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Oschatzer Sommertheater begeistert Zuschauer am Rosensee

Poesie des Raumes Oschatzer Sommertheater begeistert Zuschauer am Rosensee

Lichtklänge und Theater an besonderen Orten verbindet das Theatre de Luna seit einigen Jahren am Rosensee in Oschatz mit Inklusion. Menschen mit und ohne Behinderung stehen gemeinsam auf der Bühne und beschäftigen sich mit großen Themen. In diesem Jahr setzen sie sich in „Lissi und die Zeit“ kritisch und humorvoll mit Zeit auseinander.

Die Akteure bedanken sich für den Applaus des Publikums,

Quelle: christian kunze

Oschatz. Einmal im Jahr wird der Rosensee zur riesigen Natur- und Spielbühne für Menschen mit und ohne Behinderung, mit und ohne sichtbare und unsichtbare Handicaps. Es ist die große Leistung des Projekts „Poesie des Raumes“, diese unterschiedlichen Charaktere in einem Stück zusammenzuführen.

Das Theatre des Luna kreiert mit der Inszenierung „Lissi und die Zeit“ nicht nur darstellende Kunst mit Tanz, Text, Licht und Musik. Es gibt allen Beteiligten – in der Regel Laien – zudem die Chance zu entdecken, was in ihrer Persönlichkeit steckt, wie sie auf andere wirkt und birgt damit auch die Möglichkeit der Entwicklung eines jeden einzelnen Mitstreiters. Das ist gelebte Inklusion und die Auseinandersetzung mit aktuellen Fragen unserer Zeit in einem eben solchen Maße.

Thema Zeit steht im Mittelpunkt

Das Hauptaugenmerk des Stückes liegt, wie der Titel vermuten lässt, auf dem großen Thema Zeit – und führt dem Publikum in reichlich 90 Minuten vor Augen, wie der Mensch mit eben dieser umgeht. Die Akteure schaffen es, in kleinen, sketchartigen Szenen den Zuschauern den Spiegel vorzuhalten. In der ein oder anderen Situation haben jene, die auf den Rängen sitzen, schon einmal das gesagt oder getan, was die Darsteller mit wenigen Worten auf den Punkt bringen.

Das Stück nähert sich dem Begriff Zeit von vielen Seiten, ohne dabei beliebig zu werden. Da wird in nonverbalen Szenen den Lebensstadien von der unbeschwerten Kindheit über die turbulente Jugend bis hin zum stressigen Erwachsensein und der ruhigen, doch selten beschwerdefreien Rente gehuldigt. Da stellen sich einem frisch verliebten Paar plötzlich anonyme Gesellen in den Weg, die aus grob geschlagenen Klötzen eine Mauer aufrichten, in der jeder Stein eine andere Art von Zeit symbolisiert. Der Kontext dieser Idee ist so banal wie überwältigend: Wir klagen darüber, keine Zeit zu haben, dabei ist unsere Existenz vollgepackt mit Dingen, denen wir Zeit einräumen – ob wir es wollen oder nicht.

Diese und andere Widersprüche der hektischen, von vermeintlicher Zeitnot geprägten Gegenwart greift das Stück mit überraschender Leichtigkeit auf. Bedrückende Szenen, untermalt mit schwermütiger Musik und langanhaltende Passagen, in denen minutenlang die Aufmerksamkeit des Betrachters gefordert war, mischten sich in die bisherigen Teile der „Lissi“-Reihe und erschwerten manchem Zuseher bisweilen den Zugang zum Gezeigten. In diesem Stück jedoch bleiben sie die Ausnahme.

Lissi wird angesprochen und einbezogen

Stattdessen wagt Regisseur Jürgen Hartmann-Bastl Neues. So eröffnet Lissi zwar in gewohnter Weise auf ihrem Fahrrad herannahend den Abend. Jedoch bleibt sie nicht, wie in den vergangenen Inszenierungen, bloße Beobachterin des übrigen Geschehens. Sie wird einbezogen oder sogar angesprochen, tanzt im Finale ausgelassen mit allen Akteuren und schafft es sogar, die Menschen von der Tribüne in diesen unbeschwerten Abschlusstanz mit einzubeziehen.

Die Natur ist neben Licht, Musik, Bildprojektoren und Darstellern wichtiger Bestandteil von „Lissi und die Zeit“. Wenn der Nieselregen im Scheinwerferlicht wie Schneeflockenwirbel aussieht oder leuchtende Regenschirme auf den Wellen des Rosensees gleiten wie stolze Schwäne, gibt das den Aufführungen noch einen zusätzlichen Reiz.

Von Christian Kunze

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