauspieler Florian Papst und Bildhauer Joachim Zehme näherten sich Anfang September mit künstlerischen Ausdrucksmitteln dem Thema. Klangkünstler Jan Heinke hatte elektronische Geräusche eingefangen und diese mit Musik seiner Stahlharfe kombiniert. Das extravagante Stück trägt den Titel „Chrononaut“ – Zeitreisender. Schauspieler Florian Pabst hatte zum Einheitstag eine Reihe von Zitaten zusammengetragen und arbeitete diese in die Klanginstallation von Heinke ein. Dritter im Bunde war Zehme, der mit seiner Skulptur vom Oschatzer Wappentier, dem Löwen, und seiner Interpretation des Löwen der Performance einen lokalen Anstrich gab. Besonders froh war Zehme, dass das Gesamtvorhaben durch den Soziologen Christopher Hausmann von der Uni Jena wissenschaftlich betreut wurde.

Überparteilich und überkonfessionell stellte Joachim Zehme um dem Weltfriedenstag ein Friedensfest an unterschiedlichen Oschatzer Örtlichkeiten auf die Beine. „Dabei hatte ich auch die Oschatzer Parteien eingeladen, die letztlich aber keine gemeinsame Veranstaltung wollten, sondern sehr genau aufgepasst haben, dass sie sich bei den jeweiligen Veranstaltungen nicht über den Weg laufen“, so Zehme. Dabei gab es auch eine große Session mit Musiker im E-Werk. „Wir leben in Deutschland seit 70 Jahren in Frieden. Der Frieden ist für uns Normalität geworden. Darin liegt aber auch die Gefahr, dass wir uns nicht mehr täglich vor Augen führen welch hohes Gut der Frieden ist“, sagt Zehme mit Verweis auf die Flüchtlinge in Oschatz, die vor dem Krieg geflohen und für den Frieden hier dankbar sind.

Nachdem das Kunstprojekt zum Jahresende 2015 in dem Schaufenster in der Sporerstraße beendet ist, stellt sich die Frage: Wie geht es weiter? „Das Kunstprojekt an sich ist abgeschlossen. Ich will jetzt eine Dokumentation der Schaufenster erstellen. Dazu gehört auch viel Begleitmaterial, welches gesichtet und geordnet werden muss, damit daraus noch einmal eine Publikation entstehen kann“, erläutert der Bildhauer.

„Wie es mit dem Schaufenster weiter geht, ist unklar, weil ja das Haus verkauft werden soll. Es ist aber der Wunsch geäußert worden, dass es mit der Friedensinitiative weitergehen soll. Es sind ja auch noch 20 bis 30 Ausstellungstafeln aus den Schaufenstern da, die genutzt werden können.“

Und was zeigte das letzte Schaufenster innerhalb des Kunstprojektes? Dort hatte Zehme auch Kritik versteckt. Der Oschatzer bekam einen Weihnachtsmann zu sehen, dessen Sack so sehr gefüllt war, dass er nicht mehr gehen konnte. Wobei sich beim genaueren Hinsehen entpuppte, dass der Sack nicht aus Gold, sondern aus Pappmaché besteht.

Von Hagen Rösner

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