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Oschatzer Mittelalterfrühling mit Luther, altem Handwerk und historischen Bauten

Premiere Oschatzer Mittelalterfrühling mit Luther, altem Handwerk und historischen Bauten

Die mittelalterliche Seite von Oschatz stand am Wochenende beim Mittelalterfrühling im Blickpunkt. Es gab historische Führungen, altes Handwerk und am Ende auch die Enthüllungen einer Luther-Gedenktafel.

Historische Führung mit Museumsleiterin Dana Bach.

Quelle: Dirk Hunger

Oschatz. „Die Idee ist genial: Mehrere mittelalterliche Schauplätze in Oschatz an mindestens einem Tag erkunden und entdecken können, zusammenhängende Dinge aufspüren, Zeitgeist bei Handwerk und Kunst erleben. Als wir heute Morgen von diesem Angebot im Radio erfuhren, haben wir uns spontan entschlossen, dabei zu sein“, erzählt Beate Grosser aus Leipzig. Nicht nur, dass sie die Idee gut findet, sie ist überzeugt, dass mit dem Zusammenschluss so vieler Akteure beim Oschatzer Mittelalterfrühling eine Veranstaltungsform gefunden wurde, die vielen Ansprüchen und Interessen gerecht wird. „Für Geschichte interessiert sich nicht jeder. Aber wenn sich um einen Vortrag noch andere Angebote ranken, dann kann man auch Menschen verschiedenen Alters zusammenführen, unterhalten und begeistern. Ich finde, dieses Angebot sollte deshalb nicht das einzige bleiben“, ergänzt sie.

Gerade hat die Familie eine Führung mit Robert Schmidt in der Klosterkirche erlebt. Relikte des Mittelalters standen da zur Einstimmung für die Leipziger und die anderen Teilnehmer der Führung auf dem Programm. „Es war wahnsinnig interessant, vor allem die Geschichten zur Geschichte zu erfahren“, schwärmt die Angestellte.

Zuvor war die Familie in der St. Aegidien Kirche, wo auch der Kirchturm bestiegen wurde. Ein kleiner Spaziergang durch die Stadt hatte neugierig auf andere Bauten aus der Vergangenheit gemacht. Später folgten sie der Tour mit der Oschatzer Museumschefin Dana Bach. Dann führte ihr Weg unter das Gewölbe der Klosterkirche, wo vor allem historisches Handwerk zu erleben war.

Olaf Schubert aus Grünlichtenberg gehörte hier zu den Akteuren. Er weckte besonders bei seinen Schauvorführungen das Interesse. Der Zimmermann agiert in seiner Freizeit als Mollenhauer. Ein Handwerk, das heute Seltenheitswert besitzt, dessen Erzeugnisse aber im Mittelalter im täglichen Leben beim Schlachten oder für andere Lebensmittel gebraucht wurden. Seiler, Böttcher, Kupferschmied und Schuhmacher waren ebenso dabei. Steffen Jentzsch hatte sich alle Mühe geben, um zum Mittelalter Passendes für den kleinen Markt zusammenzubekommen. Für Kinder war das Pillen- und Zäpfchengießen aus Schokolade eine kleine Herausforderung mit süßem Lohn. Passendes Flair unter dem Gewölbe vermittelten auch die hölzernen Kunstobjekte aus über 100-jährigem Altholz von Joachim Zehme mit Unterstützung der Kinder von der neu gegründeten Kinder- und Jugendbauhütte St. Aegidien. Wer dann immer noch nicht genug hatte vom Oschatzer Mittelalterfrühling, der konnte den Tag musikalisch ausklingen lassen. Der Organisator der Veranstaltung, Robert Schmidt, fand dafür Unterstützer beispielsweise bei Katja Scholz und Ines Raschke, die ohne viel Überlegen einfach beim Projekt dabei waren.

„Die Angebote heute waren für uns mal etwas anderes, begeisterndes. Schade, dass nicht so viele Besucher die einzelnen Veranstaltungen angenommen haben, wie wir erlebten. Dennoch haben wir unser Kommen aus Riesa nicht bereut. Unsere Anerkennung gilt allen Beteiligten, habt Mut, weiterzumachen“, ziehen Hartmut Otte und Regina Lauke ihr ganz persönliches Veranstaltungsresümee.

Den Höhepunkt des Angebotsreigens an beiden Tagen beim Oschatzer Mittelalterfrühling bildete die Inszenierung des Luther-Denkmales am Haus an der Frongasse 5 durch den Künstler Joachim Zehme. Hier soll Luther zwei Mal Karl Jakob Voigt, den Beichtvater des Kurfürsten Friedrich III., besucht und mit ihm gezecht haben. Zehme setzte mit seiner Geschichts-Performance am Gebäude und mit der Enthüllung einer Gedenktafel an den Besuch Luthers einen interessanten Schlusspunkt.

Historiker, Ideengeber und Hauptorganisator Robert Schmidt freut sich, dass nach den samstäglichen verhaltenen Besucherzahlen am Sonntag ein deutlich größeres Interesse an den einzelnen Angeboten bestand. „Ich bin damit zufrieden. Sicher hat das Wetter etwas Abbruch getan. Ob es eine Neuauflage des Mittelalterfrühlings so geben wird, kann ich heute noch nicht sagen. Ausgeschlossen ist es nicht“, so Schmidt am Sonntagabend. Er dankte allen, die sich bei der Organisation eingebracht haben. Jenen besonders, die eigene Ideen beisteuerten. Er hofft, dass auch die anfänglichen Skeptiker von einer solchen neuen Veranstaltungsform für Oschatz überzeugt wurden und so die eine oder andere Zusammenarbeit künftig unkomplizierter werde. Also eine geglückte Premier

Von Bärbel Schumann

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