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Oschatz Philipp Anders aus Taura kriegt Wildschwein und Fuchs auch im Winter vor die Linse
Region Oschatz Philipp Anders aus Taura kriegt Wildschwein und Fuchs auch im Winter vor die Linse
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09:57 24.02.2016
Nur keinen Lärm machen – das oberste Gebot beim Fotografieren von Tieren. Quelle: Philipp Anders
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Taura

Wenn die Sonnenstrahlen die Erde erwärmen und sich die ersten Blüten an den Bäumen und auf der Wiese blicken lassen, ist es für einen Naturfotografen wie ein kleines Paradies. Die Tiere kommen aus ihren Verstecken hervor und bieten tolle Motive, wenn sie die wieder auflebende Natur entdecken. Auch im Winter kann man herrliche Bilder machen, sagt Philipp Anders. Man muss sich nur den Gegebenheiten anpassen“, so der 26-Jährige.

Was das wohl bedeutet? Auch hier hat der Tauraer mit dem Blick fürs Detail eine Antwort. „Im Winter ist die Lautstärke das Problem. Leise laufen ist durch den Schnee kaum möglich. Dann ist es natürlich besonders wichtig, dass du das Tier zuerst siehst, bevor es dich sieht.“ Gar nicht so einfach, haben die Tiere doch ein viel besseres Gespür, wenn „Gefahr“ droht. Doch Philipp hat Geduld.

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Auch im Winter kann man herrliche Bilder machen, sagt Philipp Anders. Der Tierfotograf streift stundenlang durch die Wälder – auf der Suche nach dem perfekten Motiv.

Die braucht er auch. Denn um ein perfektes Foto zu machen, benötigt er oft viele Stunden. Sehr viele. Um in der Kälte so lange so ruhig sitzen zu können, muss man dementsprechend warm angezogen sein. Das wiederum macht ihn unbeweglich. Dicke Unterwäsche, darüber eine Jogginghose, Thermohose oben drauf. Dicke Jacken und wärmende Gesichtsmaske dürfen natürlich auch nicht fehlen.

Das Problem seien die Finger. Diese lassen sich durch Lederhandschuhe gut schützen. Tarnen lasse es sich im Winter mit relativ einfachen Mitteln. Da hilft oft schon ein weißes Bettlaken. Doch der Profi ist seit diesem Winter noch besser ausgerüstet und ist auf professionelle Wintertarnkleidung umgestiegen. Dieses Outfit lässt den Tauraer in der Landschaft unsichtbar wirken. So harrt er dann aus und wartet auf einen guten Schnappschuss. „Wenn ich mich bewege, dann bleibe ich auch mal den ganzen Tag in der Natur um Fotos zu machen. Wenn ich jedoch sitze, halte ich bei etwa Minus vier Grad circa drei bis vier Stunden aus. Ich mag die trockene Kälte. Die nasse Kälte kriecht in jede Ritze.“

Doch was macht ein Tierfotograf, wenn er beim Warten Hunger bekommt? „Ich esse meistens auf der Fahrt hin und zurück. Im Wald zu essen ist Quatsch. Das Wichtigste ist ein ordentlicher Kaffee. Auf der Fahrt zum Ort stelle ich immer die Sitzheizung auf volle Leistung, um die Thermosachen noch einmal richtig warm zu machen.“

Spuren sind im Schnee besser zu sehen

Wer jetzt denkt, dass doch im Winter kaum Tiere zu sehen sind, der irrt. Philipp Anders weis genau, wo sie sich aufhalten und wie man sie am besten vor die Linse bekommt. Natürlich sehe man im Winter deutlich weniger Tiere. Einige Vogelarten sind zu dieser Zeit nicht im Lande und es gibt auch einige andere Tierarten, auf die man dann als Fotograf verzichten muss. Aber die meisten seien genauso aktiv, wie in den wärmeren Monaten. Vorteil im Winter sei jedoch, dass die Spuren der Tiere besser zu sehen seien. Viele von ihnen überqueren auch die zugefrorenen Teiche, um so den Menschen besser aus dem Weg gehen zu können. „Das Problem im Winter ist jedoch, dass die Tage viel kürzer hell sind. Man hat nur etwa von acht bis 16 Uhr Zeit. Danach ist Feierabend.

Doch im Schnee sind Tiere oft viel besser zu entdecken. Das fällt besonders bei Füchsen auf den weißen Feldern auf. Auch die Rehe erkennt man sehr gut.“ Viele Tiere hat er bereits in der weißen Winterzeit vor die Linse bekommen. Eisvögel, Rehe, Rotwild, Füchse, Waschbären, Wildschweine und Wölfe. Ja, auch Wölfe. Das benötigt jedoch jede Menge Geduld und Zeit. Man muss Spuren lesen können und wissen, wie diese Tiere ziehen. Seit Oktober fährt der 26-Jährige regelmäßig an die gleiche Stelle in Sachsen-Anhalt. Vor wenigen Wochen ist es ihm zum ersten Mal gelungen, hier auch einen Wolf zu fotografieren. „Ich hatte ihn bereits eine Woche zuvor gesehen. Da fuhr ich jedoch gerade mit dem Auto, und als ich stehen blieb, um meine Kamera zu nehmen, war er auch bereits verschwunden.“ Doch dann, wenige Tage später, konnte er ihn auf einem Weg fotografieren. „Er war nur etwa vier Sekunden zu sehen. Er hörte das Klicken der Kamera und zog weiter“, so der Tauraer.

Etwas mehr Erfolg hatte er beim Fotografieren eines Eisvogels. Dafür brauchte er mehr als nur Geduld. Doch das Warten hatte sich gelohnt und er konnte unter anderem auch einen „fliegenden Diamanten“ fotografieren. „Eisvögel können rütteln. Das bedeutet, dass sie in der Luft stehen bleiben können. So ein Bild zu haben, hat wirklich Seltenheitswert. Das hat nicht jeder.“ Viele Tiere sind hauptsächlich am Vormittag zu sichten. Der Eisvogel jedoch sei überwiegend zur Mittagszeit aktiv. Philipps Wunsch wäre, den Eisvogel auf einem Schilf mit Eis zu fotografieren. Doch hierfür muss er wohl bis zum nächsten Winter warten.

Wildkatze auf der Wunschliste

Viele weitere Tiere möchte der Fotograf mal mit seiner Kamera ablichten. Auf seiner ToDo-Liste steht unter anderem eine Wildkatze. „Hier würde es mir sogar ausreichen, eine Wildkatze in freier Wildbahn zu sehen. Einen Marderhund oder einen Luchs möchte ich gerne fotografieren. Doch die Luchse und auch die wilden Samtpfoten vor die Linse zu bekommen ist schwieriger als einen Wolf, weil deren Sinnesorgane noch einmal feiner ausgeprägt sind.“ Der Tauraer wünscht sich, eine Rotwildbrunft hautnah miterleben zu können – Wenn die stattlichen Männchen um die Weibchen kämpfen. „Das zu erleben ist aufgrund des stetig wachsenden Jagddruckes auf die Tiere hier jedoch nicht möglich“, bedauert er. Um einen Bären beim Lachsfang fotografieren zu können, würde er gerne mal bis nach Kanada reisen.

Was den Winter für die Fotografie so einzigartig mache sei, dass dann alles rein, glatt und sauber wirke. „Die Luft ist klar. Es ist deutlich stiller. Der Schnee dämmt. Ich bin sehr gerne in diesem „Winterwonderland“. Der klare Himmel, das orangene Licht, die Eiskristalle, die von der Sonne angestrahlt werden. Schöner geht es gar nicht.“

Um zu fotografieren, ist Philipp Anders meistens alleine unterwegs. Denn dann käme es auf die Ruhe an. Ab und an ist Philipp auch mit seinem Mentor und Vater, Heiko Anders, unterwegs. Auch er ist professioneller Naturfotograf und wüsste, wie wichtig es sei, Rücksicht zu nehmen. „Er weiß genau, worauf es ankommt.“ Philipp fährt so oft er irgendwie kann in die Natur. Fast jeden Vormittag ist er dann unterwegs. Mit dabei ist immer das 500-Millimeter-Ojektiv und die Spiegelreflexkamera. „Das A und O ist es, Rücksicht auf die Tiere zu nehmen.

Bei niedrigen Temperaturen sind sie nicht so leistungsfähig. Dann ist es besser, auf das Foto zu verzichten und sich zurückzuziehen.“ Gern wollte Philipp noch im Winter einen Fischotter fotografieren. Das sei in der Region jedoch nicht einfach, da es nicht mehr so viele Fischotter hier gäbe. Doch wenn er einen Blick nach draußen wirft, bezweifelt er, dass dies noch möglich sein wird. „Dann muss ich mich wohl bis zum nächsten Schnee gedulden“, sagt er mit einem Schulterzucken. Wissend, dass auch in der frühlingshaften Jahreszeit wunderschöne Tierfotografien möglich sind.

Noch mehr Fotos von Philipp Anders finden sich auf seiner Internetseite andersfotografiert.com.

Von Kristin Engel

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