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Oschatzer würden vom Industriegebiet Rio profitieren

Interview mit Oberbürgermeister Kretschmar Oschatzer würden vom Industriegebiet Rio profitieren

Vor zehn Jahren unterschrieben im Feuerwehrgerätehaus von Grubnitz, einem Ortsteil der Gemeinde Stauchitz, die Oberbürgermeister von Riesa, Oschatz und der Stauchitzer Bürgermeister den sogenannten RiO-Vertrag. Damit wurde ein Zweckverband gegründet, der Flächen für ein gemeinsames Industriegebiet erwerben, dieses erschließen und vermarkten sollte.

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Peter Geißler, (Stauchitz), Gerti Töpfer (Riesa) und Andreas Kretschmar (Oschatz, von links) besiegeln mit ihrer Unterschrift am 10. März 2006 die Gründung des Rio-Zweckverbandes.

Oschatz. Auf den Tag genau vor zehn Jahren unterschrieben im Feuerwehrgerätehaus Grubnitz die Oberbürgermeister von Riesa, Gerti Töpfer (CDU), Oschatz, Andreas Kretschmar (parteilos) und der Stauchitzer Bürgermeister Peter Geißler (parteilos) den sogenannten Rio-Vertrag. Damit wurde am 10. März 2006 ein Zweckverband gegründet, der Flächen für ein gemeinsames Industriegebiet erwerben, dieses erschließen und vermarkten sollte. Rio ist die Abkürzung für Riesa (Ri) und Oschatz (o). Der Oschatzer Oberbürgermeister ist mittlerweile der einzige Bürgermeister der drei Unterzeichner von damals, der noch im Amt ist.

Herr Kretschmar, der Zweckverband ist aufgelöst und im Rio-Gebiet qualmt noch kein Schlot. Hat man vor zehn Jahren also umsonst mit Rio-Märzen angestoßen?

Nein. Die Auflösung des Zweckverbandes besagt ja nicht, dass wir hier keine Industrie ansiedeln möchten. Allerdings waren die Grundstücke nicht in der Hand des Verbandes. Das zu ändern hätte viel Aufwand bedeutet und Grunderwerbssteuer gekostet. Die Flächen sind nun nach wie vor bei der Stadt Riesa, aber wir bewerben das Gebiet weiterhin aktiv. Ich freue mich auch darüber, dass mein Riesaer Amtskollege einen Wirtschaftsförderer in der Stadtverwaltung angestellt hat.

Gibt es denn tatsächlich noch Chancen auf Industrieansiedlungen auf der grünen Wiese zwischen Riesa und Oschatz?

Neuansiedlungen im Osten Deutschlands sind selten. Häufiger werden hier bestehende Standorte erweitert. Aber es ist wichtig, dass wir dieses Gebiet zur Vorsorge haben. Dass die Flächen der Stadt Riesa und nicht dem Zweckverband gehören, ändert nichts daran, dass Oschatz und viele Oschatzer davon profitieren würden, wenn dort neue Arbeitsplätze entstünden.

Das Rio-Industriegebiet war nur ein Projekt der Zusammenarbeit beider Städte, für die es ja auch ganz große Visionen gab. Auf welchem Stand sehen sie die Zusammenarbeit?

Ich habe einen sehr guten Kontakt zu Marco Müller. Wir tauschen uns regelmäßig zur Zusammenarbeit zwischen unseren Städten und in der Region aus. Das Industriefeld ist gut beackert, hier fehlt „nur“ noch ein Investor. Ganz deutlich muss man sagen, dass durch die letzte Kreisgebietsreform die Grenzen innerhalb des Freistaates zementiert wurden. Für kühne Träume ist da kein Platz mehr. Aber einige praktische Dinge funktionieren ganz gut. Rio heißt eben auch, gemeinsam etwas für die Region zu tun, zum Beispiel beim Sport. Ohne die Zusammenarbeit zwischen den Städten und den Vereinen dort, wäre der Handball in Riesa und Oschatz weniger gut aufgestellt. Ein weiteres Beispiel ist der Rio-Lauf, der mittlerweile zur Tradition geworden ist. Außerdem verbindet uns der Rio-Radweg. Zugegeben, er müsste noch ausgebaut werden und wieso das bei der Sanierung der S 28 zwischen Borna und der Kreisgrenze nicht passiert, verstehe ich nicht.

Zur Landesgartenschau, die vor zehn Jahren begann, kurz nachdem der Rio-Vertrag unterzeichnet wurde, gab es auch eine Busverbindung zwischen den Städten. Sehen Sie Chancen für ein Wiederaufleben einer solchen Verbindung oder zumindest für einen die Grenzen der Verkehrsverbünde überschreitenden Tarif, von dem Riesaer und Oschatzer profitieren könnten?

Wenn man sich die Entwicklung genau anschaut, muss man feststellen, dass die dauerhafte Einrichtung eines Rio-Busses am Votum des Oschatzer Stadtrates scheiterte. Es ist richtig, dass viele Oschatzer zur Arbeit, ins Kino oder zum Einkaufen nach Riesa fahren und umgekehrt. Ich freue mich schon auf die vielen Besucher aus Riesa bei unserer Kleinen Gartenschau im Juni. Nach meiner Kenntnis denkt man im Freistaat über Veränderungen bei den Verkehrsverbünden nach, gerade was Übergangsregelungen und die Durchlässigkeit betrifft. Es wäre schön, wenn man in Riesa und Oschatz davon profitieren würde.

Den Rio-Vertrag haben Sie mit Gerti Töpfer und Peter Geißler unterzeichnet, die nicht mehr im Amt sind. Haben Sie noch Kontakte zu den Ex-Bürgermeistern?

Wenn wir uns gelegentlich treffen, machen wir gern einen Schwatz. Aber zu Nostalgie-Runden verabreden wir uns nicht. Interview: Axel Kaminski

 

Von Axel Kaminski

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