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Oschatz Pietätlos: Wenn aus Bestattern Entsorger werden
Region Oschatz Pietätlos: Wenn aus Bestattern Entsorger werden
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17:39 29.10.2012
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Außerdem ist das zu einem Fall für die Bestatter-Innung Berlin-Brandenburg geworden.

Karl-Friedrich Kossert aus Clanzschwitz stellt unabhängig von der Straftat die Frage: "Ist es normal, dass Verstorbene, die zur Einäscherung gefahren werden, in Kisten und nicht in Särgen transportiert werden, wie Bildern in Medien zu entnehmen war?"

Melanie Nöbel vom gleichnamigen Oschatzer Bestattungsunternehmen, sagte auf Anfrage, dass die Verstorbenen von ihrem Beerdigungsinstitut grundsätzlich in ordentlichen Holzsärgen transportiert werden. "Etwas anderes bieten wir gar nicht an." Immerhin handele es sich bei den Toten um Menschen, und es sei selbstverständlich, dass die in Würde ihren letzten Weg gehen." In dem Fall von Hoppegarten seien die Kisten doch eine Art Särge. Das Unterteil habe eine Sargform, nur der Deckel sei nicht geformt, sondern plan. Auf Nachfrage, wozu das dienen soll, gab sie der OAZ-Vermutung recht: so könnten die Leichen besser gestapelt werden. Es gebe auch sogenannte Särge aus Pappmaché. Die seien preiswert. Dafür aber koste die Einäscherung mehr, weil bei der Verbrennung eine größere Hitze benötigt würde.

Veronika Swienty vom Bestattungsunternehmen Wünsche in der Großen Kreisstadt versicherte, dass das Unternehmen ebenfalls richtige Holzsärge für den Weg zur Einäscherung verwendet. Sie selbst habe übrigens vor kurzem bei einem Besuch eines Krematoriums das erste Mal solche Art Kisten wie bei der Straftat gesehen. Dazu sei für sie unvorstellbar - die Anzahl der vermeintlichen Särge. Normalerweise dürften es nur vier sein.

Jetzt beschäftigt sich auch die Bestatter-Innung Berlin-Brandenburg mit diesem Fall, wie Innungsobermeister Rüdiger Koßerow gegenüber OAZ bestätigte. "Wir müssen prüfen, ob das Fahrzeug für diesen Zweck zugelassen ist." Zwölf solcher Kisten, die Koßerow selbst noch nie gesehen habe, in einem Fahrzeug, gehe gar nicht. "Das hat mit Pietät und Würde nichts zu tun." Zu solchen Auswüchsen komme es, wenn die Preise immer mehr gedrückt werden. "Viele Bestatter bieten ihre Dienste billiger an, sonst bekommen sie keine Aufträge mehr. So werden Bestatter zum Entsorger." Übrigens sei der Transport für die Polizei nur eine Ordnungswidrigkeit. Für den Innungsobermeister eine nicht zu akzeptierende Wertung. Außerdem müsste untersucht werden, ob die Angehörigen die "Särge" gesehen haben. Wenn nicht, könnte aus der Ordnungswidrigkeit Betrug werden.

Gabi Liebegall

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