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Retter von St. Aegidien übernimmt Vereinsführung

Neuer Vorstand im Jubiläumsjahr Retter von St. Aegidien übernimmt Vereinsführung

Der Verein „Rettet St. Aegidien“ hat einen neuen Vorsitzenden: Berthold Zehme löst Dieter Köhncke an der Spitze ab. Seit 25 Jahren sammeln die Mitglieder spenden für die Sanierung des Oschatzer Wahrzeichens schlechthin. Im Jubiläumsjahr gibt neben dem Wechsel an der Spitze weitere Veränderungen.

Ulrich Uhlitzsch beendet nach zehn Jahren seine Aufgabe als hauptamtlicher Türmer:

Quelle: Foto: Dirk Hunger

Oschatz. Berthold Zehme ist neuer Vorsitzender des Vereins „Rettet St. Aegidien“. Der Pfarrer in Ruhe aus Oschatz löst damit den Mügelner Dieter Köhncke ab, der Platz machte, um den Vorstand zu verjüngen. Dieses Ziel ist nur zum Teil gelungen. Außerdem schied mit Gudrun Kohlbach die langjährige Schatzmeisterin aus dem Vorstand aus. Die jüngste Jahreshauptversammlung, auf der diese Entscheidungen fielen, war damit auch ein Rückblick der langjährigen Verantwortungsträger auf ein Vierteljahrhundert Vereins- und Baugeschichte rund um das Oschatzer Wahrzeichen schlechthin, die St. Aegidienkirche mit ihrer liebevoll eingerichteten Türmerwohnung.

Alte und neue Vorstandmitglieder vereint (vl)

Alte und neue Vorstandmitglieder vereint (v.l.): Jürgen Mühlberg, Simone Schäfer, Andrea Albrecht, Gudrun Kohlbach, Gerald Polster, Dieter Köhncke, Berthold Zehme.

Quelle: Dirk Hunger

Dass es dieses Kleinod gibt, überhaupt, dass die Kirche mit ihren beiden Türmen noch steht, das ist dem einzigartigen Engagement der Vereinsmitglieder und des Türmerteams zu verdanken. Über drei Millionen Euro hat der Verein in 25 Jahren für die Sanierung des Gotteshauses aufgebracht – obwohl es anfangs so aussah, als müssten die Türmer abgetragen werden. So wie die Kirche zwei markante Türme hat, so hatte der Verein viele Jahre eine markante Doppelspitze: Dieter Köhncke, stets im Hintergrund agierend und Berthold Zehme, neben dem Türmer das Gesicht des Vereins nach außen. Beide vereinten das notwendige Risiko und das erforderliche Gottvertrauen in diese Aufgabe – und sie gelang ihnen.

„Anfangs sind wir für verrückt erklärt worden, ob unseres Vorhabens, die Kirche erhalten zu wollen“, erinnerte sich Köhncke in seiner letzten Rede als Vorsitzender. Heute schaue man in Großstädten wie Leipzig und Dresden mit Respekt und auch ein wenig Neid auf das, was an der Döllnitz geschaffen wurde, ergänzte Berthold Zehme. Die Aufgabe, den Verein zu führen, sei zweieinhalb Jahrzehnte lang „anspruchsvoll, interessant, schön, aber auch belastend“ gewesen, resümierte Dieter Köhncke. Der 75-Jährige lobte die Zusammenarbeit mit Gudrun Kohlbach (80) als „erfrischend“.

Frischen Wind in den Vorstand brachten die Neuwahlen. Neben Berthold Zehme als Vorsitzendem fungieren künftig Jürgen Mühlberg als 1.Stellvertreter und Gerald Polster als 2. Stellvertreter. Simone Schäfer ist neue Schatzmeisterin, Andrea Albrecht Schriftführerin. Als berufener und beratender Vertreter der Kirchgemeinde bleibt dem Vorstand der Pfarrer Christof Jochem erhalten.

Die Zäsur im Vorstand geht einher mit weiteren Veränderungen. So wurde nach Diskussion im alten Vorstand entschlossen, das Eintrittsgeld für die erwachsenen Besucher der Türmerstube künftig von 1,50 Euro auf zwei Euro zu erhöhen. Grund dafür ist, dass der hauptamtliche Türmer nach Einführung des Mindestlohns mit 8,50 Euro pro Stunde zu entlohnen ist. Am Eintrittspreis für Kinder (50 Cent) werde nicht gerüttelt. Der Mann, der bisher als „Aushängeschild“ symbolisch für das gesamte, fast 40 Köpfe umfassende Türmer-Team die meiste Zeit im Südturm verbrachte, gibt dieses Amt nach knapp zehn Jahren ab. Ulrich Uhlitzsch zieht sich aus gesundheitlichen Gründen zurück, sein Nachfolger wird Alexander Nitzsche. Wichtig sei, dass die ehrenamtlichen Türmer weiterhin an einem Strang ziehen. „Wir sind wie eine Kette mit vielen Gliedern. Da kommt es auf jeden einzelnen an.“ Die Türmer suchen jungen Nachwuchs, das Durchschnittsalter liegt bei 61 Jahren.

Von Christian Kunze

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