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Oschatz Sächsisch als Weltbild: Uwe Steimle begeistert 460 Gäste in der Stadthalle Oschatz
Region Oschatz Sächsisch als Weltbild: Uwe Steimle begeistert 460 Gäste in der Stadthalle Oschatz
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17:08 24.11.2013
Quelle: Dirk Hunger

Der Dresdener mischt schonungsloses Abwatschen der Oberen mit Kindheitserinnerungen. Die Zeit vor 1989, als die "Kehre", wie Steimle die Wende nennt, kam, und die Gegenwart, fließen im Monolog des Blondschopfs ineinander. Das freie Assoziieren beherrscht der scharfzüngige Sachse wie kein zweiter. Sein eigener Begriff dafür, das "Synapsieren", macht ihn ebenso authentisch, wie das liebenswert-hemmungslose Analysieren unserer Zeit "frei nach Schnauze". Im Saal verstehen ihn alle, was bei Gastspielen in Düsseldorf oder anderswo "drüben" nicht der Fall sei. Steimle gibt "in der Bundesrepublik" gerne Nachhilfe in Sächsisch und DDR-Geschichte, denn "wer dumm geboren wurde, muss ja nicht auch noch blöde sterben".

Sympathisch machen den Kabarettisten seine Plädoyers für die Mundart. Für ihn ist Sächsisch eine Weltanschauung. "Wer Dialekt hat, hat Charakter und wer hochdeutsch spricht, ist mir suspekt", bekennt er. Seine Sprache solle man sich niemals nehmen lassen, denn das wäre so, als würde man einem Menschen das Rückgrat brechen. Ganz offensichtlich ist es Steimles Sprache, die ihm hilft, alles zu ertragen. Er bestreitet den Abend in Oschatz nur mit Stimme, Stuhl und Wasserglas. Seine Statements trägt er gelassen und gemütlich vor, dennoch sind sie entlarvend und kritisch. Diese Mischung ist es, die den Abend so großartig macht und dem Oschatzer Publikum die Lachtränen in die Augen treibt.

Am meisten spricht er in den zwei Stunden wohl das Wort "apropos" aus, um spielerisch von einem Thema zum anderen zu kommen. Doch sein Lieblingswort, das ist und bleibt "furchtbar" als Zustandsbeschreibung seines Umfeldes, wie sie nur ein scheinbar harmloser Humorist abliefern kann, der außer seiner Worte keine anderen Waffen hat. Wie stark diese sind, wird deutlich, als er über Christstollen philosophiert. Wunderbar detailverliebt benennt er dessen wichtigsten Bestandteil, die "Puderzuckerbutterkruste", und unterscheidet anhand der im Backwerk vorhandenen Anzahl an Rosinen zwischen "Flüsterstollen" und "Eisenbahnerstollen": Der eine hat so viele, dass sie eng aneinander liegend miteinander flüstern können, der andere so wenig, dass man nur bei jeder "Station", also jedem Happen, den man von der Scheibe abbeißt, eine isst.

"Wir lassen uns zu viel gefallen", sagt der Künstler mit Blick auf Hilfspakete für Pleitestaaten in Südeuropa, "die wir alle mitfinanzieren" und schlägt vor, dass Deutschland diese Länder überschrieben werden. Markant ist auch Steimles eigene Zeitrechnung: Spricht man seit 2001 weltweit von "vor und nach dem 11. September", so plädiert er für Dresden und Umgebung von der Zeit "vor der ersten Jahrhundertflut und nach der zweiten Jahrhundertflut". Er wünscht sich Mindestlohn für Politiker ("dann würde ich diesem Pack auch wieder glauben, was es sagt") und scheut nicht vor bitterböser Abrechnung mit dem sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich zurück, den er "nicht mal in der Pfeife rauchen" würde. Christian Kunze

Christian Kunze

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