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Oschatz Sachsens Melk-König Danilo Paul legt im Leubener Stall selbst Hand an
Region Oschatz Sachsens Melk-König Danilo Paul legt im Leubener Stall selbst Hand an
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06:01 28.03.2018
Sachsens bester Handmelker Danilo Paul von der Agrargenossenschaft Naundorf-Niedergoseln eG Quelle: kristin engel
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Leuben

Das Handmelken nennt sich auch die Königsdisziplin. Und trotzdem beherrscht heutzutage kaum noch jemand diese Technik“, sagt Danilo Paul, Oberschichtleiter in der Milchviehanlage der Agrargenossenschaft Naundorf-Niedergoseln. Er kann es: Beim 14. Landesmelkwettbewerb in der Kategorie „Handmelken“ belegte Paul den ersten Platz.

Sachsens Berufsnachwuchs ist gut aufgestellt

Auf dem Lehr- und Versuchsgut Köllitsch wurden die Gewinner in den fünf Kategorien Fischgrätenmelkstand 1 und 2, Karussellmelkstand 1 und 2 sowie dem Handmelken Anfang März bei der Siegerehrung ausgezeichnet. Auch der Schirmherr des Wettbewerbes, Sachsens Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt (CDU), freut sich über die Ergebnisse: „Sachsens Berufsnachwuchs ist gut aufgestellt und für seine künftigen Aufgaben bestens vorbereitet.

Nur gut ausgebildete Fachkräfte können die hohen Anforderungen an die Qualität der Milch sowie in Sachen Tiergesundheit und Tierwohl erfüllen. Ihr hohes Fachwissen haben die Teilnehmer unter Beweis gestellt.“

Doch das Handmelken sei eine „fast ausgestorbene Geschichte“, sagt Danilo Paul ein wenig enttäuscht. „Obwohl es fest in der Grundausbildung verankert sein sollte, ist es in keinem Ausbildungsplan mehr enthalten. Es wurde bereits vor einigen Jahren aus dem Lehrplan gestrichen.“ Als er seine Ausbildung in den Jahren 1986 bis 1988 absolvierte, sah das noch ganz anders aus.

Zu dieser Zeit was das Handmelken sogar Prüfungsfach. Dabei ist das Wissen darüber oft sehr nützlich. Ein Beispiel: „Ein Kalb benötigt bis drei Stunden nach der Geburt etwa drei Liter Milch zum Trinken. Ehe ich die Maschine hole, geht es viel schneller, mir einen Eimer zu schnappen und die Milch mit der Hand zu gewinnen.“

Sachsens bester Handmelker Danilo Paul von der Agrargenossenschaft Naundorf-Niedergoseln beherrscht die Technik perfekt. Quelle: kristin engel

Die Kälbchen kommen nach ihrer Geburt bereits zu den anderen Kälbern, werden jedoch mit Milch von der Mutter versorgt. „Im Zuge der Technologisierung muss immer schneller gemolken werden. Das Handmelken verliert immer mehr an Bedeutung. Diese Technik wird nur noch für die Vormelkprodukte genutzt. Das bedeutet um zu sehen, ob das Milchsekret in Ordnung ist, damit die Milch auch in den Handel kann. Wenn es jemanden bei uns gäbe, der das Handmelken erlernen möchte, wäre es kein Problem, ihm das beizubringen. Doch man muss dazu auch Ausdauer haben. Mit der heutigen Technik wurde das Handmelken nach und nach überflüssig.“

Nur vier Melker fürs Leistungsmelken qualifiziert

Es gäbe nur noch wenige Handmelker in Sachsen. Zumindest nur vier, die sich durch das Leistungsmelken in den regionalen Wettbewerben qualifiziert haben. Alle zwei Jahre findet der Landesmelkwettbewerb statt. „Im vorherigen Jahr konnte ich aus gesundheitlichen Gründen nicht teilnehmen. Zuvor habe ich im Wettbewerb der Kategorie Handmelken immer den ersten Platz belegt. Somit war natürlich auch dieses Jahr der Ansporn, es nach vorn zu schaffen“, so der 48-Jährige.

Das Besondere in diesem Jahr: den Titel „Sachsenmeister“ zu bekommen. Dieser fehlte ihm bisher noch. Einen noch höheren Rang kann man beim Handmelken nicht erlangen. 2019 kann man sich wieder für den Wettbewerb im Jahr 2020 qualifizieren. Auch hier wird Danilo Paul wahrscheinlich wieder dabei sein. „Für einen solchen Wettbewerb müssen die Veranstalter eine geeignete Kuh vorbereiten.

So geht das Melken automatisch: mit dem Melkroboter in Haßlau bei Döbeln

Das bedeutet, dass diese eine ordentliche Zitzenlänge besitzen und es gewohnt sein muss, auch mal etwas länger stehen zu bleiben. Der sogenannte Vormelker melkt die Kuh, um eine Norm festlegen zu können. Nach dieser muss sich im Wettbewerb gerichtet werden. Damals, während meiner Ausbildungszeit, war die Norm 1000 Milliliter Milch pro Minute. Da spielen jedoch ein paar Faktoren eine Rolle. Darunter die Melkbarkeit der Kuh, die Beschaffenheit der Euter und die Schließmuskel der Zitzen.“ Seit 2012 ist Danilo Paul aktiv beim Wettbewerb dabei. Er befürchtet jedoch, dass die Disziplin wegbrechen wird, sobald die letzten Handmelker nicht mehr teilnehmen können.

Zwei Mal am Tag gemolken

In der Milchviehanlage in Leuben werden die Kühe wie vorgeschrieben zwei Mal am Tag gemolken. Dafür kommen sie in das Melkkarussell. Hier können 60 Kühe zur gleichen Zeit gemolken werden. Bei rund 1400 Tieren kann sich dies einige Stunden hinziehen. „Da sich die Tiere beim Melken nicht mehr im Stall befinden, kann auch die Milch den Stallgeruch nicht annehmen. Hygiene ist sehr wichtig. Wir wollen gute Qualität liefern. Früher gab es natürlich andere Techniken. Zum Beispiel die Rohrmelkanlage.

Da ging der Melker noch mit der Melkmaschine von Kuh zu Kuh. Doch der Qualitätsanspruch wurde immer höher. Diesen zu liefern, ist im Stall einfach nicht möglich. Im Melkkarussell wird das Melkzeug an das Euter angehangen. Sobald kein Durchfluss von 200 Milliliter Milch pro Minute mehr besteht, geht die Maschine automatisch ab. Das ist für eine gute Eutergesundheit wichtig. Durch einen Dipproboter kurz vor dem Karussellausgang bekommen die Zitzen gleich noch eine Pflege verpasst, zur Abwehr von Umweltkeimen und Erhaltung der Eutergesundheit, bevor es für die Kühe zurück in die Anlage geht.“

Melkkarussell Milchviehanlage Agrargenossenschaft Naundorf-Niedergoseln. Quelle: Danilo Paul

Danilo Paul ist selbst kaum noch beim Melken. Vor allem das Handmelken ist für ihn nur noch ein Hobby geworden. Aufgrund seiner leitenden Position in der Milchviehanlage ist er für die Arbeitsplanung, die Produktionssicherheit und Tiergesundheitskontrolle zuständig. Das war nicht immer so.

Seine Ausbildung absolvierte er in Stockhausen, wohin er von der LPG Bockelwitz geschickt wurde. Im Anschluss daran ging es für ihn zur Armee, mit dem Plan, 1991 in Freiberg Rinderzucht zu studieren. Sein Studienplatz war ihm bereits sicher. Doch durch die Wende verkürzte sich seine Zeit bei der Armee, woraufhin er in Bockelwitz zu arbeiten begann. „1990 bekam ich von der Fachschule in Freiberg die Anfrage, ob ich bereits mit meinem Studium beginnen wollte. Doch zu dieser Zeit wusste ja niemand, was passiert. Ich hatte einen Beruf und Sicherheit. Das wollte ich nicht aufs Spiel setzen und lehnte ab. Aus heutiger Sicht hätte man bestimmt vieles anders gemacht“, erinnert er sich.

Als sich der Betrieb in Bockelwitz auflöste, ging es für ihn zur Agrargenossenschaft Polkenberg, später zum Landgut nach Westewitz. „Auch hier wurden beim Höhepunkt der Milchkrise 2009 die Kühe abgeschafft. Es gehört viel Enthusiasmus und Tierliebe dazu, wenn man in der Landwirtschaft arbeiten möchte. Die Chancen stehen aber auch gut, dass man im Beruf aufsteigen kann.“ Für den heutigen Oberschichtleiter war der Wechsel zur Agrargenossenschaft Naundorf-Niedergoseln eine große Umstellung. Westewitz besaß etwa 120 Kühe.

Sachsens bester Handmelker Danilo Paul . Quelle: kristin engel

In Leuben waren es gleich mal 1400. „Die Tiere bekommen fünf Mal in einer Schicht Futter. Auch das geschieht mittlerweile automatisch. Die Mitarbeiter sind in zwei Schichten eingeteilt. Die Frühschicht beginnt bereits halb 4. Nachdem die Futterkrippen geräumt wurden, geht das Melken los – etwa bis 10.30 Uhr. Etwa eine dreiviertel Stunde wird für die Reinigung des Karussells benötigt, halb 12 geht es für die Frühschicht nach Hause. Zur Spätschicht nochmal das gleiche Spiel.“

Kaum Zeit fürs Üben

Das ist der Alltag in der Milchviehanlage der Agrargenossenschaft Naundorf-Niedergoseln. Um sich hier im Handmelken zu üben, bleibt kaum Zeit. Dabei ist beim Wettbewerb die Praxis nur ein Teil der Prüfung. Denn der Endausscheid im Leistungsmelken besteht aus zwei Teilen. Der praktische Teil im Lehr- und Versuchsgut Köllitsch beinhaltete Fragen zur Fütterung, Tiergesundheit und Desinfektion. Im zweiten praktischen Teil konnten pro Tag zwei Teilnehmer in der Agrargenossenschaft Leschen ihr Können beim Handmelken zeigen. „Ich war froh über die Auszeichnung als Sachsenmeister. Auch wenn das Handmelken immer weiter ausstirbt, finde ich es wichtig, die Grundlagen zu beherrschen.“

Von kristin engel

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