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Papiertüte statt Plastikbeutel – Oschatzer Händler denken um

Umweltschutz Papiertüte statt Plastikbeutel – Oschatzer Händler denken um

Plastebeutel oder Papiertüte? Das Thema bewegt auch in unserer ländlichen Region die Leute. Während einige Händler bereits weitgehend auf Kunststoff verzichten, lassen sich andere die Plastebeutel mit ein paar Cent bezahlen. Wir haben uns bei Ladenbesitzern und Kunden in Oschatz umgehört.

Papiertüten bevorzugt: Die Oschatzer Fleischwaren-Verkäuferinnen Dana Jähnig und Michaela Hoffmann.

Quelle: kristin engel

Oschatz. Deutschland ist Weltmeister im Recycling. Und dennoch ist die Nordsee voller Kunststoffmüll – Schätzungen zufolge mittlerweile 700 000 Kubikmeter. Und es wird mehr. Die Folgen: Tiere verenden qualvoll und letztendlich landet das Plastik auch bei uns, zu winzig kleinen Teilchen zerrieben, im Essen. Ein Umdenken muss dringend erfolgen. Doch auch jeder einzelne Bürger kann schon etwas tun – mit den eigenen Plastiktüten angefangen.

Plastiktüten werden in der Regel nicht mal eine halbe Stunde genutzt, weiß auch André Fritzsche, Leiter der Verbraucherzentrale Torgau und ergänzt: „Dass sie nach dem Wegwerfen verrotten, dauert dafür umso länger – nämlich 100 bis 500 Jahre.“ Erst vor Kurzem startete die Verbraucherzentrale eine Aktion, bei der mehr als 200 Plastiktüten gegen Stoffbeutel eingetauscht wurden. Die gesammelten Plastiktüten landeten dann aber nicht in der Tonne. „Sie wurden für eine Kooperation der Verbraucherzentrale Sachsen mit dem Leipziger Verein ,kunststoffe’ genutzt. Der Verein nutzt verschiedene Materialien in seiner urbanen Ideenwerkstatt, um daraus völlig neue Gebrauchsgegenständen wie Möbel, Lampen, Kissenbezüge oder andere Dekoelemente zu gestalten“, erklärt André Fritzsche.

Hobby-Taucher mit eigenen Erfahrungen

Was in den Meeren für Plastik herumschwimmt, konnte der Hobby-Taucher und Bäcker Nils Taube aus dem Oschatzer Ortsteil Merkwitz bereits mit eigenen Augen sehen. „Es ist so schlimm, das zu sehen. Das können sich viele kaum vorstellen. Ich denke, dass Verpackungsmaterial viel zu sehr verschwendet wird. So habe ich schon beizeiten damit angefangen, mir intensiv Gedanken über Umweltschutz und meinen Beitrag dazu zu machen.“ So gelang es ihm, etwa die Hälfte des bisher verbrauchten Verpackungsmaterials in seinen Bäckereien einzusparen. „Wir haben einen Stoffbeutel mit unserer Werbung verbreitet. Jeder Bürger, der diesen Beutel bei seinem Einkauf bei uns mitbringt, bekommt ein Brötchen geschenkt. Und so haben die Leute die Beutel meistens dabei. Die Brote und Brötchen landen ohne extra verpackt zu werden in dem Beutel. Nur Kuchen wird eingepackt. Doch auch hier wird nur Papier verwendet, kein Plastik“.

Komplett auf Plastiktüten verzichten lasse sich aber nicht, bedauert Astrid Leuteritz, Inhaberin von „Prima Mode by Astrid“ in Oschatz. „Dennoch bekomme ich immer mehr mit, dass sich das Bewusstsein der Leute verändert. Viele sagen, dass sie keinen Beutel benötigen, da sie einen eigenen dabeihaben“, sagt Astrid Leuteritz und ist dankbar über diese Einstellung. „Der ganze Plastemüll nimmt immer mehr überhand. Doch nicht nur bei den Bürgern, vielmehr sollte in der Industrie ein Umdenken erfolgen. Ich sehe es hier. Wenn ich neue Ware geliefert bekomme, ist jedes einzelne Kleidungsstück separat in Plastik und Papier verpackt. Das ist nicht nötig. Hier muss etwas passieren. Und das nicht nur in der Modebranche, sondern überall.“ Astrid Leuteritz selbst hatte ein ganz eigenes Schlüsselerlebnis. „Eine Firma bot mir an, Unterziehrollis von ihnen in den Laden zu legen. Diese waren alle einzeln verpackt, mit einer Klarsichtfolie von außen, so dass die Kunden diese besser sehen könnten. Und genau aus dem Grund, dass die Stücke alle noch einmal extra und doppelt verpackt waren, habe ich sie nicht genommen.“

Nur die kleinen Tüten sind kostenlos

Ähnlich sieht es auch Hung Nguyen, Geschäftsführer von „neue Mode“ in Oschatz. Wenn er einkauft, hat er entweder einen Beutel dabei, oder benutzt die Kartons, die bei den Discountern liegen. „Für einen kurzen Weg bis zum Auto brauchen wir keinen Beutel. Nicht nur wir, sondern auch viele unserer Kunden denken immer mehr an die Umwelt. Dieses Umdenken kann man schon seit ein bis zwei Jahren intensiv beobachten. Auch bei uns im Laden verzichten die Leute oft auf Plastiktüten. Besonders die älteren Kunden haben oft Stoffbeutel dabei. Nur die kleinen Plastiktüten sind bei uns kostenlos. Alles was größer ist, kostet einige Cent. Das geben die Leute oft nicht extra aus“, weiß er aus Erfahrung.

Viele Unternehmen in Deutschland haben sich dem Umweltministerium zufolge selbst verpflichtet, Geld für die Tragetaschen zu verlangen. Grund dafür ist, dass Deutschland damit eine EU-Richtlinie umsetzen will. Der jährliche Verbrauch von Kunststofftragetaschen soll demnach bis Ende 2025 auf höchstens 40 Plastiktüten pro Einwohner verringert werden. Dem Umweltbundesamt zufolge verbraucht jeder Deutsche etwa 71 Plastiktüten im Jahr. Viele Gegner der Plastiktüten-Gebühr gäbe es nicht. So zeigt auch die Oschatzerin Maria Cotta volles Verständnis. „Für mich ist es total in Ordnung, dass man jetzt für die Beutel bezahlen muss, wenn man keinen eigenen dabeihat. Ich finde Plastiktüten allgemein sehr lästig und habe daher auch selber keine mehr zuhause. Ich nehme nur noch Stoffbeutel. Beim Einkaufen habe ich immer selber Beutel dabei. Natürlich kaufe ich mir auch mal einen, wenn ich meine Beutel vergessen haben sollte, aber das kommt nicht oft vor. Stoffbeutel kann man ja auch waschen und immer wieder mitnehmen. Man tut etwas Gutes für die Umwelt. Ich denke, mit der Abschaffung des Plastikbeutels beziehungsweise mit dem Preisaufschlag für Beutel sind die Leute mehr oder weniger gezwungen, umzudenken. Ich denke aber auch, dass sich viele darüber keine Gedanken machen. Viele kaufen einen Plastikbeutel und gut ist. Für mich ist es ganz klar für den Umweltschutz notwendig.“

Zudem spricht die 26-Jährige auch den Einkauf im Discounter kritisch an. „Zum Beispiel in der Obst- und Gemüseabteilung ist vieles in Plastik eingepackt. Die Gurken werden in Plastikfolie eingeschweißt, die Kartoffeln befinden sich in einem Beutel. Besonders schlimm ist es gerade bei den Bio-Produkten. Das kann ich gar nicht nachvollziehen. Ich habe schon mal gesehen, dass ein gekochtes gepelltes Ei in eine Plastikschale verpackt wurde. Das sollte auf jeden Fall weggelassen werden. Es ist doch überall eine natürliche Schale drum. Man kann es zuhause vernünftig abwaschen. Das muss ich auch machen, wenn ich sie aus der Plastikverpackung geholt habe. Plastik hält es doch nicht sauber oder keimfrei. Das sehe ich als total sinnlos an.“

Verständnis bei den Kunden

Das alles können auch die Verkäuferinnen Michaela Hoffmann und Dana Jähnig von den Oschatzer Fleischwaren sehr gut nachvollziehen. Auch bei ihnen hängt ein Schild mit der Aufschrift „Zum Schutz der Umwelt will die Europäische Union den Kunststofftütenverbrauch deutlich senken. Die Oschatzer Fleischwaren GmbH unterstützt dieses Vorhaben und verzichtet deshalb weitgehend auf kostenlose Kunststofftüten. Schützen auch Sie die Umwelt, indem Sie Kunststofftüten mehrfach verwenden!“ „Bei uns wird fast alles in Papiertüten gepackt. Ausnahmen gibt es nur, wenn es gar nicht anders geht. Aber wenn jemand zusätzlich einen Plastikbeutel möchte, nehmen wir jeweils 20 Cent – der Umwelt zuliebe“, so Dana Jähnig. Diese Regelung gibt es hier im Geschäft seit Anfang des Jahres. „Für den Großteil der Leute ist das überhaupt kein Problem, sie zeigen Verständnis. Viele haben ihre Beutel selber dabei“, ergänzt Michaela Hoffmann.

Dass ein Umdenken wichtig ist, findet auch, Petra Jentzsch, Geschäftsführerin vom Dessous-Geschäft „Hautnah“ in Oschatz. Dass ihre Kunden dafür bezahlen sollen, begrüßt sie hingegen nicht. „Ich kann den Kunden ja nicht einfach einen BH in die Hand drücken. Die Wäscheteile, die verpackt geliefert werden, gebe ich den Kunden so mit. Es gibt natürlich Leute, die einen Beutel dabei haben, doch natürlich nicht alle. Viele haben für die Beutel-Gebühr Verständnis. Ich habe auch erzählt bekommen, dass die Beutel dann noch mal als Müllbeutel verwendet werden.“

Die Mitarbeiter vom Modeexpress No. 1 bieten als Alternative Papiertüten an. „Wir verlangen keine Gebühren für unsere Beutel, egal ob Plastik oder Papier, doch ich denke, dass es wichtig ist, mehr auf die Umwelt zu achten und die Papiertüten zu bevorzugen. Schön würde ich es auch finden, wenn wir unseren Kunden Stoffbeutel anbieten könnten“, so die Geschäftsinhaberin Gabriele Stein.

Zur Qualität gehört die Tüte

Ebenfalls keine Gebühren für die Beutel verlangt Simone Jentzsch, Geschäftsführerin von „il moda“ in Oschatz. „In mein Geschäft kommen nur wenige Kunden, die einen Beutel dabeihaben. Vor allem dann nicht, wenn sie spontan einen Blick hineinwerfen. Wo gute Qualität verkauft wird, gehört auch eine Tüte dazu. Ich verstehe natürlich, dass Verpackungsmüll gespart werden soll. Ich selbst achte auch sehr darauf, dass ich immer einen Beutel dabeihabe und bitte beim Fleischer darum, nicht jede Scheibe Wurst in eine extra Folie zu packen, doch es wird rund um immer mehr verpackt.“

Das beklagt auch die Oschatzerin Maria Cotta und hat bereits von einer Alternative gehört: „Es gibt Läden, da wird vorher gar nichts abgepackt. Alles was man kauft, sogar Nudeln oder Ähnliches, befindet sich in einer großen Schale und du kannst dir selbst so viel wie du möchtest in einen Behälter packen. Gerade bei den Kartoffeln finde ich es sehr nützlich. Als Einzelperson braucht man keinen Zweieinhalb-Kilo-Sack Kartoffeln. Ich muss oft etwas wegschmeißen. Ich würde es also super finden, wenn es standardisiert werden würde und es in jedem Supermarkt so etwas wie in ,einfach unverpackt’ geben würde. Auch das verpackte Fleisch sollte weggelassen werden, man kauft frisch an der Theke.“

Von Kristin Engel

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