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Rollt die Döllnitzbahn bald über recycelte Joghurtbecher?

Kunststoff-Schwellen Rollt die Döllnitzbahn bald über recycelte Joghurtbecher?

Holz, Stahl und Beton als Schwellen für die Eisenbahn – das war gestern. Heute ist Kunststoff angesagt. Auch die Döllnitzbahn könnte schon bald über recycelte Joghurtbecher und andere Lebensmittelverpackungen rollen, die vorher im gelben Sack gelandet sind.

Die Döllnitzbahn könnet schon bald über Kunststoff-Schwellen rollen.

Quelle: Privat

Oschatz/Annaberg-Buchholz. Noch sind die Kunststoff-Schwellen allerdings teurer als die aus Holz oder Beton. "Das ist auf jeden Fall eine Option für die Zukunft. Derzeit können wir uns das aber nicht leisten", sagt Lutz Haschke, Prokurist der Döllnitzbahn.

Dabei war die Döllnitzbahn schon vor neun Jahren fast so weit. Im Gleisabschnitt, der das Gelände der Landesgartenschau in Oschatz tangierte, sollten die alten Holzschwellen durch Kunststoff ersetzt werden. "Der Hersteller war aber damals nicht in der Lage, kurzfristig zu liefern", erläutert Haschke den Grund, warum aus diesem Vorhaben im Jahr 2006 nichts geworden ist."

Mittlerweile gibt es dieses Problem nicht mehr, die Firma Relumat aus Großrückerswalde im Erzgebirge liefert Kunststoff-Schwellen, die nach Angaben des Herstellers zu 100 Prozent aus Plastikmüll hergestellt werden. Bei der Schmalspurbahn Lößnitzdackel, die zwischen Radeburg und Radebeul dampft, zieht nun Hightech ein. Nach und nach werden hier die guten alten Holzschwelle ersetzt.

"Wir werden bei unseren planmäßigen Gleisbauarbeiten auf der Lößnitzgrundbahn vom 2. bis 20. November vorrangig, aber nicht ausschließlich dort, verbrauchte Holzschwellen durch 1000 Stück Kunststoffschwellen Relumat 2000 ersetzen. Wir setzen auf deren Vorzüge, sie gelten als wartungs- und verrottungsfrei, sind ökologisch unbedenklich und beständig gegen Eis, Schnee, Öle, Fette sowie Schädlinge.", erklärt Mirko Froß, der Eisenbahnbetriebsleiter der Sächsischen Dampfeisenbahngesellschaft SDG. Die SDG hat ihren Sitz in Annaberg-Buchholz. "Auch bei Reparaturarbeiten am Gleis der Weißeritztalbahn", ergänzt Froß, "haben wir bereits 400 Stück dieser neuen Schwellenbauart eingesetzt. In Brandversuchen haben wir uns sogar von der Feuerfestigkeit dieser Schwellen überzeugen können. Dies ist beim täglichen Dampflokbetrieb einfach eine Grundvoraussetzung." Auch für den Wiederaufbau des Streckenabschnittes Dippoldiswalde-Kipsdorf im kommenden Jahr sei die Verwendung von Kunststoffschwellen geplant, fügt der Betriebsleiter hinzu.

Holzschwellen haben sich bei den Eisenbahnen in aller Welt über einen Zeitraum von mehr als 100 Jahren gut bewährt, schon weil der Werkstoff Holz weltweit nahezu überall verfügbar und folglich auch preisgünstig war. Allerdings hapert es mit der Umweltverträglichkeit der zum Schutz vor Nässe, Schimmel und Schädlingen mit Kreosot getränkten Holzschwellen. Kreosot ist ein vorrangig aus Kohlenteer gewonnenes Stoffgemisch. Es gilt als krebserregend. Fachleute rechnen damit, dass es 2018 zu einem Verwendungsverbot für Kreosot kommt.

Auch die Dresdner Verkehrsbetriebe DVB setzen die neue Schwellenart ein. Laut Roland Ende, DVB-Bereichsleiter Gleisinstandsetzung, wurden bereits im Jahr 2003 insgesamt 20 Kunststoffschwellen in das Straßenbahngleis in Prohlis eingebaut. "Das hat sich bewährt, inzwischen haben wir mehr als 400 dieser Schwellen an verschiedenen Stellen in unserem Gleisnetz verlegt."

Selbst bei der Dresdner Parkeisenbahn kann der aufmerksame Besucher im Bereich des Bahnüberganges an der Hauptallee inzwischen Kunststoffschwellen entdecken.

Bei der Döllnitzbahn sind laut Prokurist Haschke im Vorjahr auf einem 2,5 Kilometer langen Gleisabschnitt zwischen Mügeln und Glossen marode Schwellen ersetzt worden - durch Holzschwellen. In diesem Jahr gehen die Arbeiten zwischen dem Mügelner Bahnhof und Naundorf weiter. Sobald die Döllnitzbahn sich den Einsatz von Kunststoffschwellen leisten kann, will Haschke zuschlagen. "Langfristig gedacht, lohnt sich diese Investition. Denn die Kunststoff-Schwellen halten länger. Und das Ganze ist auch noch gut für die Umwelt."

Frank Hörügel und Peter Weckbrodt

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