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Oschatz Schänken und Restaurationen
Region Oschatz Schänken und Restaurationen
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15:51 05.08.2013

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Das änderte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ganz entscheidend. Der Seifensiedemeister Johann Friedrich Lochmann (1813-1878), Bruder des in der Lutherstraße ansässigen Destillateurs Carl Gottlob Lochmann, hatte 1855 den Reihenschank von der Braugenossenschaft für das Strehlaer Viertel gepachtet und ersuchte 1859 den Stadtrat um eine Schankkonzession in der Strehlaer Straße Nr. 5. Neben der Aufstellung eines Billards und der Einrichtung eines Kegelschubs wurde ihm die Konzession für den Wein-, Bier- und Branntweinausschank übertragen. Ob der Ausschank noch nach dem Tod des Seifensiedemeisters bestanden hat, ist nicht bekannt. Das Oschatzer Adressbuch erwähnt jedenfalls 1895 keine "Lochmannsche Schankwirtschaft" in der Strehlaer Straße Nr. 5.

Ebenfalls nur eine kurze Episode schrieb die "Schankwirtschaft Voigtländer" in der Strehlaer Straße Nr. 29, wo auch der Glasermeister Carl Robert Schumann seinem Handwerk nachging. Es begann hier zunächst mit einer kleinen Destillation. Dafür hatte die Ehefrau des Händlers Carl Ferdinand Voigtländer im Haus des Glasermeisters Räume gemietet. Aber die Missgunst muss groß gewesen sein, denn dem Stadtrat wurde 1874 hinterbracht, dass "Frau Voigtländer an demselben ein Schild mit der Aufschrift 'Destillation' angeschlagen habe und dem Vernehmen nach Branntwein vereinzeln solle". Damit von den Gesetzeshütern konfrontiert, ersuchte Laura Selma Voigtländer den Stadtrat offiziell um die Schankkonzession für Bier und Branntwein, die sie neben der Erlaubnis für ein Billard und den Viktualienhandel auch erhielt. Die "Schankwirtschaft Voigtländer" war aber schon 1877 wieder Geschichte, denn die Gastwirtin Emilie Brux wollte die Schänke in diesem Jahr übernehmen, erhielt aber wegen fehlender Raumhöhe in der Gaststube keine Konzession. Merkwürdig, denn bei Voigtländers hatte die Raumhöhe noch ausgereicht. Dagegen blieb das Handwerk mit dem Glasermeister Richard Thürmer weiter bis in die 1920er Jahre ansässig. Das der Stadt gehörende marode Haus wurde dann 1927 abgebrochen. Danach handelte der Kaufmann Alfred Barthel auf dem Grundstück mit Holz und Kohlen und die "Produktionsgenossenschaft des Handwerks (PGH) Wärmetechnik Oschatz" unterhielt hier in den DDR-Jahren ein Materiallager.

Dagegen existierte "Kittels Restauration" über mehrere Jahrzehnte. Wie in anderen Stadtvierteln erhielt 1868 auch Wilhelmine Fischer, Ehefrau des Sattlermeisters Carl Gottlob Fischer, nach dem Einzug der Ulanen die Schankkonzession für Wein, Bier und Branntwein in der Strehlaer Straße Nr. 34. Zudem wurden ihr erlaubt, ein Billard aufzustellen und einen Kegelschub zu errichten, alles aber unter dem Vorbehalt, dass in ihrem Grundstück "Militärpersonen" einquartiert würden. Rückblickend kann man aber feststellen, dass die Konzession auch nach dem Auszug der "Militärpersonen" erhalten blieb.

Der Fleischermeister Emil Fischer konnte die Schankerlaubnis 1872 von seiner Mutter, Wilhelmine Fischer, übernehmen, ließ den Altbau abreißen und errichtete 1887 ein neues Wohn- und Geschäftshaus mit Fleischerei und Schankwirtschaft. Auf den Bauzeichnungen befindet sich die Gaststube direkt neben der Fleischerei zur Strehlaer Straße hin. Als 1894 der Fleischermeister Bernhard Nocke von Fischers das Grundstück kaufte, erlaubte die Stadt auch ihm den Ausschank. Schon sieben Jahre später erwarb Martin Kittel das Anwesen und bewirtschaftete die Gaststätte und Fleischerei mit seinem Sohn Friedrich, der 1934 das Geschäft übernommen hatte, bis in die DDR-Jahre hinein. Nach der Verordnung zur Gründung der Produktionsgenossenschaften des Handwerks (PGH) in der DDR wurde auch Kittels Fleischerei Mitglied der am 25. Juli 1958 in Oschatz gegründeten "PGH des Fleischerhandwerks". Nach dem Auszug der Fleischer aus "Kittels Restauration" wurden die Gasträume noch unterschiedlich gastronomisch genutzt. Nach dem Konsum, der zunächst eine Betriebsgaststätte für seine Mitarbeiter unterhielt, bemühten sich Dieter und Heidi Winkler (1979-1983) und anschließend Karin Hesse um den Erhalt der Gastwirtschaft, ehe Ende der 1980er Jahre die Schließung unvermeidlich wurde. Heute wird das Gebäude als Wohnhaus genutzt.

Weit weniger bekannt stellt sich die einst nebenan befindliche Schankwirtschaft dar. Auf dem Grundstück Nr. 36 befand sich in dem 1813 erbauten Haus die "Schankwirtschaft Wolf" des Schneidermeisters Johann August Wolf. Er bewirtschaftete die kleine Kneipe aber lediglich zwischen 1830 und 1840. Danach gingen Schuhmacher, Viktualienhändler und eine Zigarrenherstellerin ihrem Handwerk nach. In den Nachkriegsjahren hatte die Kommunale Wohnungsverwaltung Oschatz (später VEB Gebäudewirtschaft Oschatz) hier ihre Büros. Nach der politischen Wende 1989 wurde das baufällige Gebäude abgebrochen und ein kleiner Parkplatz geschaffen.

(Fortsetzung folgt)

Dr. Manfred Schollmeyer

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