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Oschatz Pariser Museum kauft Gemälde „Jagdpause im Wermsdorfer Wald“
Region Oschatz Pariser Museum kauft Gemälde „Jagdpause im Wermsdorfer Wald“
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06:00 09.02.2017
Quelle: privat
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Wermsdorf/Dresden/Paris

In diesem Jahr wird in Wermsdorf ein Jubiläum begangen. 400 Jahre alt wird das Alte Jagdschloss. Im Mai lädt der Heimat- und Verschönerungsverein des Ortes deshalb zu einem Vortrag über den historischen Bau ein.

Derzeit sind das Schloss und seine Historie jedoch aus einem anderen Anlass bereits in aller Munde: Das Musée de la Chasse et de la Natûre (Naturkundemuseum) in Paris zeigt eine international viel beachtete Ausstellung „Jagdszenen in Deutschland“. Als Stars der Schau, denen der zweite Teil der Sonderausstellung gewidmet ist, gelten dort der Dresdener Porträtmaler Ferdinand von Rayski und der zeitgenössische Künstler Georg Baselitz. Rayski, der von 1806 bis 1890 lebte, zählt zu den bedeutendsten Repräsentanten der Dresdner Schule. Seine „Jagdpause im Wermsdorfer Wald“, die Rayski im Auftrag des sächsischen Hofes schuf, wird dort gezeigt. „Bis 1945 hat das Bild im Schloss Moritzburg gehangen. Seitdem gilt es als verschollen“, weiß der Wermsdorfer Heimatfreund und langjährige Oberförster der Region Helmut Striegler.

Gemälde hing ursprünglich im Alten Jagdschloss Wermsdorf

Bevor das Gemälde nach Moritzburg kam, hatte es seinen Platz im Wermsdorfer Alten Jagdschloss, von wo aus die Wettiner das Gemälde nach Aufgabe des Schlosses mitgenommen haben sollen, so Striegler zu seinen vor Jahren angestellten Recherchen. Er ist erstaunt, dass das bedeutende Gemälde mit einer typischen Jagdszene nahe der Straße zwischen Mahlis und Collm an der Königseiche nun im Rahmen der Pariser Ausstellung wieder aufgetaucht ist.

„In einem Zeitungsbeitrag der Süddeutschen Zeitung habe ich davon erfahren, dass dieses vermisste Gemälde nun wieder aufgetaucht ist, weil das Pariser Museum für Jagd und Natur es neu erworben hat“, freut sich der Forstdirektor und Leiter des Forstbezirkes Leipzig Andreas Padberg. Für 300 000 Euro soll das Museum das Gemälde erworben haben. Es sei schade, dass dieses bekannte Bild nicht in Deutschland oder gar Sachsen geblieben ist. Es wäre schon interessant zu wissen, woher das als verschollen gehaltene Gemälde stamme, so Padberg.

Druckkopie des Kunstwerkes hängt in der Wermsdorfer Forstbehörde

Ein bisschen gerät der Forstdirektor dann ins Träumen, wenn er nachsinnt, wie das Bild an seinem ursprünglichen Platz sich machen würde. Vorstellen kann er es sich schon, denn eine Druckkopie des Kunstwerkes hängt in den Räumen der Wermsdorfer Forstbehörde. Bekannt ist zudem, dass ein ähnliches Bild – das von Rayski geschaffene Vorgemälde – im Besitz der Dresdner Galerie Neue Meister ist. „Unsere große ,Studie zum Wermsdorfer Wald’ ist derzeit noch in Paris im Musée de la Chasse et de la Nature in der Ausstellung zusammen mit anderen Rayski-Bildern aus dem Bestand des Albertinum zu sehen. Die Ausstellung in Paris geht jedoch am 12. Februar zu Ende und dann kommen die Bilder wieder zurück nach Dresden. Zudem bekommen wir hier in Dresden Rayskis große ,Jagdpause im Wermsdorfer Wald’, die das Pariser Museum vor Kurzem angekauft hat, für längere Zeit als Leihgabe“, so der Konservator Holger Birkholz.

Leider könnten die Bilder aber nicht gleich wieder in der Dresdener Sammlungspräsentation ausgestellt werden, da eine solche Umhängung entsprechender Vorbereitungen bedürfe, erklärt Birkholz. Beide Bilder unterscheidet, dass auf dem Gemälde, dessen Eigentümer nun das Pariser Museum ist, Jäger, Hunde und Jagdbeute zu sehen sind und diese Details in der „Studie zum Wermsdorfer Wald“ fehlen. In der Pariser Schau hängen beide Bilder übrigens erstmals nebeneinander.

Rayskis Gemälde haben eine wichtige Rolle im Schaffen des zeitgenössischen Malers Georg Baselitz gespielt. Baselitz hat Rayskis Studie zu diesem Werk in mehreren Bildern zitiert. Die Persönlichkeit und das Werk Rayskis begleiten Baselitz’ Arbeiten, vom Frühwerk bis heute.

Alte Königseiche wurde 1962 gesprengt

Den Platz mit der Königseiche, die im Mittelpunkt des Gemäldes „Jagdpause im Wermsdorfer Wald“ steht, gibt es so nicht mehr. „Die alte Königseiche wurde um 1962 gesprengt. Sie war so hohl und morsch, dass sie eine Gefahr darstellte und da sie so nicht mehr umgesägt werden konnte. Sie war bis dahin mit Feldsteinen umringt“, weiß Ulf Müller vom Mahliser Heimatverein. Zu Zeiten der Jagden der Sächsischen Kurfürsten und Polnischen Könige sowie der späteren sächsischen Könige war dieser Baum so stattlich und einmalig, dass man darunter lagerte oder Rast machte. Nach der Sprengung wies nur noch das einen dreiviertel Meter tiefe Sprengloch auf diesen markanten Punkt hin.

1995 wurde zwei Meter daneben die neue Königseiche mit einem Stabilisierungsgerüst gepflanzt und diese Stelle mit den Feldsteinen der alten Königseiche umlegt. Noch heute kann man von hier aus – wie auf dem Originalgemälde – im Hintergrund den Collm sehen.

Von bärbel schumann

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