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Oschatzer Region ohne Potenzial für Fernbusse

Oschatzer Region ohne Potenzial für Fernbusse

Anfang des Monats kippte der Bundesrat die bisherigen Einschränkungen beim Fernbusverkehr. Ab Anfang kommenden Jahres sind Linienverbindungen parallel zu Bahnangeboten möglich.

An den Busbahnhöfen in Oschatz und Mügeln wird es deshalb nicht zu Staus an den Zufahrten kommen.

"Das Potenzial für solche Fernlinien ist in unserer Region gering", schätzt Joachim Hoffmann, Geschäftsführer der Omnibusverkehrsgesellschaft mbH "Heideland" (OVH) ein. Die Entfernung von Oschatz zu den Autobahnen, die an interessante Ziele führen, sei einfach zu groß. Umgekehrt befürchtet Hoffmann auch nicht, dass Unternehmen aus der Fremde Oschatz als Fernbusmarkt entdecken und der OVH hier Kundschaft abspenstig machen. "Auch nach der Liberalisierung des Marktes müssen mindestens 50 Kilometer zwischen den Haltestellen liegen. Also wäre nach Oschatz ein Halt in Leipzig vorstellbar. Da fahren wir nicht hin, das wäre keine Konkurrenz für uns", erläutert der OVH-Geschäftsführer. Einen weiteren Grund dafür, warum die Fernbuslinien in einer dünn besiedelten Gegend wie dem Landkreis Nordsachsen nicht wie Pilze aus dem Boden schießen werden, sieht Hoffmann in der Betriebspflicht. Er erklärt das so: "Wer eine Konzession für eine Buslinie beantragt und erhält, muss Busverkehr auf dieser Strecke anbieten." Wenn sich die Gewinnerwartungen nicht erfüllen, dürfte der Betrieb nicht einfach eingestellt werden. Das Verlustgeschäft könne erst nach einer behördlichen Entbindung von der Betriebspflicht beendet werden.

Brigitte Wittig, Inhaberin des gleichnamigen Busbetriebes kommt zu den gleichen Prognosen wie Joachim Hoffmann. Obwohl Busse des Unternehmens im Reiseverkehr zum Einsatz kommen, würde der Aufbau eines Fernverkehres den Rahmen der Möglichkeiten des Unternehmens sprengen. Sie befürchte auch nicht, dass Anbieter von außerhalb die Region in Fernbuslinien einbinden und hier den Markt durcheinander bringen.

Die im Nachbarkreis Meißen operierende Verkehrsgesellschaft Meißen mbH (VGM) bedient durchaus lange Linienwege. Dennoch ist nach Aussage des VGM-Geschäftsführers Rolf Baum der Fernverkehr kein Thema: "Wir haben einen bis 2017/18 laufenden Verkehrsvertrag mit dem Landkreis Meißen, der die Erbringung von Leistungen im Stadt- und Regionalverkehr beinhaltet." Die Beteiligung an Aufgaben außerhalb dieses Spektrums könnte nach Ansicht Baums zu Nachteilen bei künftigen Ausschreibungen in der Stammregion führen. "Ich denke, dass solche Fernbusse eher auf längeren Strecken interessant sind. Für Sachsen sehe ich da kaum Potenzial", meint Rolf Baum. Der VGM-Geschäftsführer glaubt nicht, dass sich jemand ernsthaft auf den Strecken zwischen den sächsischen Großstädten in Konkurrenz mit der Bahn begeben will, ausgenommen vielleicht die Verbindung Dresden-Hoyerswerda.

Die Regionalverkehr Dresden GmbH (RVD) betreibt derzeit, zum Teil mit Kooperationspartnern, Buslinien zwischen Dresden und Berlin, Prag, Würzburg und mehreren Ostseebädern. Micaela Frister, Referentin für Marketing bei der RVD, erwartet nach der Gesetzesänderung "kurzfristig keinen Massenmarkt". Schon allein der Mangel an gut ausgebildeten Busfahrern könne eine Hürde darstellen. Am ehesten erwarte das Dresdener Unternehmen Konkurrenz durch bestehende internationale Buslinien, die ab Anfang 2013 Fahrgäste zwischen deutschen Haltestellen befördern dürfen. Als Kriterien der Entscheidung für oder gegen neue Fernlinien nennt Micaela Frister neben der zu erwartenden Nachfrage die Reisedauer, die sich aus den gesetzlich vorgeschriebenen Lenk- und Ruhezeiten ergeben. Bereits am 1. Dezember bringt die RVD eine neue Fernbuslinie von Dresden nach Frankfurt am Main mit Halt in Chemnitz, Glauchau und mehreren Städten in Thüringen auf den Markt.

Axel Kaminski

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