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Oschatz Parkettleger aus ganz Europa im Dahlener Schloss
Region Oschatz Parkettleger aus ganz Europa im Dahlener Schloss
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12:12 13.03.2018
Quelle: Jana Brechlin
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Dahlen

Das Dahlener Schloss gleicht in diesen Tagen einem Ameisenhaufen. Sägen kreischen und Hammerschläge hallen durch die Räume. 50 Handwerker aus verschiedenen europäischen Ländern haben sich in der Heidestadt zum „Workcamp Parquet“ getroffen. Das internationale Bildungsprojekt gibt es seit fünf Jahren und ist ein Angebot an künftige Parkettleger. Bewerber für den einwöchigen Praxiskurs haben bisher schon Fußböden in Rumänien, Tschechien und Holland verlegt. In Siebenbürgen kam so der Kultursaal eines Gebäudes der Peter-Maffay-Stiftung zu neuem Parkett, und vergangenes Jahr geschah das Gleiche auf der Burg Liba (früher Liebenstein). Damals kam der Dahlener Parkettlegemeister Steve Klose dazu, der einen echten Coup landen konnte und das Workcamp in die Heidestadt holte.

Hier haben Firmen nun Maschinen und Material angeliefert, und in dieser Woche geben junge Handwerker unter anderem aus Deutschland, Österreich, Polen, Russland, Holland, England und Italien dem Kaisersaal seinen Parkettboden zurück. Abends bleibt in der Unterkunft der Jugendherberge der Heidestadt Zeit, um sich abseits der Arbeit kennen zu lernen. Weil das gesamte Projekt mit Hilfe von Sponsoren umgesetzt wird, kommt der Kaisersaal zum Nulltarif wieder zu einem Boden.

Lehrlinge aus Ehingen bei der Parkettherstellung. Quelle: Jana Brechlin

Mitte des 18. Jahrhunderts hatte Reichsgraf Heinrich von Bünau den Herrensitz in neuerer Gestalt bauen lassen. Ein prächtiger Treppenaufgang, lichtdurchflutete Säle, mit Stuck verzierte Decken und Kamine gehörten ebenso dazu wie eine weitläufige Außenanlage samt Park. Historische Bedeutung erlangte das Schloss am Ende des Siebenjährigen Krieges, weil damals der Preußenkönig Friedrich II. hier residierte – und sich aus seiner Residenz auch nicht fortbewegen wollte. Als nämlich die Kriegsparteien auf Schloss Hubertusburg in Wermsdorf am 15. Februar 1763 den Hubertusburger Frieden unterzeichneten, war der Alte Fritz nicht dabei. Er ratifizierte den Vertrag im Dahlener Schloss.

Zuletzt war es im Besitz der Familie Sahrer von Sahr, die sich am Kriegsende 1945 gezwungen sah, ihr Zuhause zu verlassen und in den Westen zu flüchten. Bis 1973 war das Haus Ingenieurschule für Fleischwirtschaft bevor erst ein nächtlicher Brand große Teile des Dachstuhles zerstörte und später von der DDR-Obrigkeit angeordnete Abrissarbeiten weitere Lücken rissen. Bis zur Wende verfiel das Schloss weiter. Grundstück und Haus fielen an die Stadt Dahlen, die nun Eigentümer einer Ruine ohne Fenster und mit löchrigem Dach, durch das der Regen lief, war. Nachdem erste zaghafte Versuche, das Gebäude zu retten, gescheitert waren, gründete sich 2009 der Schloss- und Parkverein, der sich seitdem um Erhalt und Nutzung bemüht. Und nun passierte tatsächlich etwas: Mit Hilfe von Zuschüssen, der Unterstützung von Unternehmen, ehrenamtlichen Helfern und Ein-Euro-Jobbern ist mittlerweile nicht nur die Fassade geschlossen, sondern das Schloss auch als Veranstaltungsort etabliert. Regelmäßig finden Führungen statt und hin und wieder gehen Spenden ein.

Der prächtigste aller Schlossräume, der Kaisersaal, bekommt nun wieder seinen alten Glanz zurück. Während ringsum fast überall der Blick auf das alte oder ausgebesserte Mauerwerk trifft, sind Decke und Wände im Saal dank schneller Spendenhilfe pünktlich zum Beginn des Workcamps frisch verputzt und geweißt worden. Prominente Unterstützung bekamen die Dahlener dabei vom Landtagsabgeordneten Frank Kupfer, der heute außerdem einen Europaabend vor Ort initiiert hat, zu dem auch Besuch aus der tschechischen Botschaft erwartet wird. Immerhin gehören Akteure wie der Parkettprofi René Caran aus dem Nachbarland, der auch diese Woche jeden Tag in Dahlen vor Ort ist, zu den Gründern des Workcamps.

Auch in punkto Beleuchtung passt es jetzt: Die Leuchtenmanufaktur Wurzen, die schon die Semperoper oder die Leipziger Thomaskirche ausgestattet hat, stellte dem Schlossverein einen Kronleuchter und Wandlampen für den Kaisersaal zur Verfügung.

Nun also noch ein Parkettboden auf 120 Quadratmetern. „Wir werden hier Versailler Tafelparkett in einer sächsischen Variante verlegen“, erklärt Steve Klose. Noch allerdings ist der Saal eine Baustelle: Diverse Sägen sind in Reihe aufgebaut, an denen Bodenleger aus den gelieferten Hölzern die Einzelteile für das Parkettmuster zurecht sägen. Vor den Fenstern zur Parkseite setzen Kollegen die verschiedenen Stücke dann zusammen – erst zu kleineren, dann zu immer größeren Teilen, bis die Platten so fertig sind, dass sie verlegt werden können.

Das ist laut, das ist staubig, und für die Leute an der Säge auch wenig abwechslungsreich: Mehrere hundert oder gar tausend Male das gleiche Dreieck zurechtstücken und dabei trotzdem immer konzentriert sein, ist keine leichte Sache. „Die Platten entstehen aus 47 Teilen“, beschreibt Parkettlegemeister Steve Klose, „die zu sägen ist eine monotone Arbeit. Aber wenn einer hier vorn nicht richtig sägt, können die Leute hinten beim Kleben damit nichts anfangen.“ 120 Tafeln aus Eiche- und Ahornhölzern müssen am Ende fertig sein. Dann kann der Boden verlegt, geschliffen und versiegelt werden. Und das alles von Menschen verschiedener Nationen. Sprachbrocken werden einander zugerufen, und wo die Worte fehlen, verständigt man sich eben mit Händen und Füßen.

120 solcher Platten entstehen für den Kaisersaal. Quelle: Jana Brechlin

Hinter dem Kaisersaal liegt noch ein kleinerer Raum, der vom Verein mittlerweile Spiegelsaal genannt wird. Auch dieser bekommt derzeit einen neuen Fußboden. Hier ist Samuel Braun mit seinen Schützlingen aktiv. Braun ist Meister und technischer Leiter der gewerblichen Schule Ehingen und hat drei Lehrlinge nach Dahlen mitgebracht, die an einem Parkett für den kleinen Spiegelsaal arbeiten. Das heißt auch hier: messen, sägen, leimen. Während die Maschinen auf Hochtouren laufen, stapeln sich an der Wand bereits die passenden Stücke.

Was daraus wird, können Besucher am Sonntag ab 10 Uhr beim Tag des offenen Denkmals bestaunen. Doch fertig werden müssen die angehenden Parkettleger schon früher: Bereits am Sonnabend um 10 Uhr ist die feierliche Übergabe des Projektes. Bis 18 Uhr können Gäste dann nicht nur beide Säle besichtigen, sondern auch eine Kunstausstellung im gesamten Schloss sowie Lehrstücke und Messestände der beteiligten Firmen. Kaffee und Kuchens gibt es obendrauf.

Der Zeitplan ist sportlich. Doch jeder weiß, was er zu tun hat. „Etwa 40 Leute arbeiten an Maschinen oder beim Zusammensetzen, und zehn Teilnehmer sind ständig damit beschäftigt, Material ranzuschaffen“, sagt Steve Klose. Meister Samuel Braun ist überzeugt: „Alle sind motiviert und wollen hier etwas schaffen. Jeder hilft jedem, Einzelkämpfer gibt es nicht. Selbstverständlich bekommen wir das pünktlich hin.“

www.workcamp-parquet.com

Von Jana Brechlin

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