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Oschatz Rucksackbande schlägt auf dem Oschatzer Bahnhof zu
Region Oschatz Rucksackbande schlägt auf dem Oschatzer Bahnhof zu
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17:56 23.04.2015
Oschatz

Von Gabi Liebegall

Es geht um Diebstahl. Einer 20-Jährigen ist am 17. Oktober des vergangenen Jahres im Zug von Dresden nach Leipzig der Rucksack gestohlen worden. Der Schaden beläuft sich auf rund 600 Euro.

Im Gerichtssaal anwesend sind der Richter Karsten Arnold, Staatsanwalt Steffen Barthel, die 20-jährige Geschädigte und ein Dolmetscher. Nur einer fehlt - und das ist der Beschuldigte.

Richter Karsten Arnold schlägt vor, die "akademische Viertelstunde" zu warten, denn der Angeklagte könne sich ja unverschuldet verspäten, zum Beispiel in einen Stau geraten sein. Aber er kommt nicht.

Karsten Arnold schildert noch einmal kurz, wie sich die Straftat am 17. Oktober 2014 zugetragen haben soll. Der Angeklagte habe beim Aussteigen aus dem Zug in Oschatz den Rucksack der jungen Frau einfach mitgehen lassen. Sie sei Auszubildende und auf der Fahrt von Dresden nach Leipzig gewesen. Im Rucksack habe sie all ihre Habseligkeiten für eine Woche Lehre gehabt: Bekleidung, Unterlagen, Dokumenten und mehr. "Eben das, was man für eine Woche Ausbildung braucht", erklärt Richter Arnold. Und er betont, es sei ein sehr wertvoller Rucksack gewesen.

Dass der Rucksack der jungen Frau von einem südländischem Typ gestohlen wurde, zeigen Fotos aus der Überwachungskamera im Zug, die dem Richter vorliegen. Außerdem ist auf den Fotos zu sehen, dass zwei weitere Personen mit dem Angeklagten in Oschatz aussteigen. Weil das schon mehrmals passiert sei, "könnte davon ausgehen, dass es sich hier um eine bandenmäßige Vorgehensweise handelt, aber bewiesen ist das nicht", so Arnold.

Das Gericht stellt fest, dass der junge Mann, der in einem Heim in Dresden wohnen und dort auch gemeldet sein soll, für zwei weitere Straftaten verantwortlich sein soll. Er habe zweimal Waren im Gesamtwert von rund 100 Euro geklaut, lautet der Vorwurf.

In Absprache mit Staatsanwalt Steffen Barthel bildet der Richter eine Gesamtstrafe: 150 Tagessätze zu 13 Euro (gesamt: 1950 Euro). Der Strafbefehl wird dem Mann zugestellt. "Wenn er dem nicht nachkommt, muss er dafür 150 Tage in den Kahn", stellt Karsten Arnold unmissverständlich in Aussicht. Fakt sei, dass der Angeklagte gegen den Strafbefehl in Einspruch gehen könne.

Wie es in diesem Fall weiter geht, wird sich in etwa vier Wochen zeigen. Dann ist bekannt, ob der Beschuldigte in Einspruch gegangen ist oder nicht. Aber noch wichtiger ist, ob der Strafbefehl die betreffende Person überhaupt erreicht hat, ob die Adresse noch stimmt.

Am Ende der kurzen Sitzung legt der Richter dem 20-jährigem Opfer ans Herz, im Zug etwas besser auf die Sachen aufzupassen.

Die Auszubildende ist enttäuscht, weil der Angeklagte nicht zu der Verhandlung erschienen ist. Wenn sie an den Vorfall denkt, spürt sie heute noch den Schreck in den Knochen. "Ich möchte doch nur, dass er dafür bestraft wird", sagt sie im Gespräch mit der Oschatzer Allgemeinen.

Das Urteil ist gesprochen. Der Weg der 20-Jährigen nach Oschatz war nicht ganz umsonst, dafür der des Dolmetschers, der für seinen Aufwand aus der Staatskasse entschädigt wird.

Gabi Liebegall

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