Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Oschatz Probleme mit Notdienst für kranke Tiere in Nordsachsen
Region Oschatz Probleme mit Notdienst für kranke Tiere in Nordsachsen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:36 13.12.2018
Die Naundorfer Tierärztin Ines Leidel nimmt den Notdienst ernst. Hier behandelt sie ein Schaf von Martin Hannß mit einer Wurmkur. Quelle: Foto: Frank Hörügel
Nordsachsen

Stefanie Richter aus Torgau ist heute noch aufgeregt, wenn sie von diesem Schreckensmoment erzählt. Ihr Beagle-Welpe Rusty hatte sich kürzlich an einem Kau-Schuh verschluckt. „Ein Stück ist in seinem Hals stecken geblieben. Wir haben alles versucht, um ihm zu helfen, aber er hat keine Luft mehr gekriegt“, erinnert sich die 32-Jährige. In ihrer Not wandte sie sich zusammen mit ihrem Mann an die Tierärztin in Torgau, die an diesem Tag Bereitschaftsdienst hatte. Die habe erst mal gefragt, wie akut es denn sei und die aufgeregten Hundebesitzer etwa zehn Minuten am Telefon hingehalten. Schließlich habe die Tierärztin angeboten, in einer halben Stunde vorbeikommen zu können. „Da haben wir gleich gesagt: In einer halben Stunde ist der Hund tot, wenn Sie jetzt nichts machen. Dann haben wir aufgelegt.“ Rusty hatte Glück. „Denn in diesem Moment hat sich das Stück in seinem Hals gelöst und kam wieder raus, als ich ihn etwas geschüttelt und gedrückt habe“, war Stefanie Richter erleichtert.

Schlechte Erfahrungen mit Notdienst in Torgau

Die Torgauer Hundebesitzerin ist nicht die einzige Tierhalterin im Landkreis Nordsachsen, die schlechte Erfahrungen mit dem tierärztlichen Notdienst gemacht hat. Die nordsächsische Amtstierärztin Dr. Barbara Lemm – selbst Tierbesitzerin – kennt das Problem aus eigener Erfahrung. „Mir ist es selbst öfter passiert, dass die Tierärzte im Notdienst nicht ans Telefon gehen, wenn ein Notfall vorliegt. Das sind immer dieselben Kollegen, die das nicht ernst nehmen. Aus Bürgersicht ist das natürlich schlecht, wenn die Leute Angst um ihr Tier haben und sich nicht auf den Notfall verlassen können“, sagt sie. Probleme gebe es vor allem im Raum Delitzsch und Eilenburg und in der Stadt Torgau. In der Region Oschatz funktioniere es dagegen recht gut. Im Einzugsgebiet der Altkreise Oschatz und Riesa teilen sich elf Tierärzte in den Notdienst für Kleintiere. Jeder dieser elf Kollegen wird also vier bis fünf Mal im Jahr je eine Woche lang verpflichtet.

51 Tierarztpraxen im Landkreis Nordsachsen

Daran, dass es zu wenige Tierarztpraxen im Landkreis Nordsachsen gibt, liegt es jedenfalls nicht, dass es Probleme mit der Notversorgung gibt. Aktuell existieren 51 Praxen, diese Zahl ist seit 2011 annähernd konstant (siehe Kasten). Und auch finanziell soll sich der Notdienst für die Veterinäre lohnen. Laut Gebührenordnung für Tierärzte können sie für ihre Leistungen im Rahmen des Notdienstes bis zum Dreifachen der sonst üblichen Gebühren verlangen.

Offiziell wird das Kreisveterinäramt nicht davon informiert, wenn es Probleme bei der nottierärztlichen Versorgung gibt. „Wir bekommen das nur von anderen Praktikern mit, die dann erreicht werden, wenn der diensthabende Nottierarzt nicht erreichbar war“, sagt die Amtstierärztin.

Aus ihrer Sicht wäre es sinnvoll, wenn die betroffenen Tierbesitzer sich an die Landestierärztekammer wenden. „Die Bürger sollten das melden – mit Datum und Adresse.“ Die Verpflichtung zum tierärztlichen Notdienst ist über die Berufsordnung der Sächsischen Landestierärztekammer geregelt. Darin heißt es: „Tatsächlich ist während des Notfalldienstes die Versorgung von Notfällen sicherzustellen, deren Schweregrad es nicht erlaubt, bis zur nächsten regulären Sprechstunde zu warten. Nach Stabilisierung des Patienten oder bei Anforderung tierärztlicher Leistungen ohne Vorliegen einer Notfallsituation, ist der diensthabende Tierarzt berechtigt und gehalten, auf die nächsten regulären Sprechzeiten zu verweisen.“ Bei Verstößen gegen diese Verpflichtung kann eine Rüge und in schwerwiegenden Fällen ein Ordnungsgeld von bis zu 5000 Euro verhängt werden.

Tatsächlich kommt es jedoch auch vor, dass besorgte Tierbesitzer gar nicht wegen eines echten Notfalls anrufen – und Nottierärzte die nächtlichen Anrufer dann nicht mehr ernstnehmen können. Das sei aber die Ausnahme, sagt Dr. Ines Leidel, die in ihrer Praxis hauptsächlich Großtiere behandelt, aber auch für kleine Haustiere da ist. Die Naundorferin ist außerdem Vorstandsmitglied der sächsischen Landestierärztekammer. „Zum Glück müssen die Tierbesitzer vorher anrufen. Wenn ich merke, dass es eine Bagatelle ist, die Tierbesitzer aber ernsthaft besorgt sind, untersuche ich die Tiere lieber trotzdem.“ Leide das Tier beispielsweise am späten Freitagabend unter Erbrechen oder Durchfall, könne man mit der Behandlung nicht bis zum Montag warten. Bei schwerwiegenden Fällen wie etwa Magendrehungen bei Hunden verweise sie aber lieber an die nächstgelegenen Tierkliniken in Panitzsch (bei Taucha), an die Uniklinik Leipzig oder auch nach Dresden. Die Tierkliniken haben einen 24-Stunden-Bereitschaftsdienst.

Schlechte Erfahrungen mit übergriffigen Tierbesitzern

Und ein weiteres Problem erschwert den Notdienst. In Sachsen hat sich nach Angaben der Landestierärztekammer in den vergangenen acht Jahren die Zahl der angestellten Tierärztinnen auf aktuell 320 fast verdoppelt. Und einige davon haben schlechte Erfahrungen mit übergriffigen Tierbesitzern gemacht, die mitten in der Nacht den tierärztlichen Notfalldienst um Hilfe gebeten haben. Dieses Problem hat Ines Leidel nicht. „Ich habe den Vorteil, dass sich meine Praxis im Wohnhaus befindet und immer jemand da ist. Ich kann mir aber schon vorstellen, dass sich schon ein unangenehmes Gefühl einstellt, wenn Kolleginnen mitten in der Nacht in einer gesonderten Praxis mit einem Tierbesitzer allein sind.“

Von Frank Hörügel und Kristin Engel

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Abteilung für Innere Medizin der Collm-Klinik Oschatz hat einen neuen Chefarzt. Dr. Hans-Joachim Kolb (54) wurde jetzt vom Aufsichtsrat des Krankenhauses berufen. Seine Fachgebiete sind Herz- und Gefäßmedizin.

13.12.2018

In diesem Jahr wird zum vierten Mal das Oschatzer Weihnachtssingen ausgerichtet. Der Erlös kommt drei Oschatzer Vereinen zu Gute. Die Vorbereitungen sind derzeit in vollem Gange.

13.12.2018

Der Leipziger Prinzen-Sänger Sebastian Krumbiegel und der Dresdener Kästner-Preisträger Gerhard Ehninger haben in Wermsdorf versprochen, die soziokulturelle Arbeit in der ländlichen Region zu unterstützen und machen die Ankündigung nun in Döbeln wahr.

12.12.2018