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Oschatzer Suchtberatung ist vor allem für Alkoholkranke Anlaufstelle

Evangelisches Diakoniewerk Oschatzer Suchtberatung ist vor allem für Alkoholkranke Anlaufstelle

In der Region Oschatz kämpfen Suchtkranke überwiegend mit dem Alkohol. Auch illegale Drogen wie Crystal Meth sind auf dem Vormarsch. Hilfe gibt es unter anderem in der Suchtberatungsstelle des Evangelischen Diakoniewerks. Das Angebot reicht dabei von unterschiedlichen Therapieformen bis zu Selbsthilfegruppen.

Bettina Kleine versorgt in der Suchtberatungsstelle des Evangelischen Diakoniewerks Oschatz-Torgau Betroffene mit Terminen.

Quelle: André Pitz

Oschatz. „Es gibt so viele, die Drogen konsumieren und auch Legal Highs bestellen, die nicht zu uns kommen. Wir erleben immer nur die Spitze des Eisbergs“, sagt Bettina Kleine von der Suchtberatungsstelle des Evangelischen Diakoniewerks Oschatz-Torgau. Hintergrund ist eine aktuelle Warnung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Demnach seien im vergangenen Jahr 98 Menschen an den Folgen des Konsums sogenannter Legal Highs gestorben. Diese Substanzen werden in der Regel irreführend als Kräutermischungen, Badesalze, Lufterfrischer oder Pflanzendünger angeboten und versprechen eine Amphetaminen, Ecstasy oder Cannabis ähnliche Wirkung. Der Konsum kann schwere gesundheitliche Schäden wie Kreislaufversagen, Ohnmacht, Psychosen, Wahnvorstellungen, Muskelzerfall und Nierenversagen nach sich ziehen.

Alkohol ist trauriger Spitzenreiter

Bettina Kleine und ihre Kollegen kommen bisher nur spärlich mit entsprechend Betroffenen in Kontakt. „Der Schwerpunkt liegt bei uns beim Alkohol – das ist deutschlandweit und auch bei uns nach wie vor die Droge Nummer 1. Danach kommen illegale Substanzen wie Crystal Meth. Auch Spielsucht ist ein Thema, aber Verhaltenssüchte sind eher selten“, erläutert Kleine.

In der Oschatzer Außenstelle der Suchtberatung sind vier Mitarbeiter im Einsatz. Das Büro am Kirchplatz 2 ist von Montag bis Freitag besetzt, der Terminkalender gut gefüllt. „Wenn sich jemand bei uns meldet, versuchen wir innerhalb von zwei Wochen einen Termin zu vergeben“, sagt die Sozialpädagogin. Derzeit bekämen sie sogar unter anderem Anfragen aus Leipzig, da die Betroffenen einerseits nicht wochenlang auf einen Termin warten wollen und andererseits versuchen, einen Teil ihrer Anonymität zu wahren.

Vom Erstgespräch bis zur Selbsthilfegruppe

Der Schritt zur Suchtberatungsstelle, um sich Hilfe zu suchen, ist für viele ein schwieriger und mitunter auch kein freiwilliger. „Jobcenter und Jugendamt erteilen häufig Auflagen, zur Suchtberatung zu gehen“, weiß Kleine. Auch die Familie dränge viele Betroffene dazu, sich mit ihren Suchtproblemen auseinander zu setzen. „Über die Hälfte aller Klienten kommt erstmal fremdmotiviert zu uns“, schätzt die Sozialpädagogin. „Die Selbsterkenntnis Betroffener, dass ihr Suchtmittelkonsum riskant und gesundheitsgefährdend sein kann, ist für eine Verhaltensänderung aber unabdingbar.“ Diesen Umstand versuchen Kleine und Kollegen zu ändern. Im sogenannten Erstgespräch werden Behandlungsmöglichkeiten, die von Entgiftungsbehandlung bis zu stationären Therapiemaßnahmen reichen, abgesteckt. Die Therapeuten nennen das den „Weg ins Suchthilfesystem.“ Der ist in Oschatz zudem mit zwei Selbsthilfegruppen gepflastert, in denen sich Betroffene in geschützter Atmosphäre untereinander austauschen können. „Voraussetzung ist, dass die Leute trocken – also nicht alkoholisiert – kommen“, betont Kleine.

Überdies bietet das Diakoniewerk in der Döllnitzstadt ambulante Therapie für Alkohol, Medikamente und seit einem Jahr auch für illegale Drogen wie Crystal Meth an. Dafür sind die Mitarbeiter der Suchtberatungsstelle entsprechend qualifiziert. „Wir sind alle Diplom-Sozialpädagogen und es ist Standard, zusätzlich eine dreijährige Ausbildung zum Suchttherapeuten zu absolvieren“, erläutert Kleine. Dabei werden vor allen Dingen verhaltenstherapeutische Ansätze vermittelt. „Wir haben gelernt, das Verhalten von Betroffenen zu beobachten, was daraus abzuleiten ist und in welche Richtung man es ändern kann“, führt die Mitarbeiterin des Diakoniewerks aus.

Jeder kann betroffen sein

Dabei bekommen sie es mit ganz unterschiedlichem Klientel zu tun. Vom Hartz-IV-Empfänger bis zum Gutverdiener mit Familie, Haus und Auto sei alles dabei. „Es zieht sich durch alle Altersschichten“, beobachtet Kleine. Jugendliche ab 16 Jahren haben oft Probleme mit Cannabis, ab 50 aufwärts ist der Alkohol trauriger Spitzenreiter. Und das wird auf absehbare Zeit vermutlich auch so bleiben. „Drogen haben immer noch diesen illegalen Touch. Man macht sich strafbar und das schreckt wahrscheinlich viele ab“, meint Kleine. „Das ist beim Alkohol nicht so. Der ist gesellschaftsfähig und an jeder Ecke zu haben.“ Deswegen wären auch in Zukunft die meisten davon betroffen. Nur eine Veränderung in der Drogenpolitik in Richtung Entkriminalisierung oder gar Legalisierung von Cannabis könne daran etwas ändern. Diesen politisch viel diskutierten Schritt sieht Kleine jedoch kritisch: „Für die Betroffenen würde sich nichts ändern. Strafrechtliche Konsequenzen fallen weg, aber die Auswirkungen bleiben.“ Suchtkranke legen ungeachtet der rechtlichen Lage weiterhin ungesundes Konsumverhalten an den Tag.

Von André Pitz

Kirchplatz 2, Oschatz 51.29758 13.10628
Kirchplatz 2, Oschatz
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