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Oschatz Oschatzerin kämpft sich beim Tough Mudder durch Schlamm und Eis
Region Oschatz Oschatzerin kämpft sich beim Tough Mudder durch Schlamm und Eis
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14:53 20.03.2018
Da bleibt man nicht sauber: Emily Griehl und Stefan Scherf beim Tough Mudder.
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Oschatz

Sie steckt voller Energie und Tatendrang. Sport ist ihre Leidenschaft und mit dieser hat sie es geschafft, bereits einige Preise zu gewinnen und an Wettkämpfen teilzunehmen, die sie bis an den Rand der Erschöpfung gebracht haben. Doch wenn Emily Griehl heute darüber berichtet, strahlt sie über das ganze Gesicht und man merkt schnell: Sie hat nichts davon bereut. Im Gegenteil, vielmehr stehen bereits die nächsten Herausforderungen bevor.

Es begann mit dem Turnen

Doch spulen wir die Zeit zuerst einmal zurück – und zwar genau 15 Jahre. Damals war die Oschatzerin drei Jahre alt. Ihre Eltern entschieden, dass es für sie das Richtige wäre, ihre überschüssige Energie, von der sie Unmengen zu haben schien, in den Oschatzer Turnverein (OTV) zu stecken. Emily lacht heute bei dem Gedanken. An vieles kann sie sich nicht mehr erinnern, nur daran, dass sie wohl als Kind immer auf dem Sofa herumsprang und ihre Eltern damit in den Wahnsinn trieb. „Ich weiß noch, dass ich schon immer sehr gerne zum Turnen gegangen bin. Bei Marion Weidemann, die auch heute wieder Trainerin beim OTV ist, gefiel es mir immer am besten.“ Einige Trainerwechsel machte Emily mit. „Ich liebe den Sport, aber ich hatte auch mal eine kurze Zeit lang ein Tief, doch meine Eltern ermutigten mich, dabeizubleiben. Und dafür bin ich ihnen heute sehr dankbar.“

Mit dem Turnen fing bei Emily alles an. Quelle: Archiv/Dirk Hunger

Denn das regelmäßige Training trug bald Früchte. So wurde Emily unter anderem im Jahr 2014 Sachsenmeisterin in der Leistungsklasse 3 und im Jahr darauf Vize-Sachsenmeisterin in der Leistungsklasse 2. „Wir waren sehr glücklich über den Erfolg von Emily, denn wir hatten alle nicht damit gerechnet. Sie ist eine super Turnerin, keine Frage, doch wir sind vom Leistungsvermögen her ein Verein, der sich im Bereich Breitensport aufhält. Die meisten Teilnehmer an einer solchen Meisterschaft bringen ganz andere Voraussetzungen mit“, ergänzt Trainerin Marion Weidemann. Umso größer war die Überraschung, als die Oschatzerin den Titel holte. Ab diesem Zeitpunkt hielt sich Emily bei Wettkämpfen immer mit auf den obersten Plätzen auf.

Auf dem Stufenbarren

Die meisten Punkte erzielt sie beim Stufenbarren und am Boden. „Das liegt mir einfach. Beim Stufenbarren habe ich eine schöne Übung, die richtig gut sitzt. Es gibt unterschiedliche Turn-Elemente, die dabei sein müssen. Beim Boden kann man sehr gut mit Ausdruck turnen. Den Balken mag ich nicht so sehr, da man dort auch mal hinunterfallen kann“, sagt die 18-Jährige. Bisher ist sie noch nie wirklich schlimm gestürzt. „Doch mit dem Alter kommt die Angst. Früher habe ich mir über so etwas wie das Fallen nie Gedanken gemacht.“

Mittlerweile hat sie auch die Rolle des Übungsleiters übernommen und absolvierte einen Kampfrichterlehrgang. Rund fünf Wettkämpfe hat sie im Jahr. Darunter auch das „Feuerwerk der Turnkunst“ 2017 in Leipzig. „Das war super emotional. Es waren so viele Menschen dort. Wir haben den dritten Platz belegt. Das war richtig cool.“

Aktiv im Jugendparlament

Der Sport ist für sie sehr wichtig. Ohne diesen fühlt sie sich nicht ausgelastet. „Dann kann ich nachts nicht schlafen“, sagt sie. Die Oschatzerin ist überall mit dabei, kann nur schwer auch mal „Nein“ sagen. So interessierte sie sich auch für den Jugendstadtrat. Sie erfuhr über dessen Arbeit im Jahr 2015 durch einen Flyer und schnell war ihr Interesse geweckt. „Ich wusste zuvor gar nicht, dass es so etwas hier bei uns gibt. Ich wollte es einfach mal ausprobieren und stellte mich zur Wahl auf. Zu dieser Zeit gab es wirklich viele Kandidaten und ich hatte nicht damit gerechnet, dass ich gewählt werden würde.“

Gut gelaunt beim Tough Mudder. Quelle: privat

Doch so war es schließlich. So konnte sie in verschiedene Projekte mit hineinschauen und mitentscheiden, was in der Stadt passiert. „Ich finde es sehr schön, dass sich der Jugendstadtrat für die Kinder- und Jugendarbeit einsetzt. Ich finde es auch super, dass die Jugend bei der Entscheidung der Stadt mit einbezogen wird. Die Jugend sieht vieles oft aus einer ganz anderen Sicht als die Erwachsenen.“ Eine der Aufgaben, bei der der Jugendstadtrat mit einbezogen wurde, war die Suche nach einem neuen Betreiber für das Jugendhaus „Grünes Sofa“. „Wir haben ein richtiges Casting gemacht, verschiedene Verein angeschrieben und darüber entschieden, wer es weiterführen kann“, erinnert sie sich. Im März möchte sie sich erneut für den Jugendstadtrat zur Wahl stellen.

Ausbildung zur Erzieherin

Ob für sie auch mal das Mitwirken im richtigen Stadtrat in Frage käme? „Eher nicht. Ich mache schon so viel anderes und ich brauche auch mal Zeit für mich. Außerdem steht meine Ausbildung zur Erzieherin erst einmal an oberster Stelle“, sagt sie. Auch hier ist sie Klassensprecherin. Ihre Ausbildung absolviert sie derzeit in Grimma. „Es handelt sich dabei um eine schulische Ausbildung für drei Jahre. Diese beinhaltet drei Blockpraktika. Im März geht es für mich in den Kindergarten nach Schweta.“

Mit Kindern hat sie schon immer gerne gearbeitet. Auch beim OTV ist sie als Übungsleiterin für die Jüngeren oft im Einsatz. Zudem absolvierte sie in den Sommerferien in der 9. Klasse in Schönnewitz bei den „Liebschützberger Zwergen“ ein freiwilliges Praktikum. Das half ihr dabei, einmal in den Tagesablauf einer Erzieherin hineinzuschnuppern. Dies festigte ihre Entscheidung so sehr, dass sie sich dazu entschloss, nach der zehnten Klasse das Gymnasium zu verlassen und in den folgenden zwei Jahren die erforderliche Ausbildung als Sozialassistentin in Oschatz zu absolvieren. Im Rahmen ihrer derzeitigen Ausbildung zur Erzieherin ist es ihr möglich, das Fachabitur zu ergänzen.

Weniger Zeit für Hobbys

„Das erfordert zwar mehrere Stunden und einige Prüfungen zusätzlich, aber zum Schluss besitze ich die Fachhochschulreife in Richtung Soziales. Damit kann ich mich später auch zur Sozialpädagogin weiterbilden lassen oder andere Qualifikationen erwerben.“ Sie ist zufrieden mit ihrer Entscheidung. Auch wenn dies bedeutet, noch weniger Zeit für ihre Hobbys zu haben.

Trotz allem hat sie vor drei Jahren Interesse für eine weitere Sportart entwickelt. Diese nennt sich Crossfit. Es ist eine Sportart, bei der es um Kraft und Ausdauer geht. „Die Crossfit-Gruppe hat sich im Collm-Sportpark gebildet. Dort stand ihnen ein Raum zur Verfügung, der mit Geräten eingerichtet wurde. Durch einen Freund bin ich auf die damals noch sehr kleine Gruppe aufmerksam geworden. Schnell habe ich gemerkt, dass dieser Sport ein schöner Ausgleich zum Turnen ist.“

Tough Mudder auf dem Lausitzring

Mit dem Team hat sie bereits einiges erlebt. So nahmen sie zum Beispiel in diesem Jahr bei einem Tough-Mudder-Event auf dem Lausitzring teil. „Es ist ein 18-Kilometerlauf mit 25 Hindernissen. Darunter Eis, Schlamm, Dreck und Wasser. Hier zählt das Mitmachen. Es war so genial und ein großes Abenteuer. Ich habe dafür viel trainiert. Es ist die Gemeinschaft, die einen mitzieht. Drei Stunden hat unsere Gruppe gebraucht, um das Ziel zu erreichen. Es gibt hier keine Platzierungen. Man muss es nur durchhalten. Vor dem Start müssen alle ein Gelübde ablegen. Es gilt: Teamgeist vor der eigenen Zeit. Alle Teilnehmer halten zusammen. Das ist auch wichtig, denn einige Hindernisse lassen sich nur mit Unterstützung überwinden.“

Die Crossfit-Gruppe hat sich bereits für das nächste Jahr angemeldet. Ob Emily Griehl nach ihrem ersten Tough Mudder kaputt war? „Es ging. Meine Beine haben nicht mehr so richtig mitgespielt. Es war eine Art von „richtig kaputt sein“, aber ich hatte so viel Adrenalin im Blut, dass ich sogar gleich noch einmal gerannt wäre.“ Am schwersten fiel ihr das Hindernis im Eiswasser, da sie mit ihren 1,54 Metern ziemlich klein ist und oft den Grund nicht erreichen konnte.

Teilnehmerin bei TV-Show

Das war nicht die einzige große Herausforderung, der sie sich stellte. Die Oschatzerin war bereits Teilnehmerin bei der Fernsehshow „Ninja Warrior“. „Leider wurde ich im Fernsehen nicht gezeigt, weil ich mich bei der zweiten Übung an der Drehscheibe nicht halten konnte. Da habe ich mich geärgert, weil ich gerne die anderen Hindernisse ebenfalls ausprobiert hätte. Aber es war eine außergewöhnliche Erfahrung. Nie zuvor war ich so aufgeregt. Ich stehe oft vor Leuten. Das ist nie ein Problem. Doch vor ,Ninja Warrior’ war mir richtig übel.“ Von den 13 000 Menschen, die sich beworben hatten, seien im Februar nur 2000 beim Casting dabeigewesen. 350 davon waren in der Show. „Man musste hangeln, springen, balancieren und ordentlich Show machen können. Im Casting überzeugte ich durch einen Rückwärtssalto aus dem Stand. Der Dreh war in Karlsruhe. Ich wurde mit einer Freundin dahin eingeladen und wir hatten eine tolle Zeit.“

Emily sagt von sich selbst, dass sie immer neue Herausforderungen braucht. Die nächste steckt in ihrer Zukunft. Sie hat den Wunsch, nach ihrer Ausbildung zur Erzieherin auf ein Aida-Kreuzfahrtschiff zu gehen. „Hier gibt es einen Kids Teen Club. Es ist quasi ein Kindergarten. Dann könnte ich Reisen und Arbeit miteinander verbinden. Ich möchte keine Zeit verschwenden, um erst ins Ausland zu gehen. Ich möchte endlich mein eigenes Geld verdienen.“ Wenn sich dieser Traum für Emily erfüllen sollte, würde sie jedoch gerne im Anschluss wieder zurück nach Oschatz kommen. „Aber wie es dann wirklich sein wird, weiß ich nicht. Ich bin ein sehr spontaner Mensch. Ich habe nur einen groben Plan für die Zukunft. Wie sich alles entwickeln wird, bleibt abzuwarten.“

Von Kristin Engel

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