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Oschatz Oschatzer Lutz Aepfler engagiert sich als Flüchtlingspate
Region Oschatz Oschatzer Lutz Aepfler engagiert sich als Flüchtlingspate
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00:18 23.12.2016
Lutz Aepfler (r.) half dem Iraker Ammar Omer, sich in seinem neuen Leben zurechtzufinden. Quelle: Foto: Dirk Hunger
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Oschatz

Sich ehrenamtlich zu engagieren ist für viele eine Herzensangelegenheit. Gerade zur Weihnachtszeit haben viele Leute das Bedürfnis zu helfen. Doch es gibt auch genug Ehrenamtliche, die sich über Monate, ja sogar Jahre hinweg engagieren. Einer von ihnen ist der Oschatzer Lutz Aepfler. Als er im Jahr 2008 Rentner wurde, stand für ihn bereits fest: „Ich muss was machen. Ich bin noch viel zu agil, um nur noch auf dem Sofa zu sitzen.“

Lutz Aepfler leitet Seniorenkreis

Schon damals leitete er den Seniorenkreis, der vor 30 Jahren vom ehemaligen Superintendenten Martin Kupke ins Leben gerufen wurde. Noch heute sind einige Teilnehmer dabei, die auch schon die Gründung miterlebt haben. Im Juni nächsten Jahres werden es dann zehn Jahre, in denen Lutz Aepfler den Kreis leitet. „Ich wurde von Pfarrer Matthias Purrucker, der den Kreis zuvor leitete, angesprochen, ob ich mir diesen auf die Fahne schreiben lasse, da er selbst Oschatz verlassen wollte. Mittlerweile wurde der Seniorenkreis zum Klostercafé, denn wir wollen nicht nur die Senioren, sondern auch alle anderen Bürger dazu einladen, jeden Montag von 14.30 Uhr bis 16 Uhr in die Klosterkirche zu kommen“, so der ehrenamtliche Leiter des Cafés. Für jeden Termin wird ein anderes Thema geplant. Egal ob Lichtbild- oder Reisevortrag, ein Nachmittag mit dem Pfarrer oder ein Singekreis mit Christa Sirrenberg: Jeder Programmpunkt wird von den etwa 30 Teilnehmern gut angenommen. Natürlich ist dieses Ehrenamt auch mit viel Planung und Zeit verbunden, muss Lutz Aepfler ja auch für jeden Montag ein neues Thema und andere Referenten organisieren. „Doch es findet sich immer jemand. Es macht viel Freude und ist sehr interessant.“

Jetzt macht das Café Winterpause. Los geht es dann wieder am 16. Januar. Vor der Sommerpause ab Ende Juni fährt die Gruppe dann wieder mit dem Bus zu einem Tagesausflug. In diesem Jahr ging es zur Weihnachtsausstellung nach Stracoland/Colmnitz. Wohin die Reise 2017 führen wird, kann Lutz Aepfler heute noch nicht sagen.

Seit Ende 2014 betreut der Oschatzer Flüchtlinge

Der Oschatzer ist aber auch noch an einer anderen Stelle ehrenamtlich tätig. Seit Ende 2014 betreut er Flüchtlinge und hilft ihnen, ins normale Leben zu finden. „Damals wurde gesagt, dass dringend Flüchtlingshelfer oder -paten gesucht werden. Doch ich konnte mir nicht vorstellen, einen Flüchtling an die Hand zu nehmen und ihn durch die Stadt zu führen. Ich bot daher an, als Berater nach jedem Klostercafé-Treffen bereit zu stehen.“ Lutz Aepfler lacht bei der Erinnerung. Denn letztendlich kam alles anders. „Einmal im Monat wird von der Kirchengemeinde ein Flüchtlingstreffen organisiert. Dort wird besprochen, was im kommenden Monat für Termine anstehen. So kam es, dass ich mich mit einem jungen Mann aus dem Irak anfreundete. Schließlich erledigte ich mit ihm wichtige Wege, wir gingen gemeinsam zu den Ämtern und ich half ihm dabei, wichtige Formulare auszufüllen.“

Ammar Omer hat seit April einen festen Arbeitsplatz. Er verdient nun sein eigenes Geld und ist nicht mehr finanziell von den Ämtern abhängig. Auch sein Asylantrang wurde vorerst für ein Jahr genehmigt. „Nun möchte er natürlich seine Frau schnellstmöglich nach Deutschland holen, doch das ist nicht vor 2018 möglich. Für Ammar ist es kaum zu ertragen. Er musste fliehen, da ihm der Tod angedroht wurde. Einige seiner Familienangehörigen haben dieses Schicksal erlitten. Oft erzählt er mir von seinen schrecklichen Erlebnissen. Auch wenn es noch immer schwer für ihn ist, hat er nun einen guten Weg gefunden. Das macht mich sehr stolz, denn wenn er Erfolg hat, ist es auch für mich ein Erfolg.“

Hilfe für jungen Mann aus Syrien

Kaum ist einer mit beiden Füßen im neuen Leben, hat Lutz Aepfler bereits einen neuen Schützling an der Hand. „Der junge Mann aus Syrien ist mit Frau und Kind in Deutschland. Ein Baby ist unterwegs. Hier ist es besonders knifflig die richtigen Ämter aufzusuchen und die ganzen Formulare auszufüllen, da auch die Sprachbarriere dazwischen steht. Doch wir befinden uns auf einem guten Weg und ich bin zuversichtlich. Es macht einen glücklich. Ich bin froh darüber, helfen zu können. Wären wir in ihrer Situation, wären wir auch über jede helfende Hand dankbar“, so der 69-Jährige. Und seine Schützlinge können auch ihm helfen. „Ammar hat mir die Einladung für die Flüchtlingstreffen auf arabisch übersetzt. Ich übergebe die Einladungen monatlich persönlich, deshalb gibt es wieder mehr Teilnehmer. Das freut mich sehr.“ Lutz Aepfler kann sich nicht vorstellen, sein Ehrenamt an den Nagel zu hängen. Denn er möchte auch weiterhin seinen Mitbürgern helfen und ihnen das Leben erleichtern.

Von Kristin Engel

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