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Rückblick zum Jubiläum: Wermsdorfer Wehr wird 125

Rückblick zum Jubiläum: Wermsdorfer Wehr wird 125

Große Fahrzeuge haben seit jeher ihren Platz an der Straße Hinter den Gütern in Wermsdorf. Wo einst Busse parkten, stehen heute die Fahrzeuge der freiwilligen Feuerwehr - und das sogar unter dem gleichen Dach.

Von Jana Brechlin

 

1973 überließ der Busunternehmer Erich Geppert seine Garage den Kameraden.

 

1890 fanden sich "30 angesehene Bürger" zusammen, um eine freiwillige Feuerwehr zu gründen. So hat es Schriftführerin Inge Käseberg in der Chronik der Helfer festgehalten. Am Sonnabend soll das 125-jährige Bestehen mit einem Aktionstag vor Schloss Hubertusburg gefeiert werden.

 

Für die Wermsdorfer Feuerwehrleute ist das ein Anlass, auf ihre Geschichte zurückzublicken. Das können auch Gäste und Passanten bei einem Spaziergang durch den Ort, denn auf der Clara-Zetkin-Straße haben Käsebergs ein Schaufenster ihres Haus mit historischen Fotos, alten Pokalen, Urkunden und kleineren Gegenständen dekoriert. "Das sorgt für Aufmerksamkeit", hat Inge Käseberg beobachtet, "es bleiben immer wieder Leute stehen, die auf den Bildern ihre Väter oder Großväter entdecken."

 

Heute ist die Wermsdorfer Wehr mit 32 aktiven Mitgliedern - 80 gibt es insgesamt - eine der größten in der Region, die zudem auf moderne Technik zurückgreifen kann. In ihren Anfängen wurde die Ausrüstung erst Stück für Stück zusammengestellt. Der Unterstützung der Gemeinde konnten sich die Brandschützer aber bereits vor 125 Jahren sicher sein: Jährlich gab es eine Finanzspritze von 100 Reichsmark, die zum Beispiel für Bekleidung gebraucht wurde, und dabei blieb es nicht: "Nötige größere Anschaffungen wie zum Beispiel eine Handdruckspritze wurden sofort durch die Gemeinde bezahlt", zitiert Inge Käseberg aus alten Dokumenten.

 

Mussten sich die Kameraden zunächst zu Fuß auf zum Einsatz machen oder zogen später mit einem Pferdefuhrwerk los, gehörte später ein Motormannschaftswagen vom Typ Dux zur Ausstattung. Später wechselten sich die LO ab, und heute stehen in der Garage ein Tanklöschfahrzeug TLF 16/25, ein Löschfahrzeug LF 8/6 sowie ein VW T4 als Einsatzleitwagen. Kopf der Helfer wurde 1890 Hauptmann Heinrich Stein, sein Stellvertreter war Hermann Pechfelder. Am längsten hatte Erich Hessel den Posten des Wehrleiters inne - nämlich ganze 18 Jahre von 1962 bis 1980. Ihm folgten bis 1990 Lothar Grundmann, bis 1992 Bernd Kozlowski und bis 2000 Hans Ziegert. Derzeit liegt die Wehrleitung in den Händen von Carsten Köhler, der am Hessel-Rekord kratzen könnte, denn Köhler ist immerhin auch schon seit 15 Jahren auf dem Chefposten der Wehr.

 

"Bis heute hat sich das Einsatzgeschehen in der Wehr verändert", weiß Inge Käseberg. Natürlich gebe es nach wie vor Brandeinsätze, aber verstärkt würden die Helfer zu technischen Hilfeleistungen bei Unfällen oder Unwettern gerufen. "Das verlangt von den Kameraden zum Teil eine sehr große Nervenstärke ab, etwa bei tragischen Verkehrsunfällen mit Todesfolge." Dann komme es auf den Zusammenhalt innerhalb der Wehr an: "Gemeinsame Gespräch helfen, das Erlebte besser zu verarbeiten."

 

In all den Jahren ihres Bestehens hat sich die Wermsdorfer Feuerwehr nicht nur als Helfer in der Not, sondern auch als wichtige Stütze im Gemeindeleben einen Namen gemacht. So sorgten die Mitglieder zu DDR-Zeiten Jahr für Jahr dafür, dass die Pferdeschwemme auf dem Gelände von Schloss Hubertusburg in Ordnung gehalten und winterfest gemacht wurde. Außerdem packten die Kameraden beim Bau des Teiches im Park des Alten Jagdschlosses mit an. Eine 1964 gegründete Feuerwehrkapelle - die seit 1995 eigenständig als Wermsdorfer Blasmusikanten firmiert - sorgte bei Feierlichkeiten und Umzügen für den passenden Ton.

 

Bis heute helfen die Brandschützer Veranstaltungen wie Horstseefischen, Maibaumstellen, Weihnachtsmarkt oder Schlössernacht mit abzusichern. Hinzu kommen eigene Feierlichkeiten oder Ausflüge. Dass dabei alles klappt, dafür sorgen oft auch die Frauen, die seit 1964 in einer eigenen Gruppe innerhalb der Wehr organisiert sind. Bis heute aktiv sei die im gleichen Jahr gegründete Jugendgruppe, auch wenn deren Arbeit wegen mangelnden Interesses und anderen Schwierigkeiten zwischendurch immer wieder zum Erliegen kam. "Aber jetzt sind die Jugendlichen wieder gut organisiert und werden durch die Familie Kirsten und Kamerad Stefan Köhler betreut", so Inge Käseberg erleichtert. Erleichtert sind auch Wehrleiter Carsten Köhler und Stellvertreter Claus Käseberg. Schließlich lässt eine rege Jugendwehr auf Nachwuchs für die aktive Gruppe hoffen. Denn die Mitgliederzahlen dort schwanken - wie bei den meisten anderen Wehren auch, weil Kameraden durch den Beruf stark eingespannt sind, umziehen müssen und so Zeit oder manchmal schlicht auch das Interesse fehlen.

 

Werbung für das Engagement bei den Helfern soll auch das Jubiläumsfest am Sonnabend vor Schloss Hubertusburg sein. Was zur Feuerwehrarbeit gestern und heute gehört, kann dort von 10 bis 17 Uhr bei einer Technikschau besichtigt werden. Außerdem gibt es ein Unterhaltungs- und Aktionsprogramm für Kinder und Erwachsene, Rundfahrten, Wissenstests, Live-Musik und eine große Tombola.

 

Und Schriftführerin Inge Käseberg wird auch diesen Tag für die Chronik der Wehr festhalten. Mittlerweile füllen die Aufzeichnungen und Bilder aus 125 Jahren 13 Ordner, und damit ist noch lange nicht Schluss: "Ich hab die Kamera immer dabei und schreib alles auf", versichert die Schriftführerin.

Brechlin, Jana

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