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Oschatzerin lebt seit 13 Jahren in Schottland und ist gegen den Brexit

EU-Austritt Oschatzerin lebt seit 13 Jahren in Schottland und ist gegen den Brexit

Für die gebürtige Oschatzerin Karin Schiller ist der Brexit in Großbritannien, also der geplante Austritt aus der Europäischen Union, ein aktuelles Thema. Denn sie lebt bereits seit 13 Jahren in Schottland und hat auch eine klare Meinung dazu. Ohne die EU sehe ihr Leben heute ganz anders aus als es aktuell ist. Auch wenn sie ihre Heimat vermisst, will sie Schottland nicht verlassen.

Einen schöneren Arbeitsplatz kann man sich kaum wünschen. In Camphill Blair Drummond in Stirling arbeitet Karin Schiller mit Menschen mit Behinderung.

Quelle: privat

Oschatz. Der Brexit in England – also der Austritt aus der Europäischen Union – ist für die meisten Oschatzer weit weg. Bei Karin Schiller ist das anders. Die ehemalige Oschatzerin lebt seit 13 Jahren in Schottland, hat die Brexit-Abstimmung live miterlebt – und auch eine klare Meinung dazu.

Karin Schiller macht derzeit Urlaub in ihrer früheren Heimatstadt und genießt an diesem Tag die Zeit auf dem Spielplatz im O-Schatz-Park. Ihr fünfjähriger Sohn Werner tobt über die Geräte und spielt mit den Kindern. Doch als er sagt, dass er bald in die zweite Klasse kommt, schauen sie ihn die Anderen verwundert an. Wie geht das? „Ich wohne in Schottland“, sagt er selbstbewusst. Seine Spielkameraden sind erstaunt. Er hat sowohl die deutsche als auch die britische Staatsbürgerschaft, da er in Großbritannien geboren wurde und beide Elternteile länger als fünf Jahre in Schottland arbeiteten und sesshaft gewesen sind.

Wallace Monument ersetzt Collm-Berg

Dort lebt er auch heute noch – in einem Ort ganz in der Nähe von Stirling, einer nordwestlich von Edinburgh gelegenen schottischen Stadt. „Stirling ist in etwa so groß wie Oschatz und das Wallace Monument ersetzt den Collm-Berg“, sagt Karin Schiller mit einem Lachen. Beide sind zur Zeit zu Besuch bei den Eltern der 34-Jährigen. Früher waren sie drei bis vier Mal im Jahr hier. Jetzt haben sie sich schon ein ganzes Jahr nicht mehr gesehen, daher war die Freude beim Wiedersehen umso größer.

Karin Schiller lebt bereits seit 13 Jahren in Schottland. Geplant war ursprünglich, nur ein halbes Jahr nach ihrer Ausbildung zur Krankenschwester einen Freiwilligendienst zu machen. Dabei stand für sie Portugal oder Schottland zur Auswahl und sie hatte Glück. Die junge Frau hatte die Möglichkeit im Camphill Blair Drummond in Stirling mit Menschen mit Behinderung zu arbeiten.

Eigentlich wollte sie von September bis März bleiben, doch schon am 12. Januar unterzeichnete sie einen festen Arbeitsvertrag und ist noch immer dort angestellt. Sie studiert in Teilzeit Psychologie. „Ich wollte mich einfach weiterbilden und brauchte eine andere Herausforderung, um der Routine zu entfliehen. Automatismus ist nicht gut. Aber ich mag meine Arbeit sehr, sie ist flexibel und man verdient gutes Geld“, sagt sie, während Sohn Werner von der Schaukel zum Spielzeugbagger flitzt.

Werner spricht deutsch und englisch

Werner kam 2010 zur Welt. Er erhielt einen typisch deutschen Namen, da auch seine beiden Elternteile ursprünglich aus Deutschland stammen. „Ich rede meistens Deutsch mit ihm. In der Schule und unterwegs spricht er nur Englisch, seine Hauptsprache.“ Doch in Oschatz gibt sich Werner große Mühe, nur Deutsch zu reden. „Ich bin sehr gerne bei Oma und Opa, da wir immer schöne Sachen erleben. Wir waren meine Großtante in Leipzig besuchen, fuhren nach Bayern zu meiner Tante und Cousine und meinem Onkel. Da war gerade Feuerwehrfest und wir gingen in den Tierpark. Ich mag hier das leckere Essen und vor allem die Eisdielen. Da gibt es so leckeres Eis. Wo wir wohnen, gibt es keine Eisdielen“, bedauert der Junge.

In seiner Heimat herrscht seit Wochen Aufregung. Denn am 23. Juni stimmte eine knappe Mehrheit der Wahlberechtigten im Vereinigten Königreichs dafür, dass ihr Land die Europäische Union verlassen soll. Doch Schottland strebt ein neues Referendum an, die meisten Schotten sind gegen den Austritt aus der EU. Nun will sich die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon für die Interessen der Schotten einsetzen. Sie will versuchen, den sogenannten Brexit zu kippen, indem man eine Zustimmung des schottischen Parlaments zum EU-Austritt verweigert. „Man merkt, dass die Aufregung darüber sich nun langsam wieder legt. Als EU-Bürger nicht britischer Herkunft durfte ich nicht an dieser Wahl teilnehmen. Viele meiner Freunde und Arbeitskollegen haben sich diesmal nicht ausreichend informiert gefühlt. Im Gegensatz zu anderen Wahlen. 2014, als sich Schottland von Großbritannien abgrenzen wollte, durfte ich wiederum wählen. Ich habe etwas das Gefühl, dass hier manipuliert wird. Ich wäre dafür gewesen, dass Schottland in der EU bleibt, wie auch die Meisten der Schotten. Wenn Großbritannien bei meinem Neustart in Schottland nicht Mitgliedsstaat der EU gewesen wäre, würde ich heute nicht mein Leben so führen, wie ich es jetzt mache. Und außerdem bedeutet EU nicht, dass Staaten auch individuell entscheiden können. Ich denke, so ganz ohne Konsequenzen wird es nicht bleiben. Es wird einiges EU-technisch passieren. Doch in Großbritannien geht alles etwas langsamer. Bis September kann der Antrag auf Austritt aus der EU gestellt werden. Bis dahin kann noch einiges passieren“, sagt die 34-Jährige.

Schotten gehen es ruhig an

Die Entspanntheit der Briten aber auch der Schotten hat auch etwas Positives. „Alles wird hier viel ruhiger angegangen. Man stresst sich nicht so wie hier in Deutschland. Ein großer Unterschied ist auch, dass man in Schottland 24 Stunden an allen sieben Tagen der Woche einkaufen kann. Einen Wochenendeinkauf zu tätigen, wie meine Eltern das machen, ist man gar nicht mehr gewohnt. Wenn ich etwas brauche, hole ich es dann, wenn ich Zeit habe. Wenn man hier in einem Café sitzt und die Tasse leer ist, kommt sofort die Bedienung und fragt, ob es noch etwas sein darf. Oder man fragt gleich nach der Rechnung. In Schottland kann man ewig sitzen, auch ohne noch etwas trinken zu müssen. Hier ist alles hektischer und gestresster. Das merkt man sogar an meinen Eltern. Wenn Mittagszeit ist, ist Mittagszeit. Das ist genau geplant.“

Auch in Sachen Familienfreundlichkeit liegt Schottland nach ihrer Einschätzung vor Deutschland, behauptet die gebürtige Oschatzerin und hat dafür einige gute Beispiele. „Egal, wo man hin geht, überall gibt es in Schottland Wickeltische. Dort kann man viele Dinge mit Kindern unternehmen, die nichts oder nur wenig kosten.“

Zukunftssaussichten noch offen

Auch wenn ein Kindergartenplatz in Schottland ziemlich viel kostet, sei dieser von der Betreuung her besser aufgestellt, da die Gruppen wesentlich kleiner als in Deutschland seien. „Man bekommt also auch, was man bezahlt.“ Wie für sie und ihren Sohn die Zukunft aussehen wird, kann sie jetzt noch nicht sagen. Hier beruft sie sich auf die typische Schotten-Mentalität und geht es ruhig an. Alles wird sich zeigen.

Mittlerweile sind Karin Schiller und ihr Sohn Werner wieder in ihre Heimat zurück geflogen. Auch wenn sie in Schottland ihre Geburtsstadt Oschatz und ihre Familie vermisst, ist sie glücklich über ihr Leben im Land der Kilts, Dudelsäcke und der Highlands.

Von Kristin Engel

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