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Radwegenetz in Collm-Region ausbaufähig

Radverkehr Radwegenetz in Collm-Region ausbaufähig

Das Zweirad erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Zu Beginn der Fahrrad-Saison wirft die OAZ einen Blick auf den Stand des Radwegenetzes in der Collm-Region. Urteil: Ausbaufähig.

Radfahrern fehlen in Oschatz vielerorts eigene Wege.

Quelle: Christian Neffe

Collm-Region. Mit dem Frühling und dem allmählich aufkommenden Frühlingswetter beginnt auch wieder die Saison der Fahrradtouren. Wer Sonne und Natur in der Collm-Region genießen will, der befreit das Zweirad von Staub und Spinnweben, steigt auf den Sattel, motiviert die Familie, es ihm gleichzutun und tritt ordentlich in die Pedale. Da gibt es nur ein Problem: Das Radwegenetz in der Region hat etliche Schwachstellen.

Eine, die es wissen muss, ist Elfi Rose. Die Europameisterin im Crosstriathlon ist mit dem Radwegenetz in der Collm-Region, gelinde gesagt, unzufrieden. Echte Radwege gebe es viel zu wenige, so dass Pedalritter auf die viel befahrenen Überlandstraßen ausweichen müssen. Das aber sei wegen des Überholverhaltens einiger Autofahrer stark risikobehaftet. „Einige Male musste ich fast in den Straßengraben springen – und einmal ist das sogar schon passiert“, so die 50-jährige Mügelnerin. Vor allem der Abschnitt Neusornzig-Mügeln stößt ihr sauer auf. Bei ihren regelmäßigen Radtouren nutzt sie inzwischen fast ausschließlich wenig befahrene und abgelegene Nebenstraßen – und die sind nur selten in gutem Zustand. Ein weiteres Manko: die Pflege der Wege. Der Split, der nur selten, wenn überhaupt, weggekehrt wird, sorgt für Probleme bei Rennradfahrern und Inline-Skatern. Rose empfiehlt stattdessen die Radwege an der Elbe und rund um Leisnig.

Dass das Radwegesituation in der Region suboptimal ist, bestätigt auch Christian Zieger, Geschäftsführer von Fahrrad Zieger in der Hospitalstraße. Das ließe sich daran erkennen, dass Rennräder nach wie vor ein Nischendasein bei seiner Kundschaft fristen. „Es gibt in Oschatz einfach keine Lobby, die sich für den Ausbau des Netzes einsetzt. Damit wird ja auch die Chance vertan, die Region für Touristen noch attraktiver zu machen.“ Stadträder, Mountain- und E-Bikes stehen bei seinen Kunden aber nach wie vor hoch im Kurs. Einen großen Trend gebe es nicht – außer einen optischen: Rahmen in Neon-Farben seien dieses Jahr der Renner.

Ein weiterer Experte für alle Fragen rund ums Radfahren ist Stefan Winkler, seit 40 Jahren passionierter Radler in Nordsachsen, der auch bei der gemeinsamen Rad-Begehung von ADFC und Stadtpolitikern im Mai vor zwei Jahren in Oschatz als Fachmann teilnahm. Sein Resümee: Radfahren in Oschatz und Umgebung macht grundsätzlich Spaß und ermöglicht schnelle und unkomplizierte Mobilität, allerdings werde „das Potenzial des Radverkehrs bei weitem nicht ausgeschöpft. Ein aufeinander abgestimmtes Radinfrastruktur-Quartett aus Innenstadt-, Orts-, Regional- und Fernroutennetz ist noch nicht einmal in Ansätzen erkennbar.“ Die Radverkehrsinfrastruktur sei zudem extrem lückenhaft, qualitativ und quantitativ nicht ausreichend und stark sanierungsbedürftig. Außerdem sei die Verkehrssicherheit für Radfahrer unzureichend.

Dabei könne sich „eine erhöhte Fahrrad-Attraktivität der Region Oschatz perspektivisch zu einem wichtigen touristischen Wirtschafts- und Standortfaktor entwickeln.“ Auch der Mulde-Elbe- sowie der Döllnitztal-Radweg würden in der Stadt wie im Umland „abschnittsweise erhebliche Schwächen aufweisen. Die einfachste Möglichkeit zur Stärkung des Radverkehrs innerhalb der Stadt sei die Installation von Radfahrstreifen. Gegenüber Radwegen sind diese nicht nur günstiger, sondern auch deutlich sicherer.

Oberbürgermeister Andreas Kretschmar (parteilos) räumte damals gegenüber der OAZ ein, dass Oschatz lange Zeit andere Prioritäten gesehen hätte als den Ausbau von Radwegen. „Das soll sich jetzt ändern“, hieß es damals. Abgesehen von einer besseren Beschilderung der Radwege sind diesen selbstkritischen Worten bisher aber nur wenige, konkrete Taten gefolgt.

Von Christian Neffe

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