Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 15 ° Regenschauer

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Sächsisch als Weltbild: Uwe Steimle begeistert 460 Gäste in der Stadthalle Oschatz

Sächsisch als Weltbild: Uwe Steimle begeistert 460 Gäste in der Stadthalle Oschatz

"Ein einziger Irrsinn" sei unser System 23 Jahre nach der Einheit geworden, sagt Uwe Steimle am Sonnabend in der Stadthalle. Diesem Zustand hält der Kabarettist kluge, kompromisslose, gewagte Kommentare entgegen.

Voriger Artikel
Oschatzer Chöre und Gasversorger verhelfen Freizeitzentrum zu Zuschuss für Naturprojekt
Nächster Artikel
Vorfreude aufs Paradies in Waldheim
Quelle: Dirk Hunger

Der Dresdener mischt schonungsloses Abwatschen der Oberen mit Kindheitserinnerungen. Die Zeit vor 1989, als die "Kehre", wie Steimle die Wende nennt, kam, und die Gegenwart, fließen im Monolog des Blondschopfs ineinander. Das freie Assoziieren beherrscht der scharfzüngige Sachse wie kein zweiter. Sein eigener Begriff dafür, das "Synapsieren", macht ihn ebenso authentisch, wie das liebenswert-hemmungslose Analysieren unserer Zeit "frei nach Schnauze". Im Saal verstehen ihn alle, was bei Gastspielen in Düsseldorf oder anderswo "drüben" nicht der Fall sei. Steimle gibt "in der Bundesrepublik" gerne Nachhilfe in Sächsisch und DDR-Geschichte, denn "wer dumm geboren wurde, muss ja nicht auch noch blöde sterben".

 

Sympathisch machen den Kabarettisten seine Plädoyers für die Mundart. Für ihn ist Sächsisch eine Weltanschauung. "Wer Dialekt hat, hat Charakter und wer hochdeutsch spricht, ist mir suspekt", bekennt er. Seine Sprache solle man sich niemals nehmen lassen, denn das wäre so, als würde man einem Menschen das Rückgrat brechen. Ganz offensichtlich ist es Steimles Sprache, die ihm hilft, alles zu ertragen. Er bestreitet den Abend in Oschatz nur mit Stimme, Stuhl und Wasserglas. Seine Statements trägt er gelassen und gemütlich vor, dennoch sind sie entlarvend und kritisch. Diese Mischung ist es, die den Abend so großartig macht und dem Oschatzer Publikum die Lachtränen in die Augen treibt.

 

Am meisten spricht er in den zwei Stunden wohl das Wort "apropos" aus, um spielerisch von einem Thema zum anderen zu kommen. Doch sein Lieblingswort, das ist und bleibt "furchtbar" als Zustandsbeschreibung seines Umfeldes, wie sie nur ein scheinbar harmloser Humorist abliefern kann, der außer seiner Worte keine anderen Waffen hat. Wie stark diese sind, wird deutlich, als er über Christstollen philosophiert. Wunderbar detailverliebt benennt er dessen wichtigsten Bestandteil, die "Puderzuckerbutterkruste", und unterscheidet anhand der im Backwerk vorhandenen Anzahl an Rosinen zwischen "Flüsterstollen" und "Eisenbahnerstollen": Der eine hat so viele, dass sie eng aneinander liegend miteinander flüstern können, der andere so wenig, dass man nur bei jeder "Station", also jedem Happen, den man von der Scheibe abbeißt, eine isst.

 

"Wir lassen uns zu viel gefallen", sagt der Künstler mit Blick auf Hilfspakete für Pleitestaaten in Südeuropa, "die wir alle mitfinanzieren" und schlägt vor, dass Deutschland diese Länder überschrieben werden. Markant ist auch Steimles eigene Zeitrechnung: Spricht man seit 2001 weltweit von "vor und nach dem 11. September", so plädiert er für Dresden und Umgebung von der Zeit "vor der ersten Jahrhundertflut und nach der zweiten Jahrhundertflut". Er wünscht sich Mindestlohn für Politiker ("dann würde ich diesem Pack auch wieder glauben, was es sagt") und scheut nicht vor bitterböser Abrechnung mit dem sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich zurück, den er "nicht mal in der Pfeife rauchen" würde. Christian Kunze

Christian Kunze

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Oschatz
  • Jahrtausendflut 2002

    Entlang von Mulde, Elbe und Pleite brach im August 2002 eine verheerende Flutkatastrophe herein. Die LVZ zeigt eine Bestandsaufnahme. mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr

  • Sparkassen Challenge
    Logomotiv der Sparkassen Challenge 2017

    "Sport frei!" heißt es auch 2017 bei zahlreichen Wettkämpfen der Sparkassen-Challenge. Alle Events mit vielen Fotos finden Sie hier! mehr

  • Gutes von hier

    Das regionale Schaufenster mit Produkten und Dienstleistungen aus dem Leipziger Raum - von traditionell bis innovativ. Gutes von hier eben! mehr

  • LVZ-Sommerkino im Scheibenholz
    LVZ Sommerkino im Scheibenholz: Alle Infos zu Filmen, Ticketverkauf und dem Rahmenprogramm.

    Das LVZ-Sommerkino lud wieder zu unterhaltsamen Filmabenden ins Scheibenholz ein. Sehen Sie hier einen Rückblick in Fotos und Geschichten. mehr

  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • LVZ-Fahrradfest 2017
    Logo LVZ-Fahrradfest

    Das 13. LVZ-Fahrradfest lud am 14. Mai 2017 wieder Radler ein, gemeinsam in die Pedalen zu treten. Fotos, Videos und Infos finden Sie in unserem Sp... mehr

19.08.2017 - 19:07 Uhr

Nach dem 0:3 gegen die Kickers Markkleeberg haben die Muldestädter wieder in die Erfolgsspur gefunden. Sie besiegten Aufsteiger Lipsia Eutritzsch deutlich mit 4:0. 

mehr