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Oschatzer zieht es unters eigene Dach: Baugrundstücke werden knapp

Wohnen in der Döllnitzstadt Oschatzer zieht es unters eigene Dach: Baugrundstücke werden knapp

Oschatz ist nicht Leipzig und doch steigen auch in der Döllnitzstadt die Mietpreise langsam an. Zudem steigt die Nachfrage nach sanierten und barrierefreien Wohnungen so stark, das Interessenten mittlerweile auf Wartelisten landen. Ferner werden gute Baugrundstücke in Stadtnähe langsam knapp.

Holger und Marcel Bachmann decken das Dach eines Neubaus am Cunnersdorfer Weg.

Quelle: André Pitz

Oschatz. „Wir sind hier im ländlichen Bereich und können uns natürlich nicht mit Leipzig vergleichen“, sagt der Oschatzer Immobilienmakler Christof Michaels mit Blick auf Miet- und Grundstückspreise. Trotzdem wird es auch hier – wenn auch nicht so rasant wie in der Messestadt – tendenziell teurer.

Kaltmieten steigen, Angebot wird knapper

„Die Leute suchen nach möglichst gut sanierten Wohnraum – vor allen Dingen Altbau. Man merkt, dass dort deshalb allmählich die Kaltmieten nach oben gehen“, sagt Michaels. Im Schnitt liegt das Angebot des Maklers derzeit bei fünf Euro pro Quadratmeter. Auf einem ähnlichen Niveau bewegt sich bisher auch das Mittel bei der Oschatzer Wohnstätten GmbH. „Alles, was neu saniert ist, geht mittlerweile jedoch in Richtung sieben Euro“, berichtet Marc Etzold von der städtischen Tochtergesellschaft. Wenn der Wohnstätten-Geschäftsführer von saniertem Wohnraum spricht, denkt er dabei vor allen Dingen an Investitionen in die Zukunft. Der demografische Wandel macht nämlich auch vor der Döllnitzstadt keinen Halt.

„So wie sich Sachsen entwickelt, wird Oschatz schrumpfen und älter werden. Dem müssen wir uns anpassen“, meint Etzold. Übersetzt heißt das: saniert wird, soweit wirtschaftlich machbar, barrierearm und -frei. So entstehen 16 Zweiraumwohnungen in der Reithausstraße 1 (bis Ende nächsten Jahres) und 30 Zwei- sowie Dreiraumwohnungen in der Goethestraße (Start der Maßnahme: 2018) – alle barrierefrei.

Das Wort „altersgerecht“ vermeidet Etzold bewusst, denn es gäbe auch viele junge Leute, die sich beispielsweise einen Fahrstuhl wünschen. „Die Nachfrage ist nach wie vor größer als das Angebot. Das zeigen auch unsere neuen Sanierungsvorhaben. Wir haben schon viel mehr Interessensbekundungen, als dort jemals Wohnungen entstehen werden“, berichtet der Geschäftsführer. Die Wartelisten sind lang. „Der Bedarf an gutem Mietraum ist vorhanden, aber an dem fehlt es zurzeit ganz einfach“, bringt es Christof Michaels auf den Punkt.

Wenig neue Baugrundstücke

Woran es dem Immobilienmakler ebenfalls mangelt, sind gute Baugrundstücke. „Wir haben nicht mehr viel im Angebot. In letzter Zeit ist sehr viel abverkauft worden“, teilt Michaels mit. Und das, obwohl die Grundstückspreise in Stadtnähe bei etwa 50 Euro pro Quadratmeter seiner Auffassung nach „jenseits von gut und böse sind.“ Weiter draußen fallen die Preise auf rund 15 Euro. Auch die Wohnstätten GmbH hat Bauflächen erschlossen und mittlerweile größtenteils verkauft. „In der Nordstraße ist noch ein einziges Grundstück verfügbar. Im Cunnersdorfer Weg ist alles verkauft worden“, bekundet Marc Etzold.

Zudem sind leerstehende Mehrfamilienhäuser im Angebot, die nicht mehr zum Kernbestand der städtischen Tochtergesellschaft gehören und nun gegebenenfalls Privatinvestoren anlocken sollen. Davon abgesehen fragen fast ausschließlich junge Familien mit Bauwunsch die verfügbaren Flächen ab, wie sowohl die Wohnstätten GmbH als auch Christof Michaels übereinstimmend berichten. „Wir spüren in Oschatz insbesondere die Nachfrage von Kundengruppen, die zwar in Leipzig arbeiten, denen die Grundstücke dort jedoch zu teuer sind“, erläutert Etzold.

Einige kehren damit zudem in die alte Heimat zurück. „Oschatz hat den Vorteil, dass man hier leichter einen Kindergartenplatz findet, alle Schulformen vorhanden sind und es ein Krankenhaus gibt“, weiß der Wohnstätten-Chef.

Gewerbeflächen schwer verkäuflich

Für Unternehmen hapert es jedoch grundsätzlich am strukturellen Unterbau der Region, glaubt Christof Michaels. „Die Lage von Oschatz ist zwar nicht schlecht, aber die Anbindung – gerade an die Autobahn – ist schwierig. Im Umfeld fehlt es an Infrastruktur. Das hält viele ab, hier zu investieren.“ Gewerbeflächen zu veräußern, sei deshalb nicht so leicht. So hat der Makler bereits seit längerer Zeit Flächen an der Total-Tankstelle und im Fliegerhorst im Repertoire, die er noch nicht verkaufen konnte. „Oschatz ist eine kleine Stadt, hier ist alles nicht so einfach“, meint Michaels. Und damit werden er und die Wohnstätten GmbH auch künftig zu kämpfen haben.

Von André Pitz

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