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Recycling von Altreifen in Oschatz: Geschäft ist geplatzt

Recycling von Altreifen in Oschatz: Geschäft ist geplatzt

Der Logistikkonzern DHL soll nach OAZ-Informationen vom Kaufvertrag mit Manfred Bares zurück getreten sein, weil der Holländer trotz mehrerer Aufforderungen die 6,5 Millionen Euro Kaufpreis für das Gelände an der Nossener Straße nicht bezahlt haben soll.

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Unternehmer Manfred Bares hält eine Tüte mit Altreifen-Granulat in den Händen. Diese Geschäftsidee ist nun geplatzt. Fotomontage: Dirk Hunger

Quelle: Dirk Hunger

Oschatz. Von Gabi Liebegall

 

Das erfuhr die OAZ gestern von einem Anwalt. Damit platzt das Vorhaben einer Reifenrecyclinganlage (wir berichten) in Oschatz. 20 Millionen Euro wollte Bares nach eigenen Aussagen investieren und viele Arbeitsplätze schaffen. "Altreifen sollen in einem patentierten Verfahren zu einen schwarzen Pulver verarbeitet werden, welches dann beispielsweise für Wärmedämmung wiederverwendet werden kann." (OAZ vom 21. Juni 2014)

 

Das Begleichen von Rechnungen scheint das Problem des Unternehmers zu sein. Er entließ Mitarbeiter, die im Oktober eingestellt, aber nicht bezahlt wurden. Genau so ging es Firmen, die im Auftrag des Holländers auf dem Gelände gearbeitet haben, darunter eine Planunggesellschaft aus Leipzig. Eine Stauchitzer Firma hat den Fall einem Anwalt übergeben. Sie wartet auf 1500 Euro. Bei einem Peniger Unternehmen soll es um einen fünfstelligen Betrag gehen. Und die Planungsfirma wollte erst einmal die Frist der Zahlung abwarten.

 

Dass mit dem Unternehmen irgendetwas nicht stimmen konnte, bekamen die vier Angestellten zuerst zu spüren. Sie arbeiteten seit Oktober 2014 bei Bares für "Nasse".

 

Auch die Genehmigungsbehörde beim Landratsamt musste auf die notwendigen Unterlagen bezüglich des Bundesimmissionsschutzgesetzes warten. Die waren unvollständig. Antje Brumm vom Umweltamt des Landratsamtes dazu: "Es wurden Nachforderungen formuliert. Diese werden durch den Antragsteller zurzeit abgearbeitet."

 

Die beiden Vorbereitungsgesellschaften Isoproduktions GmbH und Isoproject Deutschland in Oschatz haben keine Mitarbeiter mehr. Auch die Internetseite www.isoproject.de ist im Netz nicht mehr zu finden, weil Bares den Betreiber nicht bezahlt haben soll.

 

Ein junger Mann (23), der bei Bares angestellt war (Name liegt vor), berichtete verzweifelt von der Situation: "Bares hat alle vier Leute nach der Probezeit entlassen. Wir wären zu teuer."

 

Bezüglich des ausstehenden Lohnes konfrontierte die OAZ den Unternehmer: "Diese Aussagen sind falsch", so Manfred Bares. "Wir haben aufgrund der Tatsache, dass wir noch immer nicht über eine Betriebsgenehmigung verfügen, Entlassungen vorgenommen - jedoch mit der Aussicht auf Wiedereinstellung nach Genehmigung."

 

Ein Mitarbeiter sei entlassen worden, weil dieser im Namen und Auftrag der Isoprojects Deutschland unter anderem Privateinkäufe auf Lieferschein und Rechnung getätigt habe, und zwar ohne Genehmigung. "In diesem Fall haben wir zur Deckung des Schadens Lohn einbehalten." Des Weiteren habe die Geschäftsführerin der Isoprojects Productions GmbH mit Gesellschafterbeschluss vom 30. Januar 2015 gehen müssen, und zwar fristlos, "weil sie sich großzügige Lohnkostenvorschüsse vom Firmenkonto gegönnt hat, und zwar ohne Vollmacht. In beiden Fällen haben wir einen Rechtsanwalt mit der Wahrnehmung unserer Interessen beauftragt. Im übrigen haben wir alle Löhne gezahlt und ordnungsgemäß durch ein Steuerbüro abrechnen lassen. Aber warum sollen Mitarbeiter sagen, dass sie keinen Lohn bekommen, dafür geklagt haben?"

 

Frank Liedtke, Sprecher am Arbeitsgericht Leipzig, bestätigte, dass drei Verfahren gegen Isoproject anhängig seien. Der Fall des 23-jährigen Logistikers wurde am 6. Februar verhandelt, und er hat Recht bekommen. Geld aber hat er noch immer nicht gesehen. Die Frist für die Zahlung des Lohnes sei am Freitag, dem 20. Februar, verstrichen.

 

Auf die Frage nach Referenzen und anhängigen Gerichtsverfahren erklärte Manfred Bares gestern, dass er die Dokumente innerhalb von zwei Tagen dieser Zeitung zur Verfügung stellen werde. Dass die Unterlagen schnellstmöglich gebraucht werden, darauf hat er nicht geantwortet. Dafür landete gestern eine E-Mail von Manfred Bares in der Redaktion: "Gegen mich laufen keinerlei Ermittlungen oder strafrechtliche Verfahren. Sollten ehemalige Mitarbeiter das behaupten, werde ich mich zu wehren wissen. Die Behauptung, das Isoprojects Deutschland GmbH bei anderen Firmen Schulden hätte, ist eine falsche Behauptung." Tatsache sei, dass - an dieser Stelle werden zwei Namen von ehemaligen Mitarbeitern genannt - diese gemeinsam oder auch alleine Aufträge erteilt hätten, wozu sie nicht bevollmächtigt gewesen seien. "Diesbezüglich lassen wir gerade ein Ermittlungsverfahren durch unseren Anwalt einleiten", so Bares. In diesem Schreiben droht er auch: "Ihnen beziehungsweise Ihrer Zeitung liegt ein Schreiben von meinem Anwalt vor: Sollte negativ über meine Person und/oder über unsere Firmen vorsätzlich falsche Tatsachen verbreitet werden, werden wir klagen."

 

© Kommentar

Gabi Liebegall

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