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Oschatzer sehen Bahnstreik mit Gelassenheit

Oschatzer sehen Bahnstreik mit Gelassenheit

Die Bahnhöfe in Oschatz und Dahlen sind seit gestern wieder verwaist. Die Gewerkschaft der Lokführer (GdL) streikt zum neunten Mal innerhalb eines Jahres, was auch mit massiven Einschränkungen im Regionalverkehr nach Leipzig und Dresden verbunden ist.

Region Oschatz.

Die OAZ fragte gestern Betroffene, was sie von dem erneuten Ausstand halten und wie sie damit umgehen.

 

Nico Ahnert (19), aus Oschatz leistet zur Zeit seinen Bundesfreiwilligendienst in Leipzig: "Ich finde den Streik generell richtig, sehe das eher positiv. Blöd ist nur, dass es uns Pendler am schlimmsten trifft. Wir müssen pünktlich zur Arbeit kommen, und da nützt auch der Notfahrplan nichts. Durch den Streik komme ich eine halbe Stunde zu spät auf Arbeit, die Fehlzeit muss ich nacharbeiten. Gut ist, dass die Regionalbahn nach Leipzig während des Streikes wenigstens noch im Zweistundentakt fährt."

 

Mario Franke (47), Taxifahrer aus Oschatz: "Dass die Lokführer für ihre Rechte kämpfen, ist nachvollziehbar. Ich bin aber der Meinung, dass der Güterverkehr rollen sollte. Denn die Ausfälle und Einschränkungen für die Produktion und somit die Wirtschaft in ganz Deutschland sind nicht mehr kalkulierbar. Hier sollte von staatlicher Seite reagiert werden. Ich selbst bin nicht auf die Bahn angewiesen, auch meine Familie nicht. Deshalb stört mich der bestreikte Personenverkehr nicht. Ein spürbares Plus an Fahrgästen habe ich durch den Streik nicht. Da gibt es nur vereinzelt Anfragen."

 

Joachim Peter (53), einer der drei Geschäftsführer bei der gleichnamigen Spedition in Oschatz: "Wir haben direkt keine Verbindung zur Bahn, weil wir keine Bahnverladung oder Ähnliches machen. Insofern betrifft uns der Bahnstreik nicht. In unserem Betrieb läuft ganz normal das Tagesgeschäft. Ob wir durch den Bahnstreik jetzt zusätzliche Aufträge bekommen, kann ich nicht sagen. Wir erhalten im Tagesgeschäft Ladungen über Frachtenbörsen. Ob die vorher auf der Schiene geplant waren, wissen wir nicht. Ich habe aber aus den Medien erfahren, dass viele große Unternehmen Frachten, die ihnen wichtig sind, schon auf die Straße verlegt haben, um Verzögerungen aus dem Weg zu gehen. Man könnte fast sagen, dass viele Unternehmen zweigleisig fahren, auf der Schiene und auf der Straße.

 

Für Jörg Bringewald (48), Beigeordneter der Stadt Oschatz, war die Bahn noch nie eine Option für den täglichen Weg zwischen seinem Wohnort Meißen und der Arbeitsstelle im Oschatzer Rathaus. "Da die Fahrt über die Autobahn ein riesiger Umweg ist, benutze ich die B 6. Das ist die schnellere Strecke, obwohl es hier drei Baustellen mit Ampelregelung gibt. Dort habe ich trotz des Streiks der Lokführer noch kein höheres Verkehrsaufkommen beobachtet", sagt der Leiter der Kämmerei. Möglicherweise sehe das ja auf der A 4 und der A 14 anders aus. Trotzdem sich an seiner Fahrzeit von rund einer halben Stunde pro Tour nichts geändert habe, trifft Jörg Bringewald der Bahnstreik. "Ich nutze dieses Verkehrsmittel gelegentlich und dann recht gern für Dienstreisen. Es bietet Annehmlichkeiten, die man beim Autofahren nicht hat", sagt der Beigeordnete. Egal, ob sich der Streik bis über die Feiertage hinziehen werde oder nicht - Reise- oder Ausflugspläne des Meißeners durchkreuze dieser Arbeitskampf nicht. FH/HR/cku/ak

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