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Region Oschatz: Tiere gehören nicht unter den Weihnachtsbaum

Tiere Region Oschatz: Tiere gehören nicht unter den Weihnachtsbaum

Tierheime und Tierärzte warnen davor, Haustiere zu verschenken. Auch wenn anfangs die Freude noch groß sein mag, ändert sich dies oft, sobald der Alltag wieder einkehrt. Denn ein Tier zu besitzen kostet auch Zeit und Geld, womit viele Menschen anfangs gar nicht rechnen. Eine Anschaffung sollte genaustens überlegt werden.

Jack-Russell-Dame Snoopy packt ihre Geschenke aus.

Quelle: Kristin Engel / TZ-Archiv

Oschatz. „Tiere gehören nicht unter den Weihnachtsbaum.“ Eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Doch noch immer gibt es Menschen, die sich nicht daran halten. Natürlich kann es auch gut gehen. Doch nicht alle Geschichten enden wie die von Susi und Strolch: Der kleine Hund lag im Karton unter dem Weihnachtsbaum und lebte später sogar mit Hundemann und Kindern glücklich bis ans Lebensende bei seinem Herrchen.

Im wahren Leben interessieren sich die Beschenkten oftmals früher oder später nicht mehr für das unüberlegte Geschenk, verlieren das Interesse oder es ist ihnen einfach zu viel Arbeit, Zeit und Geld. „Alle Jahre wieder... Ich denke, dass es nicht nur mit Weihnachten zu tun hat, dass sich Leute ein Haustier anschaffen, ohne sich groß darüber zu informieren, welche Bedürfnisse jedes einzelne Haustier hat. Ob Hund, Katze, Hamster, Vogel – das ist völlig egal. Es macht alles auf seine Art Arbeit. Ein Tier mehr, das andere weniger. Da sollte man sich vorher wirklich Gedanken machen“, weiß Hundebesitzerin Manuela Michel aus Dahlen.

Aus einem Hamster wurde eine Hamsterei

Sie selbst kennt das nur zu gut. „Gerade die Eltern sind ja dann immer schnell dabei, wenn die Kinder betteln. Ich hab’ das ja früher auch geschafft. Und schon hatte ich einen Hamster, dann hatte ich noch einen Hamster und schon hatte ich eine Hamsterei, weil Mutti sich einfach nicht informiert hat, dass Hamster Einzelgänger sind. Schließlich mussten wir sie einzeln sperren, da die Tierchen ja auch Kinder gekriegt haben. Das war ja für mich als Knirps alles ganz niedlich. Aber ich war auch ein einfühlsames Kind, das keine Dummheiten mit den Tierchen angestellt hat. Ich wünsche mir, dass Eltern sich informieren und wenn die Kinder noch nicht alt genug sind für Haustiere, ihnen auch keins kaufen. Es geht nicht, dass man da nicht mit hin guckt. Es gibt sicher viele Tiere, denen es nicht gut geht, auch wenn sie etwas zu Essen und Trinken bekommen. Zum Beispiel weil den Kindern nicht gesagt wird, dass ein Hamster tagsüber schläft, wie man Tiere zu behandeln hat und dass das Kind damit nicht machen kann, was es will. Da hapert es bei ganz vielen.“

Jede Anschaffung muss wohl überlegt sein. Tiere sind keine Wegwerfware, betont die mobile Tierärztin Eileen Heinrich, die nicht nur in der Region Torgau, sondern auch – wenn sie gerufen wird – in der Nähe von Oschatz unterwegs ist. „Gute Informationen bekommt man nicht unbedingt über das Internet. Die Tierärzteschaft steht hier beratend zur Seite. Auch wenn die Weihnachtszeit voller Liebe und Gefühl steckt, sollte man den gesunden Menschenverstand nicht ausschalten. Eine späte Reue kommt immer mal wieder vor. Ich hatte eine hochschwangere Kundin, die bereits zwei Kinder hat und sich unbedingt noch eine kleine Katze vom Bauernhof anschaffen musste. Da die Miez sehr lebhaft ist, war die Frau überfordert und sperrte das Tier im Keller ein. Nun hat die Katze ein neues Zuhause und ich hoffe, dass sie da jetzt ein schönes Leben hat“, berichtet sie aus ihren Erfahrungen.

Die Tiere können auch mal krank werden

Die Tierärztin könnte noch mehr solcher Geschichten erzählen. Jeder solle sich im Vorfeld genau überlegen, ob man diese Verantwortung übernimmt. „Natürlich kann es auch gut gehen. Doch oft kommen die Probleme erst später. Denn man muss auch die Kosten kalkulieren. Eine Katze holen kostet ja nichts. Doch nur mit Futter ist es nicht getan. Das Tier kann auch mal krank werden. Und im Alter brauchen die Tiere viel mehr Betreuung und zum Teil auch Medikamente“, so Eileen Heinrich.

Zum Glück sei die Zahl der abgegebenen „Weihnachtsgeschenke“ zumindest im Tierheim Ostrau nicht mehr so groß, bestätigt Tierpflegerin Yvonne Jasinski. „Es kommt mir so vor, dass viele Leute heutzutage doch mehr überlegen und Tiere nicht mehr verschenken. Wenn jemand ins Heim kommt und sagt: ,Wir wollen Oma eine Katze schenken’, sagten wir, dass sie die Oma bitte erst mit hier her bringen sollen. Da ist es egal, ob es Weihnachten oder der Geburtstag ist. Solche Fälle sind bei uns zum Glück eher selten, doch das haben wir natürlich auch schon erlebt. Die meisten Haustiere werden zwischen zehn und 15 Jahre alt. Gerade Hunde brauchen auch Beschäftigung.“

Das weiß auch der Oschatzer Hundebesitzer Dieter Ahrens aus Erfahrung. „Natürlich sind die Tiere, wenn sie noch klein sind, sehr niedlich. Doch sobald das tägliche Leben einzieht, sieht es bei vielen plötzlich ganz anders aus. Denn man muss immer für das Tier da sein. Man hat Verantwortung und Verpflichtung, daher sollte kein Tier unüberlegt unter den Weihnachtsbaum gelegt werden.“ Auch er kennt einige Geschichten darüber, dass die Tiere zu Weihnachten geschenkt wurden und in den nächsten Sommerferien dann ausgesetzt oder ins Tierheim gebracht werden.

„Für diejenigen, die für ihr Haustier in der Urlaubszeit eine Unterkunft brauchen, bietet das Tierheim Ostrau auch Pensionen an. Das sagen wir auch immer, wenn wir ein Tier vermitteln. Dieses Angebot wird von den Tierbesitzern sehr gut angenommen“, so die Tierpflegerin Yvonne Jasinski.

Von Kristin Engel

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