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Oschatz Oschatzer fordern: Lasst die Kirche auf unseren Urlaubsfotos
Region Oschatz Oschatzer fordern: Lasst die Kirche auf unseren Urlaubsfotos
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00:39 06.07.2015
Diese Stadtansicht von Oschatz könnte schon bald für Probleme beim Fotografieren sorgen. Quelle: Privat
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Oschatz

Von christian kunze

In Frankreich, Italien und Griechenland ist es verboten, öffentliche Gebäude und Kunstwerke zu fotografieren und zu verwerten, ohne das Recht eingeholt zu haben - sofern der Urheber nicht bereits 70 Jahre oder länger verstorben ist. Dies könnte bald im gesamten EU-Raum gelten und die Panoramafreiheit erheblich einschränken.

"Ein fragwürdiger Vorstoß", befindet Thomas Malik vom Fotostudio Corinna. Er prophezeit eine Abmahnungswelle. Denn ein solches Verbot sei ein "gefundenes Fressen" für Anwälte. Eine Alternative wäre, dass sich Interessenten die Rechte der Fotos sichern, die sie nutzen wollen. "Doch das wird für die meisten viel zu kostspielig." Für Fotografen, die sich auf Architektur spezialisiert haben, könnte es das Aus bedeuten, befürchtet Malik.

Dirk Hunger, als freier Fotograf auch für die OAZ tätig, erwartet Probleme für die Vertreter seiner Zunft, die Regionales im Fokus haben. "Wenn hiesige Brunnen, Kirchen und andere Gebäude von den Bildern verschwinden, geht die individuelle Note der Motive verloren." Der Bornitzer Fotograf Tilo Schroth ist ebenfalls nicht begeistert: "Ich kann verstehen, dass ein Architekt sein Werk nicht mehrfach abgekupfert haben möchte oder gar gewerblich verwertet. Aber wie soll man das tun? Ein Facebook-Foto ist nicht gewerblich verwertbar, selbst wenn es die Geschäftsbedingungen vorsehen. Lieber EU-Rechtsausschuss: Lasst die Kirche im Dorf, die Mühle auf dem Berg und bleibt selbst mal auf dem Teppich."

"Ich kann mir nicht vorstellen, was es bedeuten würde, sollte es zu einer Entscheidung kommen, die nicht nur eine private öffentliche Darstellung im Internet betrifft, sondern für alle Ablichtungen gilt. Wie sollen wir dann Oschatz vermarkten?", sagt die Leiterin der Oschatz-Information Ute Oehmichen. Prospekte und Ansichtskarten müssten eingestampft werden. Oehmichen plädiert für die Panoramafreiheit: "Man kann doch nicht die Technik so weit entwickeln, dass es jedem möglich ist, alles und jeden abzulichten und denkt andererseits über solche Einschränkungen nach. Richtig finde ich aber, dass Fotos durch den Urheber zur Veröffentlichung freigegeben werden."

Die Leiterin der Oschatzer Freizeitstätten GmbH, Iris Kübler, befürchtet erhebliche Einschnitte in die Möglichkeiten des Marketings, sollte das Gesetz kommen. "Unsere Sehenswürdigkeiten tragen maßgeblich zum positiven Effekt bei, den wir nach außen erzielen". Problematisch sieht sie die praktische Umsetzung: "Müssen wir jetzt im Zentrum Schilder anbringen, die das Fotografieren verbieten, um uns abzusichern?"

Rechtsanwalt Rainer Horbas hält eine Vereinheitlichung für notwendig, relativiert jedoch die Befürchtungen. Am 9. Juli werde lediglich über den Vorschlag des Rechtsausschusses abgestimmt. "Ein Gesetzentwurf, geschweige denn ein Gesetz, liegt demgemäß noch Lichtjahre entfernt". Horbas rechnet damit, dass es für die private öffentliche Nutzung der Fotos eine Regelung geben wird: "Um den Interessen der Rechteinhaber gerecht zu werden, ist eine Einschränkung der gewerblichen Nutzung unumgänglich." Für veröffentlichte Fotos wird es eine Übergangsfrist von sechs bis zwölf Monaten geben, innerhalb der die Fotos zu beseitigen sind, schätzt der Jurist ein. Dass die Regelung rückwirkend gilt, schließt er aus, so dass Verstöße dagegen erst geahndet werden können, wenn das Gesetz in Kraft tritt. © Kommentar

Christian Kunze

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