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Oschatz Oschatzer Schöffe Günter Staffe (69) zieht nach neun Jahren Bilanz
Region Oschatz Oschatzer Schöffe Günter Staffe (69) zieht nach neun Jahren Bilanz
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00:29 03.03.2018
Günter Staffe Quelle: Foto: Christian Kunze
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Zschöllau/Leipzig

Seine Zeit als ehrenamtlicher Richter geht zu Ende: Neun Jahre lang war Günter Staffe (69) als Schöffe am Landgericht Leipzig tätig. Sein Alter und das Ablaufen seiner zweiten Amtszeit sprechen dagegen, dass er weiter macht. Nun werden Nachfolger gesucht. OAZ sprach mit dem Zschöllauer über seine Tätigkeit.

Lektion für Verurteilte

In diesem Jahr ist Schluss – nach rund 80 Prozessen, an denen er beteiligt war, zieht der Pädagoge ein positives Fazit. „Das Schöffenamt prägt und erweitert die Persönlichkeit“, sagt er – was nicht heißt, dass man vollkommen unbedarft an diese Aufgabe herangehen sollte. Lebenserfahrung und die Fähigkeit, zwischen Recht und Unrecht unterscheiden zu können, sind dabei ebenso gefragt wie körperliche Belastbarkeit. Deshalb ist die Altersspanne wichtig. Schöffen müssen mindestens 25 und dürfen höchstens 69 sein.

Staffes berufliche Tätigkeit als Lehrer und Ausbilder machte ihm die Entscheidung leicht, als Jugendschöffe zu arbeiten. „In diesen Fällen sollen Urteile Erziehung sein, keine Strafe“, meint er. Das Bewusstsein beim jugendlichen Täter zu wecken, dass er eine Lektion erteilt bekommt, sei wichtig.

Wunsch: Schöffen im Schulunterricht

Ebenso wichtig ist Kompromissfähigkeit. „In der Regel sind wir uns mit dem hauptamtlichen Richter einig, was die Richtung des Urteils angeht. Diesen gemeinsamen Weg zu bestreiten, ist nicht immer einfach, aber in jedem Falle spannend.“ Kehrseiten will er nicht beschönigen. „Es gibt Verhandlungen, die sind fix und eindeutig beendet. Allerdings kann der Weg zum Urteil auch lang, zäh und kräftezehrend sein.“

Missen möchte Staffe allerdings auch diese schwierigen Momente nicht. Denn sie zeigen auf, weshalb Rechtssprechung sich manchmal so lange hinzieht. „Als Außenstehender fällt es leicht, die Langsamkeit der Justiz anzuprangern und deren Überlastung zu beklagen. Wer Teil dieses Prozederes ist, der denkt sehr schnell differenzierter darüber.“ Denn die Arbeit als Schöffe mache vieles, das außerhalb des Gerichtssaals Kopfschütteln verursacht, deutlich besser nachvollziehbar. Allein das sei die Erfahrung wert. Um noch mehr für dieses Problem zu sensibilisieren, wünscht sich der scheidende Schöffe, dass ehrenamtliche Richter beispielsweise auch an Schulen über ihre Aufgabe berichten dürfen. „Das schafft Lebenspraxis für die Schüler“, ist er überzeugt.

Gesunder Menschenverstand ist wichtig

Vom Pauken der Gesetzestexte als Vorbereitung auf die Schöffentätigkeit rät Staffe ab. „Das ist Sache der Berufsrichter.“ Der Schöffe sei vielmehr als Bindeglied zwischen der rein juristischen Auslegung und dem Lebensalltag außerhalb des Gerichtssaals zu verstehen. Denn es sei fatal, entweder Gesetzestext oder gesunden Menschenverstand beim Fällen eines Urteils gänzlich außer Acht zu lassen.

Von Christian Kunze

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