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Oschatzer Lehrer drücken die Schulbank beim gemeinsamen Fortbildungstag

Bildung Oschatzer Lehrer drücken die Schulbank beim gemeinsamen Fortbildungstag

Pädagogischer Tag im großen Stil: Rund 200 Lehrerinnen und Lehrer von acht staatlichen Bildungseinrichtungen in Oschatz trafen sich am Dienstag zu einer gemeinsamen Fortbildung. Unter dem Motto „Entspannt Lehrer sein – wir sind gespannt“ fanden Referate, Seminare, Workshops und mehr statt. Im Zentrum stand dabei das Handwerkszeug guter Pädagogik.

Souveränität im Klassenzimmer ist keine Selbstverständlichkeit. In Oschatz bildeten sich jetzt 200 Lehrer fort und sind nun fit für den Umgang mit Schülern.

Quelle: dpa

Oschatz. Schüler sind wie Kegel – dieses Bild brachte Kerstin Tschekan am Dienstag mit in die Stadthalle. „Ich kann Kugeln schieben, ohne zu sehen, wie viel ich abräume, und wundere mich dann über das geringe Ergebnis.“ Die Referentin vom Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen in Schleswig-Holstein eröffnete den ersten gemeinsamen Fortbildungstag der Oschatzer Schulen. Sie sprach über den Anspruch, Kinder individuell zu fördern – zu schauen, ob jeder Kegel gefallen ist, um im Bild zu bleiben.

Novum in Landkreis Nordsachsen

Dass sich rund 200 Pädagogen von acht staatlichen Schulen einer Stadt zusammenfanden, ist ein Novum im Landkreis Nordsachsen. Neu ist auch, dass im Schulgebäude nicht die Klasse als Ganzes beurteilt wird, sondern der Schüler als Individuum. Dagegen stehen komplexere Inhalte, die es zu vermitteln gilt und die Auffassung mancher Eltern, Sohn oder Tochter würden ausschließlich im Klassenraum erzogen. Diesen Spagat zu leisten, gelingt mit dem richtigen Handwerkszeug. Jenes aufzufrischen war Ziel der Workshops, für die sich jeder Oschatzer Lehrer anmelden konnte.

„Pädagogik ist die Wisschenschaft der Hoffnung. Lehrer hoffen, dass das, was sie sagen, verstanden und miteinander verknüpft wird und das, was sie zeigen, ausgeführt, geübt, reflektiert und angewendet wird“, verdeutlichte Kerstin Tschekan. Das Bewusstsein für sein Handwerkszeug könne jedem Lehrer verloren gehen, egal ob er zehn, zwanzig oder vierzig Jahre im Dienst ist. Die eigene Praxis zu hinterfragen, komme im Schulalltag oft zu kurz, ebenso könne man die Leistungen der Schüler nicht in dem Umfang analysieren, der nötig ist. „Reflexion fällt oft hinten runter, weil es zur Pause klingelt“, nannte die Referentin den profanen Grund. Im schlimmsten Fall bekämen Schüler und Eltern nur zwei Mal im Jahr Auskunft über den Leistungsstand – auf den Zeugnissen.

Theorie und Praxis klaffen oft auseinander

Kerstin Tschekan macht keinen Hehl daraus, dass Theorie und Praxis in Schulen auseinander klaffen. Allein dieser Konflikt rechtfertige den Oschatzer Fortbildungstag. In Zeiten, in denen neben Gehältern vor allem die Frage diskutiert wird, wie weit ein Lehrer gehen darf, ohne Konsequenzen zu fürchten, ist Sicherheit im alltäglichen Miteinander das A und O. Tschekan sprach zudem über das Missverhältnis zwischen technischen Möglichkeiten im Klassenraum und den Rahmenbedingungen durch Träger, Kultus und Bildungsagentur. „Wir murksen seit vielen Jahren rum, aber seit kurzem digital“, spitzte sie bewusst zu.

Schulartübergreifend lobten die Teilnehmer den Austausch untereinander – verbunden mit dem Wunsch der Wiederholung und Vertiefung. Kritik gab es vereinzelt am straffen Zeitplan des Tages. Anke Wiesner, Leiterin der „Grundschule zum Bücherwurm“, freute sich über „mehr Transparenz zu Oberschule und Gymnasium“.

Gymnasiallehrerin Ines Garbe erfuhr eine „Bereicherung“. In Konflikten innehalten und anders handeln, fiele ihr nun leichter. Kollegin Rosi Rochner ebenso. „Mir fielen auf Anhieb drei Situationen ein, in denen ich dieses Rüstzeug gerne schon gehabt hätte.“

Von Christian Kunze

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