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Oschatz Oschatzer hoffen auf Besuch des Bundespräsidenten
Region Oschatz Oschatzer hoffen auf Besuch des Bundespräsidenten
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14:36 05.04.2018
Dieser RTL-Bericht im Zusammenhang mit der Neujahrsansprache des Bundespräsidenten brachte den Stein ins Rollen. Quelle: Foto: screenshot
Oschatz/Berlin/Köln

Drei sächsische Ministerpräsidenten waren schon in Oschatz. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) besuchte die Stadt im Rahmen ihrer Wahlkampftour im Herbst 2013. Der höchste Mann im Staate, der Bundespräsident, war jedoch noch nie hier. Das könnte sich bald ändern. Dank dem Fernsehsender RTL, der zum Jahresanfang ein trostloses Bild von Oschatz gezeichnet hatte.

Den Oschatzer Oberbürgermeister Andreas Kretschmar (parteilos) wurmte es mächtig, dass seine Stadt in dem deutschlandweit ausgestrahlten Fernsehbeitrag in ein schlechtes Licht gerückt wurde. Dies will er nun wieder gerade rücken und lädt den Bundespräsidenten nach Oschatz ein, damit sich Frank-Walter Steinmeier selbst ein Bild machen kann. Ob Steinmeier tatsächlich kommt, steht jedoch noch nicht fest.

Diskussion um RTL-Bericht

Oschatz als Geisterstadt im Osten: Dieses Bild zeichnete der Kölner Privatsender RTL in seiner Berichterstattung während der Weihnachtsfeiertage 2017. Bundespräsident Steinmeier thematisierte in seiner Weihnachtsansprache „abgehängte Orte“ in Deutschland, in denen es keine Schulen, Arztpraxen, Tankstellen oder Einkaufsmöglichkeiten mehr gebe. RTL illustrierte die Worte mit Szenen der Oschatzer Innenstadt an den Feiertagen – zu einer Zeit gefilmt, als die meisten Menschen in Familie daheim saßen.

Der vom Sender konstruierte Zusammenhang sorgte für Diskussionen im Internet und lieferte Gesprächsstoff auf der Straße. Die Reaktionen reichten von „Ich lebe gern in Oschatz und ich finde, da gibt es viel schlimmere Nester“ über „Was regen sich die Leute auf? Es entspricht doch der Wahrheit, dass in Oschatz nichts los ist, hier kann man 16 Uhr die Bürgersteige hochklappen und keinen stört es“ bis hin zu „Zum Glück waren die nicht in Zella-Mehlis und „Oder in Eilenburg.“.

Oschatzer Rathauschef schreibt Steinmeier

Der Oschatzer OBM setzte sich an seinen Schreibtisch und verfasste einen Brief an den Bundespräsidenten. „Unsere liebenswerte Stadt hat knapp 15 000 Einwohner und liegt in Sachsen in der Mitte zwischen Leipzig und Dresden. Hier leben engagierte Bürgerinnen und Bürger, die sich an ihrer sanierten mittelalterlichen Innenstadt und den Veranstaltungen der Vereine und der Innenstadthändler erfreuen“, heißt es in dem Brief.

Steinmeiers Worte über „die traurige Zukunft verlassener Orte und ausblutender Dörfer“ habe der Privatsender RTL zum Anlass genommen, Oschatz „als besonders negatives Beispiel“ darzustellen. Mit den Worten „Dies hat uns sehr tief getroffen. Wohl wissend, dass Sie bei Ihrer Weihnachtsbotschaft nicht an Oschatz gedacht haben, möchten wir Sie einladen, unsere Stadt und die Menschen, die hier leben kennenzulernen“, schließt der Brief.

Die Antwort aus Berlin kam vier Wochen später. Ministerialdirektor Oliver Schmolke, Leiter der Abteilung Inland im Bundespräsidialamt, erklärt: Es sei bedauerlich, dass es Medien gebe, die plakativ Städte heraussuchten, um sie als besonders negative Beispiele für verlassene Orte darzustellen. „Oschatz hat das bestimmt nicht verdient“, so Schmolke. Der Bundespräsident würde sich gern ein Bild von der Stadt und dem Engagement der Menschen in Oschatz machen, ein konkreter Termin dafür sei aber derzeit nicht absehbar. „Wir werden die Große Kreisstadt Oschatz gern in unsere Liste attraktiver Besuchsziele aufnehmen. Sobald sich eine Möglichkeit für einen Abstecher nach Oschatz ergeben sollte, kommen wir direkt auf Sie zu“, lässt das Bundespräsidialamt die Oschatzer Stadtverwaltung wissen.

Keinen bestimmten Ort benannt

Was hat es mit dieser „Liste attraktiver Besuchsziele“ auf sich? Kann sich die Stadt nun in einem Atemzug mit deutschen Metropolen oder besonders gefragten Tourismusregionen nennen lassen? Dem ist leider nicht ganz so, erfuhr OAZ auf Nachfrage. „Die Liste attraktiver Besuchsziele ist eine interne Sammlung des Bundespräsidialamtes. Darin sind Orte vermerkt, die dem Bundespräsidenten von Bürgermeistern oder Bürgern für einen Besuch vorgeschlagen werden. Wir haben Oschatz hinzugefügt und versuchen, die Stadt bei der Reiseplanung des Bundespräsidenten zu berücksichtigen – wenn es sich ergibt“, sagt Anna Engelke, die Sprecherin des Bundespräsidenten.

Engelke betont, dass Steinmeier in seiner Weihnachtsansprache keinen Ortsnamen genannt hat und keinen bestimmten Ort in ein negatives Licht rücken wollte. Die Verbindung zwischen den Inhalten der Weihnachtsansprache und der Stadt Oschatz habe der ausstrahlende Fernsehsender RTL hergestellt – jedoch nicht der Bundespräsident.

Von Christian Kunze

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