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Pflanzengift Glyphosat: Minimales Gesundheitsrisiko in der Region Oschatz

Landwirtschaft Pflanzengift Glyphosat: Minimales Gesundheitsrisiko in der Region Oschatz

Der Einsatz des Unkrautvernichters Glyphosat ist umstritten, weil das Gesundheitsrisiko nicht abschließend eingeschätzt werden kann. Vielerorts finden sich im Wasser Spuren der Chemikalie. Von den sächsischen Ministerien heißt es, die Werte seien unbedenklich. Doch dieser Meinung sind nicht alle.

Öko-Landwirte befürchten, dass der Einsatz des Pflanzenschutzmittels Glyphosat den Boden zerstört.

Quelle: dpa

Oschatz. Lässt sich der umstrittene Unkrautvernichter Glyphosat im Trinkwasser der Region nachweisen? Diese Frage stellte sich OAZ-Leser Bernd Klemig, nachdem er vor einigen Wochen in dieser Zeitung einen Artikel über die vergleichsweise hohen Nitratwerte in Nordsachsen gelesen hatte. „Da fiel mir auf, dass in der letzten Zeit viel über Glyphosat berichtet wurde, über eventuelle Gesundheitsrisiken“, stellte er fest. Ob die Chemikalie in seine Teetasse gelangen würde, konnte er den zahlreichen Berichten jedoch nicht entnehmen.

Die erste Anlaufstelle für diese Frage ist der Wasserverband Döbeln-Oschatz. Auf Anfrage erklärte Geschäftsführer Stephan Baillieu, dass es weder in der Trinkwasserverordnung noch von den Gesundheitsämtern Vorgaben dafür gebe, das Trinkwasser auf bestimmte Unkrautbekämpfungsmittel untersuchen zu müssen. „Dennoch lässt der Wasserverband bereits regelmäßig das Trinkwasser auf eine Reihe von Pflanzenschutzmitteln überprüfen“, antwortet Baillieu schriftlich.

Unbedenkliche Werte aus Sicht der Ministerien

Abweichungen von den reglementierten Wertvorgaben und Qualitätsbeeinträchtigungen wären bisher nicht festgestellt worden. Ob in Zukunft auch konkret auf das umstrittene Glyphosat getestet werden soll, werde derzeit in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt und der Unteren Wasserbehörde geprüft.

In einer gemeinsamen Antwort des Sächsischen Umweltministeriums und des Sozialministeriums, das auch für den Bereich Gesundheit verantwortlich zeichnet, heißt es: „Glyphosat wird im Freistaat Sachsen sowohl im Grundwasser als auch in Oberflächengewässern regelmäßig überwacht.“ Jedoch nicht flächendeckend, da gesetzlich nur auf jene Stoffe überprüft werden müsse, deren Vorkommen im entsprechenden Einzugsgebiet wahrscheinlich ist.

Die vorliegenden Werte würden jedoch alle unterhalb der Bestimmungsgrenze von 0,1 Mikrogramm pro Liter liegen. Risiken für die Gesundheit wären laut Bundesamt für Risikobewertung (BfR) erst bei der zehntausendfachen Konzentration zu befürchten. Nach Einschätzung der Ministerien kann man das Wasser in der Region bedenkenlos trinken, auch bei Hautkontakt bestehe kein Gesundheitsrisiko.

Glyphosat als Gefahr für die Bodenqualität

Für Roland Einsiedel von der Sächsischen Interessengemeinschaft Ökologischer Landbau ist der Einsatz einer Chemikalie, deren Gesundheitsrisiko nicht abschließend geklärt ist, ein Unding. „Das Zeug ist überall drin: Im Wasser, im Honig, in der Milch. Wenn das so weitergeht, muss sich niemand darüber wundern, dass die halbe Menschheit krank wird“, sagt er.

Außerdem zerstöre Glyphosat das Leben im Boden, töte Regenwürmer und andere Organismen, deren Existenz für die Bestellung unabdingbar sei. „Der Boden ist bekanntlich die Grundlage für alles Leben auf der Erde. Wenn er tot ist, sind wir irgendwann die nächsten“, befürchtet er.

Keine abschließende Risikobewertung

Zur Erinnerung: Im März 2015 stufte die Weltgesundheitsorganisation den Unkrautvernichter als „wahrscheinlich krebserregend“ ein. Das BfR sowie die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit kamen durch eigene Studien zu dem Ergebnis „nicht krebserregend“. Eine hitzige Diskussion um das Für und Wider des Einsatzes entbrannte auf internationaler Ebene.

Im Resultat verlängerte die Europäische Kommission Ende Juni 2016 die Zulassung für Glyphosat um vorerst 18 Monate. In dieser Zeit soll nun die Europäische Chemikalienagentur klären, ob von dem Mittel Gesundheitsrisiken für den Menschen ausgehen oder nicht.

Von Nathalie Helene Rippich

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