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Oschatzer gründet Selbsthilfegruppe zur Trauerbewältigung

Gemeinsam Verluste bewältigen Oschatzer gründet Selbsthilfegruppe zur Trauerbewältigung

Nach einem Trauerfall wieder Lebensfreude gewinnen ist nicht leicht. Berthold Röllig aus Oschatz verlor selbst vor knapp drei Jahren seine Frau und möchte anderen Hinterbliebenen helfen, nach dem Verlust wieder Glück zu empfinden. Der 73-Jährige hat eine Selbsthilfegruppe gegründet und lädt andere Trauernde ein, sich auszutauschen.

Gemeinsam trauern kann leichter sein als allein mit dem Verlust umzugehen. Für Menschen, die Rat bei anderen suchen, hat der Oschatzer Berthold Röllig eine Selbsthilfegruppe gegründet

Quelle: Archiv

Oschatz.. Es gibt wohl kaum etwas, dass individueller ist als die Trauerzeit nach dem Verlust eine geliebten Menschen. Jeder geht mit einem solchen Schicksalsschlag anders um. Berthold Röllig kann heute wieder lachen. Vor knapp drei Jahren war das allerdings noch ganz anders: Der Oschatzer verlor seine Ehefrau nach kurzer schwerer Krankheit. Nur wenige Monate vor der Goldenen Hochzeit des Paares schloss seine Frau die Augen für immer. Die Zeit der Trauer war äußerst beschwerlich für den Hinterbliebenen, vor allem deshalb, weil der Tod seiner Frau überraschend kam. Rückblickend bezeichnet der 73-Jährige die Monate nach dem Schicksalsschlag als einen „Kampf“.

Jetzt hat der Senior eine Selbsthilfegruppe ins Leben gerufen – weil die vorherigen Angebote ihn nur wenige Wochen lang helfen konnten, mit dem Verlust umzugehen. „Das Deutsche Rote Kreuz und die Tagesklinik in Riesa, mit der ich noch immer in Verbindung stehe, haben mir geraten, selber aktiv zu werden, um nicht wieder ein Loch zu fallen“, beschreibt Röllig. Kinder, Enkelkinder und Urenkel hat der Oschatzer zwar. Aber die sind allesamt oft unterwegs und beschäftigt und können nicht immer für ihn da sein. Er weiß, dass es in Oschatz und Umgebung auch andere Menschen gibt, für die der Umgang mit Trauer besonders schwierig ist – weil sie keine weiteren Angehörigen haben beispielsweise oder weil die Umstände des Todes die Zurückgelassenen noch lange beschäftigen.

Im November wagte Berthold Röllig dann den entscheidenden Schritt, startete einen kleinen Aufruf und traf sich erstmals mit drei Frauen, die ebenfalls ihre Ehepartner verloren hatten. „Eine von ihnen war nur kurz da und hat uns seitdem nicht noch einmal besucht“, sagt der Oschatzer. Wie oft man die Gruppe besuche und wie lange man bleibe, sei jedem selbst überlassen.

Egal ob der Tod eines Angehörigen oder nahestehenden Menschen fünf Wochen, fünf Monate oder fünf Jahre zurückliegt, jeder, der die Möglichkeit sucht, sich auszutauschen, ist willkommen. Die Selbsthilfegruppe „Von Trauerbewältigung zur Lebensfreude“ trifft sich zwei Mal im Monat immer am Montagnachmittag. Den genauen Ort und die Zeit der Gruppenzusammenkünfte teilt Röllig Interessenten auf Nachfrage mit.

Anfangs hatte der Initiator Bedenken, ob sich überhaupt jemand melden würde. Nach den ersten Treffen ist dieses Gefühl jedoch nicht mehr da. „Das Zusammensein, Reden über das, was einem auf der Seele brennt, und das Empfinden, dass es jemanden gibt, der einem zuhört, stärkt uns.“ Gemeinsam woll man in der Gruppe dazu beitragen, dass jeder Einzelne wieder zu mehr Lebensfreude finden kann. „Das geht natürlich nicht von heute auf morgen. Mancher braucht dafür länger als der andere. Aber, obwohl die Trauer in uns noch dominiert, muss das Leben weitergehen. Den Blick nach vorne zu richten, das ist unser vorrangiges Ziel“, beschreibt Röllig.

In Konkurrenz zu anderen Angeboten möchte der Begründer der Selbsthilfegruppe nicht treten. „Es gibt Angebote der Kirche, ein Trauercafé oder Seelsorger. Bei denen steht jedoch die Beschäftigung mit der Trauer im Mittelpunkt. Das genügt mir nicht“, nennt der Rentner einen wesentlichen Unterschied. Dabei ist es nicht von Belang, wer alles an den Treffen teilnimmt. Willkommen sind Trauernde jeden Alters, die den Mut haben, sich ihrem Schmerz stellen und wieder Licht in ihr Leben bringen möchten. „Wer mag, kann Familienmitglieder oder Freunde mitbringen, sollte das aber vorher mitteilen, damit wir gegebenenfalls einen größeren Raum finden können.“ Wenn die Gruppe etwas größer wird, soll es nicht bei den regulären Zusammenkünften bleiben. „Ich könnte mir vorstellen, dass wir etwas unternehmen, wandern, andere Ausflüge unternehmen, uns Referenten einladen. Für weitere Ideen bin ich offen.“

Nicht zuletzt hofft Berthold Röllig, dass durch seine Selbsthilfegruppe gesellschaftliche Tabuthemen wie der Tod, das Sterben und die Trauer stärker in den Fokus rücken und diskutiert werden.

Kontakt: Berthold Röllig, Friedensstraße 27, 04758 Oschatz, Telefon: 03435 927628

Von Christian Kunze

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