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Sachsen braucht mehr junge Leute in der Landwirtschaft

Sachsen braucht mehr junge Leute in der Landwirtschaft

Grün ist für Thomas Thiele die schönste Farbe. Auf zu vielen der Flächen vom Harthaer Kreuz bis an die Grenze zu Leisnig, die unter seiner Aufsicht stehen, fehlt sie in diesem Jahr leider.

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Der kalte und schneelose Winter hat einige Schäden auf den Feldern rund um Hartha hinterlassen. Pflanzenbauleiter Thomas Thiele versucht, sie zu beheben. Junge Menschen, die sich wie er, in "Grüne Berufe" begeben, gibt es in Sachsen immer weniger.

Quelle: Wolfgang Sens

Hartha. "Das ist mein Betrieb", sagt Thomas Thiele und zeigt auf den Bildschirm seines Computers. Blaue, gelbe, rote und allerlei anders farbige Flächen leuchten auf. Winterweizen, Hopfen, Winterraps, all das ist in der interaktiven Karte verzeichnet, die Thiele geöffnet hat. "Wer in der Landwirtschaft arbeitet, sollte auch mit Computern umgehen können." Den Überblick über Düngemitteleinsatz und Ernteerfolge zu behalten und zu dokumentieren, ist das eine. "Mein Hauptbüro hat vier Räder", lacht der junge Landwirt und bittet zu einer Fahrt durch seine Arbeitsstelle.

Nur wenige Kilometer von seinem Betrieb, der Gersdorfer Agrarproduktion- und Handelsgenossenschaft, macht er halt. "80 Doppelzentner Weizen könnten wir normalerweise auf einen Hektar ernten", erklärt er. "In diesem Jahr hoffen wir wenigstens auf die Hälfte." An vielen anderen Flächen zeigt sich ein ähnliches Bild: komplett braune oder bräunlich durchzogene Flächen, statt grüner Pflänzchen. Thomas Thiele ist ständig in Bewegung. Um mit der Natur mitzuhalten und Einfluss auf sie nehmen zu können. "Krankheiten müssen bekämpft und die Pflanzen vor Insekten geschützt werden." Mit diesem Ziel ist Thiele, vor allem in den Monaten ab März, oft zwölf Stunden am Tag im Einsatz. Wo genau der Weizen umgebrochen werden, Rasen gesät oder gedüngt werden muss, koordiniert der junge und ausgeglichen wirkende Mann. Sieben Mitarbeiter sind ihm unterstellt. Hin und wieder steigt er auch selbst auf den hochtechnologisierten Traktor - der beispielsweise das Düngerausfahren über GPS kontrolliert. Den Bordcomputer zu bedienen, hat er während seiner Ausbildung in einem Betrieb bei Oschatz gelernt. Anschließend wollte Thiele immer mehr. Holte sein Fachabitur nach, machte den "Bachelor of Engineering" und inzwischen den Master, per Fernstudium. Sich alle Chancen im Unternehmen offen halten, ist seine Motivation.

Das Leben mit und in der Natur macht für ihn den Reiz aus. Aus der zunächst naheliegenden Entscheidung, den Beruf seines Vaters zu ergreifen, ist eine feste Überzeugung geworden: "Wenn gesät und Schädlinge erfolgreich bekämpft wurden, wenn ein kleines Pflänzchen den vollen Ertrag gebracht hat, das ist der Punkt, an dem ich mich erfreuen kann", sagt der Harthaer, der sich bei seinen Entscheidungen zum Teil noch auf sein Bauchgefühl verlassen muss. Als es an einem grün strahlenden Rapsfeld vorbeigeht, hat der junge Landwirt Gewissheit: Alles richtig gemacht, sagt sein Lächeln.

 

 

Mehr junge Menschen, die sich in landwirtschaftliche Berufe trauen, würde sich das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie wünschen. Einfluss auf die eingebrochenen Ausbildungszahlen in der Agrarbranche Sachsens habe unter anderem die demografische Entwicklung, wie Sprecherin Karin Bernhardt erklärt. Unter dem Stichwort "Grüne Berufe" hat das Landesamt vor kurzem eine Broschüre rausgegeben, die die einzelnen Berufsfelder samt ihrer Perspektiven vorstellt. "In der Ausbildung gibt es viele Abbrecher", erklärt Karin Bernhardt. "Um heute Pflanzenschutzmittel richtig einzusetzen, muss man kalkulieren können und etwas von Pflanzenkunde verstehen", sagt Bernhardt. "Viele wissen nicht, dass der Arbeitsplatz in der Landwirtschaft aufgrund der Technologisierung mit etwa 280 000 Euro einer der teuersten überhaupt ist. Entsprechend hoch sind die Anforderungen und die Verantwortung der Beschäftigten."kas

 

 

Katharina Schultz

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