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Oschatz Sächsische Mundart: Zwischen Oschatz und Dahlen verläuft die Sprachgrenze
Region Oschatz Sächsische Mundart: Zwischen Oschatz und Dahlen verläuft die Sprachgrenze
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16:02 08.03.2015
Diese Mundarten werden in Sachsen gesprochen. Quelle: Wolfgang Sens

Von Nikos Natsidis und Frank Hörügel

Das jedenfalls geht aus den Untersuchungen des Dresdner Instituts für Sächsische Kultur und Sprache hervor. Danach spricht, wer mit Döllnitzwasser getauft und rund um Oschatz großgeworden ist, Nordmeißnisch. Ein gebürtiger Heidestädter hingegen kann machen, was er will: Sein heimatliches Idiom ist das Südostosterländische. Genau zwischen Oschatz und Dahlen verläuft die Sprachgrenze zwischen zwei verschiedenen Mundartgebieten. "Das Sächsische hat eine besonders große Vielfalt", sagt Thomas Eichberg vom Vorstand des Dresdner Portal-Vereins. Der Verein ist Träger des Instituts für Sächsische Kultur und Sprache. Dass Sächsisch so vielfältig ist, hänge mit der geografischen Lage des Freistaates zusammen. Das heutige Sachsen sei von jeher ein Land mit einer gewissen Transitfunktion gewesen. "Hier sind viele Leute durchgezogen." Etwa in den Zeiten der napoleonischen Kriege, in denen das französischen Wort Canapé, zu deutsch Sofa, irgendwo zwischen Leipzig und Dresden hängen blieb und zum schönen Kanapee oder besser noch "Gannabee" wurde. Ein weiteres Beispiel, so Eichberg, für die Beeinflussung der obersächsischen Mundart, wie der allgemein als Sächsisch bezeichnete Zungenschlag im Freistaat wissenschaftlich korrekt bezeichnet wird, ist der sächsische Ausdruck fischelant. Er stammt ursprünglich vom französischen Vigilance, so viel wie Wachsamkeit.

Sächsisch ist zudem von der Nähe zu den slawischen Sprachen geprägt, die es einstmals ablöste. Je mehr es Richtung Osten geht, umso stärker. So gilt das Dresdner "Nu" als Form der Bekräftigung, die sich an das tschechisch-böhmische "Ano" anlehnt, was so viel wie "ja" und "doch", aber auch "oder" heißt. Vor allem aber, sagt Eichberg, sei Sachsen geprägt von der Vielfalt der regionalen und lokalen Ausprägungen seiner Mundarten, so wie das ansonsten in Deutschland wohl nur noch in Bayern der Fall ist. Das bedeutet etwa für die Collm-Region, dass in Oschatz, Wermsdorf, Liebschützberg, Naundorf und Cavertitz Nordmeißnisch gesprochen wird - genau wie in Riesa, Leisnig oder Döbeln. Die Mundart, die einem Dahlener vom Geburt an auf die Zunge kommt, wird dagegen als Südostosterländisch bezeichnet und auch in Belgern oder Wurzen gesprochen.

Die Grenzen der verschiedenen Mundarten liegen eng beieinander. Sie sind doch eher etwas für mundartliche Feinschmecker. Wobei die Mundarten in Großstädten wie Leipzig oder Dresden tendenziell auf einem gewissen Rückzug sind, wobei von einem Verschwinden nicht die Rede sein kann.

Der Rückgang liege einfach daran, dass in den sächsischen Großstädten der Zuzug von Auswärtigen größer ist als etwa im Vogtland oder im Erzgebirge. In Gegenden also, wo durchaus etwas unbefangener mit dem heimatlichen Idiom umgegangen wird als anderenorts im weiß-grünen Freistaat, so Eichberg. Natürlich sei Sächsisch, nicht zuletzt auch durch das wenig segensreiche Wirken des Sächsisch-Sprechers Walter Ulbricht im Ansehen ramponiert worden.

Aber dennoch sollten die Sachsen zu ihrer sprachlichen Herkunft stehen. Das Gegenteil ist ohnehin eher peinlich. Wenn ein Sachse krampfhaft versucht, Hochdeutsch zu sprechen, "ist das eher Ausdruck eines Minderwertigkeitsgefühls", sagt Experte Eichberg. Und es kann durchaus die Grenze zur Lächerlichkeit überschreiten. Und das ist nun mit Sicherheit das Letzte, was Sachsen nötig haben. © Kommentar

Frank Hörügel

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