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Pause für 128-jährige Tradition in Oschatz: Ohne Waage und Meister kein Wiegefest

Nachfolger gesucht Pause für 128-jährige Tradition in Oschatz: Ohne Waage und Meister kein Wiegefest

Das traditionelle Weihnachtswiegen in Oschatz fällt in diesem Jahr aus. Wenn es im kommenden Jahr keinen Nachfolger gibt, wird es wahrscheinlich ganz wegfallen. Als Wiegemeister Rainer Boeck im vergangenen Jahr bei der Veranstaltung im „Bergschlösschen“ angekündigt hat, dass er aufgibt (wir berichteten), hat sich darauf niemand gemeldet.

Rainer Boeck nimmt die Daten korrekt in das Wiegebuch auf. Nach 18 Jahren jedoch möchte er sein Amt abgeben.

Quelle: Dirk Hunger

Oschatz. Er hat es bereits im vergangenen Jahr angekündigt: Rainer Boeck möchte sein Amt als Wiegemeister beim Weihnachtswiegen abgeben. „Aber es hat sich leider niemand gemeldet“, sagte er auf Anfrage. Nur ein Mann habe sich bereit erklärt, Ausschau nach einem Wiegemeister zu halten. „Er hat sich aber nicht wieder gemeldet“, so Boeck. Nun wird diese Veranstaltung in diesem Jahr wohl ausfallen. „Ich habe mich schon mal mit dem Thema beschäftigt und könnte ab kommenden Jahr diese Veranstaltung übernehmen“, so David Leibundgut aus dem „Oz’ler“ in der Breiten Straße.

In diesem Jahr jedoch wird Rainer Boeck definitiv nicht mehr wiegen. Im Bergschlösschen von Gerold Katsche, bei dem die Wiege-Veranstaltung bis 2014 sieben Mal stattgefunden hat – erst in den Schützenwiesen und später im Bergschlösschen – hat der Wirt die Räumlichkeiten bis vor zwei Wochen vorgehalten. „Dann habe ich Bestellungen für das Weihnachtsessen angenommen“, sagte er.

Das Wiegen gibt es seit 1887, seit 1957 werden die Gewichte der Personen im sogenannten Wiegebuch festgehalten. Chronist Manfred Schollmeyer hat die Geschichte des Wiegefestes recherchiert und interessante Fakten herausgefunden.

Einer, der zum Kern gehörte, ist Rainer Uhlitzsch (66). „Ich bedaure sehr, dass das Weihnachtswiegen nicht stattfindet. Man traf dort oft Leute, die man lange nicht gesehen hat, es war gesellig, und es kam Zusammengehörigkeitsgefühl auf.“ Und die Waage habe auch jedes Mal eine Warnung preisgegeben, wenn er mehr als die maximal zulässigen 130 Kilogramm auf den Rippen hatte.

Das erste Mal wurde am 2. Weihnachtsfeiertag im „Restaurant Nebel“ gewogen. Es befand sich in der Brüderstraße gegenüber dem Gericht. Es folgten viele Besitzer-, Pächter- und Namenswechsel sowie Umbauten. Später hieß die Gaststätte „Vincentz Weinstube“, „Zur Versöhnungshalle“, „Bürgerhalle“ oder auch „Gerichtsschänke“.

1955 pachtete der Rossschächtermeister Paul Starke die Räumlichkeiten und kaufte das Grundstück 1957, hat Schollmeyer herausgefunden. In den vergangenen Jahrzehnten war das Gebäude im Besitz des inzwischen verstorbenen Holzbildhauermeisters Werner Plath und seiner Frau. Laut Schollmeyer gab es in der Geschichte des Weihnachtswiegens auch Jahre, in denen es nicht stattfand.

Seit 1957 gab es 52 Wiegefeste im „Schweizerhaus“ bei Klaus und Regina Birnbach statt – bis zur Schließung 2008. Danach übernahm Gerold Katsche das Weihnachtswiegen in seiner Gaststätte „Schützenwiesen“. Er nahm die Veranstaltung mit ins „Bergschlösschen“. In diesem Jahr hätte er die siebente Wiegeveranstaltung gehabt.

In den vergangenen 18 Jahren hatte Rainer Boeck fast 1100 Leute auf der Waage. Er würde sich freuen, wenn die Tradition weitergeführt würde. Gebraucht werden dafür eine Gaststätte, zum Beispiel ab dem nächsten Jahr den „Oz’ler“, ein Wiegemeister und die Pfister-Waage. Die beiden Wiegebücher hütet Boeck wie seinen Augapfel und gibt sie erst heraus, wenn der Neue feststeht.

Von Gabi Liebegall

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