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Oschatzer zu Weihnachten weit weg

Oschatzer zu Weihnachten weit weg

Weihnachten unterm heimischen Tannenbaum im Kreis der Familie: Für die meisten OAZ-Leser ist das der Normalzustand. Nicht so für Lisa Brieger, Astrid Stoye, Hermes Schade und Claudia Heydenreich aus Oschatz.

Oschatz.

Die vier Weltenbummler feiern den Heiligen Abend in der Ferne.

 

"Weihnachten im Sommer zu feiern ist sehr seltsam", stellt Lisa Brieger fest. Über das traurige Einheitsgrau vor den Fenstern der OAZ-Leser muss sich die Oschatzerin jedoch nicht ärgern. Seit August absolviert sie im Nordwesten Australiens ein Jahr als Au-pair-Mädchen (Jugendliche, die gegen Verpflegung, Unterkunft und Taschengeld bei einer Gastfamilie im Ausland tätig sind). "Hier ist es so heiß, wie ich es noch nie in meinem Leben erlebt habe", beschreibt sie ihre neue Heimat Karratha.

 

Weihnachten wird die 19-jährige das erste Mal nicht in Familie verbringen, zumindest nicht in ihrer eigenen. "Es ist das erste Weihnachten ohne meine Eltern. Hier wird nicht drei Tage gefeiert, sondern nur am 25. Dezember. Und Weihnachtslieder im Radio werden eher als schlechter Scherz angesehen", wundert sie sich. "Ich verstehe beim besten Willen nicht, wie da Weihnachtsstimmung aufkommen soll." Das hat natürlich den Vorteil, dass sich das Heimweh in Grenzen hält und sie die australische Art des Festes unbeschwerter genießen kann.

 

Am ersten Feiertag wird es ein großes Barbecue (Grillparty) geben, zur Abkühlung wird in den Pool gesprungen. "Da die Nachbarn meiner Gastfamilie ein Au pair aus Spanien haben, werden wir zusätzlich am 24. abends feiern. Ich steuere dazu Bratäpfel bei."

 

Deutsche Weihnachtslieder üben die Kinder mittlerweile auch schon, denn die Weihnachts-Sommerferien haben auf der anderen Seite des Äquators schon begonnen.

 

Räucherkerzen in Sri Lanka

 

Fährt man mit dem Finger auf der Weltkarte ein Stück nach oben, kommt man von Lisa Brieger direkt zu Astrid Stoye. Die ehemalige Oschatzerin hat sich auf Sri Lanka häuslich eingerichtet und wird auch an den Feiertagen nicht nach Deutschland fliegen. "Ich bleibe hier. Der Flug ist teuer und ich entgehe so der Gefahr zu erfrieren", scherzt sie kurz vor dem Fest. Über das soziale Netzwerk Facebook kann man gut mitverfolgen, wie sich ihr momentaner Alltag gestaltet. "Ich pendle auch jetzt zur Weihnachtszeit zwischen Tierklinik und meinem Job als Reiseführerin." Das hört sich wenig besinnlich an - und so ist es auch. Bei nur zwei Prozent Anteil der Christen an der Bevölkerung gehört auch Astrid zur Minderheit in ihrer Wahlheimat. "Europäische Dekoration in den Supermärkten und Kassiererinnen mit Weihnachtsmütze, Verkaufsstände für Bäume und Weihnachtsmänner wirken hier bei 30 Grad im Schatten eher lächerlich, und es passt für mich einfach nicht hierher", meint sie. Da im Tempel schon das ganze Jahr mit Räucherkerzen experimentiert werde, müsse sie sich nicht auch noch ein Räuchermännchen auf den Tisch stellen.

 

In wenigen Tagen feiert Astrid Stoye ihr erstes Weihnachtsfest in Sri Lanka und ist auch ein bisschen stolz. "Niemand hätte mir das damals zugetraut." Gemeinsam mit ihrem Mann hat sie weit weg von Deutschland eigene Traditionen entwickelt. "Wir feiern am 31. Dezember gemeinsam mit Freunden ein Fest. Ist zwar nicht ganz das Gleiche, doch für uns passt es alles genauso." Heiligabend wird sie jedenfalls am Strand verbringen und sich "Stille Nacht" vom den Wellen des Indischen Ozeans vorsingen lassen. "Ein wenig komisch ist es schon ohne den ganzen Budenzauber, der in Deutschland herrscht, doch ich habe hier alles, was ich brauche." Über Weihnachtspakete aus Deutschland freut sei sich trotzdem. "Den Paketen sah man ihren langen Weg an! Die Schokolade ist zu einem Klumpen verschmolzen, und dem Tannenzweig sind die Nadeln abhanden gekommen."

 

Quer durch Neuseeland

 

Vielleicht schwappen ja ein paar der Wellen von Astrid Stoyes Wahlheimat sogar bis nach Neuseeland zu Hermes Schade. Der Oschatzer Radsportler zog aus, um den Neuseeländern zu zeigen, wie man in Sachsen radelt. Nun werden seine neuen Freunde ihm zeigen, wie man am anderen Ende der Welt Weihnachten feiert. So richtig in Stimmung ist er aber noch nicht. "Ich wurde von meiner Gastfamilie eingeladen, gemeinsam zu feiern, doch ich muss endlich weiter und mehr erleben", berichtet der rastlose Sportler. In den letzten beiden Monaten hat er - genauso, wie es sein Wunsch war - in einem Fahrradladen gearbeitet, einen Kleinbus gekauft und erste Erfahrungen auf neuseeländischem Boden gemacht.

 

"Hoffentlich reicht mein Geld, damit ich nun die nächsten zwei Monate nicht arbeiten muss und reisen kann. Für Weihnachten bin ich noch ohne Pläne, aber vielleicht werde ich einfach mit Freunden am Strand sitzen und ein paar Bierchen trinken." Für Hermes Schade ist die Weihnachtszeit der Startschuss, um seine Basis in Christchurch zu verlassen und sich in neue Abenteuer zu stürzen.

 

Rentiere im Einkaufstempel

 

Die Einzige, die sich den Weihnachtsgefühlen so richtig hingeben kann, ist Claudia Heydenreich. Nach der Arbeit kommt das Vergnügen. Das nahm sich die Oschatzerin zu Herzen und zog nach der abgeschlossenen Ausbildung als Rechtsanwaltsfachangestellte nach Kanada. "Das ist das einzige Land, in dem ich Work and Travel (Arbeiten und Reisen, d. Red.) und ein Praktikum miteinander verbinden konnte", erklärt sie ihre Entscheidung. "Am 23. Noveber hat es hier das erste Mal geschneit. Zum Glück hatte ich einen Tag vorher eine dicke Winterjacke gekauft."

 

Weihnachten beginnt in Kanada schon ziemlich früh. Bereits Anfang November zog eine Santa-Claus-Parade durch Toronto, und Rentiere schmückten die Einkaufstempel. Auch für die 21-jährige Weltenbummlerin ist es das erste Fest ohne Familie. "Doch diese Feiertage haben trotz aller Sehnsucht etwas sehr Aufregendes an sich, wenn man sie in einem fremden Land erlebt. In meiner Zeit in Montreal sind viele Tränen geflossen, doch meine Familie, mein Freund und Bekannte heiterten mich wieder auf und bestärkten mich in meiner Entscheidung."

 

Geschenke hat Claudia Heydenreich auch im Gepäck, wenn sie am 7. Januar wieder deutschen Boden betreten wird. "Doch nicht allzu viele. Ich habe jetzt schon ein kleines Gepäckproblem", schmunzelt die 21-Jährige. Die Feiertage wird sie mit neuen Freunden in New York und Montreal verbringen und sicherlich auch ein paar deutsche Traditionen im fernen Kanada weitergeben.

Janett Petermann

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