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Oschatzer Lutherbuche wiederentdeckt: Es ist der Baum vor der Härtwigschule

Reformationsjubiläum Oschatzer Lutherbuche wiederentdeckt: Es ist der Baum vor der Härtwigschule

Aus historischen Unterlagen ist belegt, dass in Oschatz 1883 zum 400. Geburtstag von Reformator Martin Luther eine Lutherlinde gepflanzt wurde. Doch wo? Drei Heimatgeschichtsforscher machten sich auf die Suche nach dem Baum, der jetzt gut 150 Jahre alt sein muss. Er stand direkt vor der Nase.

Vor der Härtwigschule steht die Lutherbuche, die 1883 gepflanzt wurde und danach in Vergessenheit geriet
 

Quelle: Manfred Schollmeyer

Oschatz.  Die Würdigungen Martin Luthers zum 500. Reformationsjubiläum 2017 streben mit dem erstmalig für ganz Deutschland geltenden Reformationsfeiertag am 31. Oktober ihrem Höhepunkt entgegen. Auch in Oschatz wird man dieses Ereignis feiern, wie schon 1817 und 1917.

Vor hundert Jahren, im vierten Jahr des Ersten Weltkrieges, wurde trotz aller Beschwernisse, die der Krieg der Bevölkerung aufbürdete, Martin Luthers und der Veröffentlichung seiner 95 Thesen gedacht und das 400. Reformationsjubiläum begangen. „Gerade bei der vielfachen Niedergedrücktheit der Gemüter war eine Feier der Erhebung doppelt nötig“, schreibt der Oschatzer Superintendent Paul Samuel Moritz Flade in seinem Aufsatz „Unsere Festfeier im Jubeljahre“, erschienen in der Broschüre „Ein Abschiedsgruß vom Oschatzer Lutherjahr 1917“.

Zahlreiche Vorträge von Mitgliedern der Pastorenkonferenz, Schriften in den Oschatzer Zeitungen, die Einweihung des Lutherkreuzes vor dem Lehrerseminar (heute Thoma-Mann-Gymnasium), die Ausstellung „reformatorischer Erinnerungen“ sowie vielfältige Veranstaltungen für die Oschatzer Schüler wurden von Superintendent Flade beschrieben und durchgeführt. So auch der 8. Juli 1917, ein Sonntag, als sich 800 Kinder eingefunden hatten, die, musikalisch begleitet, „von der Lutherbuche im Schulgarten“ zur Aegidienkirche gezogen waren um dort, dem Brief Martin Luthers an seinen Sohn Hans, vorgetragen von Superintendent Flade, zu lauschen. –

Aber eine „Lutherbuche“ in Oschatz? Und in welchem Schulgarten? Könnte es auch sein, dass die “Lutherbuche“ heute noch existiert? Die Nachforschungen begannen und gemeinsam mit der Leiterin des Oschatzer Stadt- und Waagenmuseum Dana Bach und Heimatfreund Hans-Hermann Schöne konnte die „Lutherbuche“ bald gefunden werden. Die Vermutung, dass es sich bei 800 Kindern im Schulgarten nur um die Bürgerschule (heute Robert-Härtwig-Schule) in der Bahnhofstraße handeln konnte wurde in der Broschüre „Altes und Neues aus Oschatz“, erschienen zum Heimatfest 1906 und verfasst von Bürgermeister Robert Härtwig, bestätigt. In seiner Schrift widmete sich der Bürgermeister auch dem Schulwesen der Stadt, rühmte die 1883 eingeweihte Bürgerschule, lobte „wie prachtvoll sich der das Haus umge-bende Garten entwickelt hat“ und erwähnte, dass im „mittelsten Teile des Gartens vor dem Hause […] eine Lutherbuche am 400. Geburtstage des großen Reformators […] gepflanzt“ wurde. Das war am 10. November 1883.

Und da steht sie noch heute, prächtig gewachsen und mit ihrer Größe und wuchtigem Umfang den gesamten Schulgarten vor dem Schulgebäude dominierend, die Oschatzer „Lutherbuche“ – eine Rotbuche (Fagus sylvatica). Deutschlands häufigster Laubbaum mit seiner silbern schimmernden Rinde kann bis zu 300 Jahre alt und etwa 30 bis 40 Meter hoch werden, seine rötliche Holzfarbe gab ihm den Namen, für die Forstwirtschaft ist er unersetzlich. Die „Lutherbuche“, einst zu Ehren Martin Luthers gepflanzt, hat die Stürme der Zeit über-standen, hat die Namensgeber der Schule überlebt, hat Jahrzehnte die Lehr- und Erziehungs-methoden der Lehrerschaft kommen und gehen gesehen, Freud und Leid der Schüler miterlebt, aber ist selbst in Vergessenheit geraten. Das diesjährige 500. Reformationsjubiläum ist ein würdiger Anlass, an die im Schulgarten der Robert-Härtwig-Schule seit 1883 stehende „Lutherbuche“ zu erinnern.

Von Manfred Schollmeyer

Oschatz 51.300613 13.105982
Oschatz
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