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Oschatz Pfarrerinnen dürfen in Sachsen seit 50 Jahren auf die Kanzel
Region Oschatz Pfarrerinnen dürfen in Sachsen seit 50 Jahren auf die Kanzel
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16:13 06.11.2016
Astrid Luzius und Heidrun Winkler bedanken sich bei Anja Funke (von links) für ihren spannenden Vortrag. Quelle: Bärbel Schumann
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Mügeln, Oschatz


Ob ein Pfarrer oder eine Pfarrerin den sonntäglichen Gottesdienst gestaltet, das Kind tauft oder dem Brautpaar seinen Segen gibt, ist für viele Christen auch in der Oschatzer Region eher uninteressant. Hier gibt es derzeit vier Kirchgemeinden beziehungsweise Kirchspiele, wo Frauen im Amt eines Pfarrers ordiniert sind. Vielen der in Naundorf, Mügeln, Sornzig und Schmannewitz beim Gottesdienst den Pfarrerinen lauschenden Christen ist vermutlich gar nicht bewusst, dass das Besetzen dieser Position durch Theologinnen in der Sächsischen Landeskirche erst seit 50 Jahren möglich ist. Für den Förderverein Mügelner Kirchen war das Anlass, die Theologin und Radebeuler Pfarrerin Anja Funke einzuladen. Sie ist die Autorin des Buches „Kanzelstürmerinnen“, das sich mit der Geschichte der Frauenordination in der Evangelisch Lutherischen Landeskirche Sachsens befasst. 2011 erschien das Buch erstmals und wird nun, zum Jubiläum, neu aufgelegt.

Von der Lehrerin zur Theologin

„Ich habe mich mit dem Thema erstmals beschäftigt, da war nicht abzusehen, dass ich einmal Pfarrerin sein werde“, begann die 39-Jährige ihren Vortrag. Damals habe sie sich für die Geschichte der Theologinnen in Sachsen im Rahmen einer Abschlussarbeit beim Lehrerstudium mit dem Schwerpunkt Evangelische Religion interessiert. Im Rahmen dieser Arbeit habe sie sich intensiv mit den Biografien verschiedener Theologinnen beschäftigt. Ihr sei bewusst geworden, selbst Pfarrerin zu werden. Bei ihrem Theologiestudium in Leipzig habe sich dann ergeben, das Thema wieder für eine Abschlussarbeit aufzugreifen. Die Recherchen vertieften sich, rund 50 Zeitzeuginnen und betroffene Frauen wurden von Anja Funke befragt. Sie forschte in Akten des Landeskirchenarchives. „So konnte ich den Weg vieler Theologinnen nachvollziehen, war oft erstaunt und betroffen“, so die Autorin. Zudem habe sich gezeigt, wie Pro und Kontra innerhalb der Kirche wirkten. Lange sei das Studium der Theologie, was ja Voraussetzung für das Pfarrersamt ist, eine Männerdomäne gewesen. „In Sachsen wurden 1909/ 1910 die ersten Frauen für Evangelische Theologie in Leipzig immatrikuliert“, so Funke. Doch während für männliche Mitstudenten nach erfolgreichem Studienabschluss eine Anstellung als Pfarrer mit allen Rechten und Pflichten selbstverständlich war, wurden ausgebildete Theologinnen ihnen lange nur im Amt zur Seite gestellt, ohne die gleichen Aufgaben durchführen zu können. 1938 kam es jedoch zur ersten Ordination einer Frau, der Theologin Ruth Laubner, in Dresden. 1945 wurde sie jedoch schon wieder aus ihrem Amt enthoben. 1952 gab es ein Gesetz, dass den Theologinnen im Amt als Vikarin gestattete, verschiedene kirchliche Dienste und Aufgaben wahrzunehmen. Wichtiges blieb weiterhin untersagt: Untersagung der Gemeindeleitung, die öffentliche Wortverkündung.

Festgottesdienst zur Herbstsynode

1965 gab es ein neues Kirchengesetz über das Amt der Theologin. 1966 kam es zur Ordination der ersten elf Theologinnen in Sachsen als Pfarrerin. Selbst mit dem 1970 erlassenen Gesetz gab es noch Hürden für Frauen. So musste beispielsweise ein Kirchenvorstand ausdrücklich der Besetzung der Pfarrstelle mit einer Frau zustimmen und mit Frauen sollten in der Regel nur Zweitstellen besetzt werden. Erst 1982 ermöglichte das „Pfarrdienstgesetz“ in der Sächsischen Landeskirche die Gleichstellung von Frauen und Männern als Pfarrer. In den 18 sächsischen Supturen stehen nur drei Frauen an der Spitze. Eine davon ist seit dem Vorjahr die bis dahin in Sornzig tätige Pfarrerin Ulrike Weyer. Im Rahmen ihrer Herbstsynode in diesem Monat wird die Landeskirche das Jubiläum 50 Jahre Frauen im Pfarramt zum Anlass nehmen, einen Festgottesdienst abzuhalten. Zudem wird es am 14. November eine Filmpremiere geben. Unter dem Titel „Hirtenamt in Frauenhand“ behandelt der Film die Geschichte der sächsischen Theologinnen, zu dessen Entstehung das Buch von Anja Funke viel beitrug.

Von Bärbel Schumann

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