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Oschatz Polizisten klären Oschatzer Kinder zu Gefahren im Internet auf
Region Oschatz Polizisten klären Oschatzer Kinder zu Gefahren im Internet auf
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06:00 28.01.2016
Die Online-Welt steckt voller Fallstricke. Quelle: dpa-Zentralbild
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Oschatz

Bei Facebook ein Video-Selfie in betrunkenem Zustand hochladen, einen Film bei Kinox.to downloaden oder ein Nacktbild dem Freund via Whatsapp schicken – schnell kann der Schuss nach hinten losgehen. Firmen können den jungen Praktikums-Anwärter im Internet durchleuchten und den „Trunkenbold“ kurzerhand ablehnen. Der Urheber fordert vom Kinox-Nutzer einen hohen Schadensersatz. Dritte fangen ein freizügiges Bild ab und vervielfachen es auf pornografischen Seiten. Die Möglichkeiten des Internets sind groß, ebenso die Gefahren. Gerade junge Menschen, die neue Medien und soziale Netzwerke besonders intensiv über Handy und Laptop nutzen, können die Risiken oft nicht abschätzen und gehen mit der Veröffentlichung privater Inhalte oft sorglos um.

„Das Problem ist, dass viele Jugendliche sich bei Facebook ein Profil einrichten, dort fleißig Fotos und Inhalte posten und sich nicht darüber im Klaren sind, dass das kein geschützter Raum ist und die Inhalte für immer im Netz abrufbar sind“, sagt Uwe Voigt von der Polizeidirektion Leipzig. Wie man sich im Netz sicher bewegt, müsse geschult werden, Kostenfallen und Grenzen der Privatsphäre gerade jungen Mitmenschen aufgezeigt werden. Um Schüler künftig vor den Gefahren des Internets besser zu schützen, wurde ein Projekt für Internetsicherheit ins Leben gerufen, das sachsenweit Schule macht. Junge Polizeibeamte der Leipziger Präventionsstelle besuchen Bildungseinrichtungen im Freistaat und informieren über Risiken und geben Verhaltensregeln an die Hand. So geschehen im Dezember in drei sechsten Klassen vor rund 80 Schülern an der Robert-Härtwig-Schule in Oschatz.

Die Polizisten erklärten, welchen Weg die eigene Whatsapp-Nachricht geht und wer unterwegs darauf zugreifen kann. Jens Richter, Deutsch- und Englischlehrer an der Schule in Oschatz: „Sie machten deutlich, dass persönliche Daten bei gewissen Anbietern in den USA gespeichert werden und jeder mit dem Einstellen von Fotos bei Facebook & Co. all seine Bildrechte verliert.“ Drastische Beispiele dienten den Beamten zur Veranschaulichung – so der Fall eines jungen Mädchens, das sich im USA-Urlaub mit ihren Eltern auf einem Werbeplakat im Bikini in einer Hängematte liegend wiederfand. Eine rechtliche Handhabe gegen die Werbefirma, die das Bild bei Facebook legal erworben hatte, gab es nicht. Thema war auch, wie lange ein gepostetes Bild im Internet abrufbar bleibt. So berichteten die Beamten, wie sie im Innenhof ihrer Polizeidienststelle einen unauffälligen Busch fotografierten und das Bild über ein Testaccount bei Facebook ins Netz stellten, um es nach einer Minute wieder zu löschen. Noch einen Monat später fanden sie das Bild an hunderten Stellen im Netz wieder. Auch eingestellte Texte würden breit gestreut. „Das ist schon enorm, wie sich so etwas weiterverbreitet“, staunt Klassenlehrer Richter.

Ein reiner Frontalunterricht sind die Seminare zur Internetsicherheit nicht. „Ein Stuhlkreis wurde gebildet und jeder Schüler stellte sich vor und sprach über seine Mediennutzung. Die Kinder konnten von eigenen Erfahrungen im Netz berichten und Fragen an die Beamten stellen.“ Gefragt wurde zum Beispiel was passiert, wenn man sich Filme, Musik und Bilder herunterlädt. In diesem Zusammenhang wurde auch über Strafmündigkeit gesprochen und das Märchen, dass Eltern für ihre Kinder haften.

Das Projekt richtet sich frühzeitig an 11- und 12-jährige deutsche Schüler, die bei US-Anbietern nach dem dortigen Jugendschutzgesetz ein Account erst ab 13 Jahren haben dürfen. „In Wirklichkeit haben sich bereits viele der Kinder einen Facebook-Account erschwindelt, indem sie sich älter machen. Kontrolliert wird das in Deutschland offensichtlich nicht“, vermutet Richter., der schon eine frühzeitige Affinität von Kindern zum Internet beobachtet hat Das Feedback der Schüler war durchweg positiv. „Sie haben sich am Unterricht viel beteiligt und viele Fragen gestellt. Alles was mit dem Handy und Netz zu tun hat, ist für sie von Interesse“, meint Richter. Dienlich sei auch gewesen, dass jüngere Polizeibeamte den Kurs leiteten.

Im Februar soll ein Seminar für die Eltern folgen. „Das wird eine Veranstaltung in der Aula sein, bei der die Eltern der kompletten Klassenstufe da sein werden.“ Rund zweit Drittel der Eltern der sechsten Klassenstufe hätten bereits Interesse signalisiert und wollten kommen. „Bei den Eltern herrscht viel Unsicherheit im Hinblick auf die rasante technische Entwicklung. Sie wissen oft nicht, was ihre Kinder mit dem kleinen Kasten zu Hause alles anstellen können.“ Eine Kontrolle sei für sie nicht möglich. Ebenso wenig könnten sie Gefahren abschätzen oder ihren Kindern elterlichen Rat geben. Der ursprünglich angesetzte Termin am 2. Februar wurde verschoben und soll nun voraussichtlich im März stattfinden. Ein genauer Termin wird frühzeitig von der Schule bekannt gegeben.

Von Oliver Becker

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