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Oschatz Ringe und Taufe für Jungstorch Mampfred und seine Geschwister
Region Oschatz Ringe und Taufe für Jungstorch Mampfred und seine Geschwister
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16:29 11.06.2018
Gunter Schwerdtner, Hans-Jürgen Höhne, Bernhard Sommer und Steffen Müller (von links) bei der Storchenberingung. Video: Christian Neffe Quelle: Foto: Sven Bartsch
Mügeln

Noch immer steht der Storch auf der roten Liste gefährdeter Tierarten. Umso dringender ist es deshalb, dass der Mensch den Großvögeln nicht nur artgerechte Nistplätze bereitstellt, sondern auch ihren Bestand dauerhaft erfasst.

Die Stadt Mügeln erweist sich in dieser Hinsicht als Musterbeispiel: Jetzt wurden hier die vier Jungstörche beringt, die derzeit auf dem alten Schornstein der Varia Color heranwachsen.

Professioneller Beringer wird durch örtlicher Feuerwehr unterstützt

Organisiert wurde diese Beringung unter anderem vom Mügelner Storchenbeauftragten Bernhard Sommer, Schornsteinfegermeister Hans-Jürgen Höhne und Heimatmuseumsleiter Andreas Lobe. Die Durchführung übernahm der langjährige Storchen-Beringer Steffen Müller aus Colditz, tatkräftige Unterstützung kam von den Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Mügeln.

Die hob ihren Wehrleiter Ingo Fischer und weitere Kameraden per Drehleiter in luftige Höhen, wo die Jungtiere aus dem Nest genommen und in einem Korb nach unten befördert wurden. Dort angekommen, klemmte Steffen Müller dem Nachwuchs jeweils einen Metallring ums Bein. Nach wenigen Minuten ging es bereits wieder zurück ins Nest.

Störche wurden getauft – Nesthäkchen heißt Mampfred

Die Gelegenheit wurde zugleich zur Namenstaufe der Tiere genutzt. Die Vorschläge dafür kamen von den Kindern der Mügelner Kita Sonnenblume, per Losverfahren wurde über die Auswahl entschieden. Die Gewinner: Alicia, Brut und Lilli. Storch Nummer vier wurde Mampfred getauft. „Der muss seinem Namen aber erst noch gerecht werden und ordentlich mampfen“, sagte Andreas Lobe im Hinblick auf die eher schmächtige Statur des Nesthäkchens.

„Bis auf Mampfred sehen alle ganz propper aus“, konstatierte Steffen Müller. Der Colditzer ist seit 40 Jahren im Großraum Leipzig unterwegs, um im Auftrag der Kontrollwarte in Hiddensee Störche zu beringen. Das sei sowohl für die Populationskontrolle als auch für die Analyse des Zugverhaltens der Tiere wichtig.

Beringer liefert Daten für Untersuchungen, wird aber nicht unterstützt

„Ich mache das alles privat, weils mir einfach Spaß macht. Vor allem, wenn wie hier Kinder dabei sind“, so der 57-Jährige. Früher habe er sich auch um Turmfalken und Schleiereulen gekümmert. Doch da er vieles aus eigener Tasche zahlen müsse, beschränke er sich seit einigen Jahren nur noch auf die Störche.

Es fehle einfach an finanzieller Unterstützung, was in Anbetracht des aktuellen Populationsschwundes vieler Vogelarten umso schlimmer sei. Schließlich liefern Müller und seine Kollegen erst das Datenmaterial, auf dessen Grundlage größere Untersuchungen möglich sind.

Vier Mügelner Jungstörche werden von Steffen Müller beringt.

Schwierig sei auch die Nachwuchsgewinnung: Es fänden sich heute kaum noch junge Leute, die die Beringung übernehmen wollen, obwohl die Voraussetzungen dafür heute deutlich lockerer sind als in früheren Zeiten.

Trockenheit und schwere Gewitter machen Jungstörchen zu schaffen

Aus Müller spricht ein gewisser Frust – der aber verfliegt, sobald es wieder um die Tiere geht. Seit Jahren kommt er gern nach Mügeln, wegen der guten Zusammenarbeit mit Höhne, Lobe und Sommer. Sorgen bereitet ihm indes die Wetterlage. „Die Trockenheit macht gerade den Jungstörchen zu schaffen, da die Eltern dann kaum Regenwürmer finden.“

Zugleich räumt Müller mit einem alten Mythos auf: „Die Leute denken bei Störchen immer nur an Frösche, dabei ernähren sie sich viel von Schlangen und Mäusen.“ Auch hier gibt es Probleme: Bei letzteren befände sich die Population derzeit auf einem zyklisch bedingten Tiefstand.

Nicht zuletzt bereitet Mampfred dem Colditzer Unbehagen: „Sein Federkleid besteht noch aus Dunen. Wenn jetzt ein großer Regenschauer kommt, saugt sich das Gefieder voll wie ein Handtuch.“ Doch obwohl am Wochenende genau das geschah, hatte das Nesthäkchen Glück: Wie „bei Storchen-TV“, dem Internet-Livestream des Heimatvereins mit Blick ins Storchennest, zu sehen ist, sind alle vier Jungtiere wohl auf.

www.sachsenstorch.de

Von Christian Neffe

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