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Oschatz Schauvorführung in Luppaer Bockwindmühle
Region Oschatz Schauvorführung in Luppaer Bockwindmühle
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00:19 22.06.2017
Die Bockwindmühle Luppa war Treffpunkt für den Mühlentag des Heimatvereins.
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Luppa

Was ein echter Drecksack ist, warum die Luppaer Mühle beinahe in Berlin gelandet wäre und wieso Müller eigentlich den Staubsauger erfunden haben – das und vieles mehr konnten die Besucher am Sonnabend beim Mühlentag in Luppa erfahren. Zum zweiten Mal waren die Veranstalter vom Heimatverein aus der bundesweiten Gemeinschaftsaktion zum Pfingstmontag ausgeschert und hatten ihren eigenen Mühlentag angesetzt – ein Termin, der sich nun erst einmal etablieren muss, aber dennoch ganz gute Resonanz erfuhr.

„Wer Pfingstmontag von Mühle zu Mühle reist, ist heute vielleicht nicht unbedingt hier. Dafür können wir uns bei den Führungen mehr Zeit nehmen und auf alle Fragen eingehen“, so eine erste Einschätzung von Vereinschefin Karin Uhde. Den ersten Rundgang durch das technische Baudenkmal hatten die Luppaer für die Mitglieder des Mügelner Heimatvereins reserviert, die gemeinsam zum Fest gekommen waren und sich anschließend noch an der Kaffeetafel stärkten. Die Kuchen dafür hatten viele Luppaer Frauen beigesteuert. Unterhalten wurden die Gäste währenddessen von den Wermsdorfer Blasmusikern, die den ganzen Nachmittag über unter freiem Himmel spielten. Und weil der Wind günstig stand und die Melodien so bis ins Dorf zu hören waren, machten sich dann immer noch Einwohner auf den Weg an die Bockwindmühle auf der Anhöhe Richtung Radegast .

Eine Ecke zum Schlafen gab es für den Müller auch. Quelle: Jana Brechlin

Drinnen erklärte Jürgen Gutowski den Gästen die Funktionsweise der Mühle, die bis 1961 – dann bei Flaute unterstützt durch einen Elektromotor – in Betrieb war und erzählte allerhand zur Tradition des Müllerhandwerkes. „Wenn der Müller nichts mehr zu tun hatte, ließ er einfach die Flügel drehen, und die Bauern im Dorf wussten, dass sie ihre Wagen mit den Getreidesäcken anspannen und zum Mahlen fahren konnten“, beschrieb er den Ablauf von anno dazumal. Mitunter hätten die Pferdefuhrwerke dann vor der Mühle Schlange gestanden. Aus dieser Zeit rühre auch die Redensart „wer zuerst kommt, mahlt zuerst“. „Vor der Mühle waren alle gleich. Egal ob da ein kleiner Bauer oder ein Großbauer stand, der erste in der Reihe bekam sein Getreide auch zuerst gemahlen“, so Gutowski.

Er verriet auch, dass die Bezeichnung „Drecksack“ ihren Ursprung im Mühlenwesen hat: Nach dem ersten Durchgang wird das Mahlgut über einen Elevator – einen Riemen mit Bechern – bis unters Dach der Mühle transportiert, um es von kleinen Steinen, Gras oder Samen zu reinigen. Ein Gebläse und Leinenschläuche sorgen dafür, dass sich das wertvolle Schrot von unerwünschten Beigaben trennte. Jürgen Gutowski zeigte auf die Schläuche, die über den Köpfen der Besucher hingen. „Das hat wie ein Staubsauger funktioniert, und hier unten stand dann der Drecksack, in den der Rest reingefallen ist.“ Dann habe man den Bauern auch zeigen können, wie sauber oder eben dreckig Gerste oder Weizen waren. „Wenn viel im Drecksack gelandet ist, war das peinlich für die Bauern“, so der Freizeitmüller.

Über Jahre haben Gemeinde und Heimatverein dafür gesorgt, dass die Mühle saniert wurde, zuletzt wurden 2006 die Flügel mit Lärchenholz erneuert, die sich zum Mühlentag pausenlos drehten. Dazu setzen die Vereinsmitglieder immer wieder auch im Inneren die Technik in Gang: Beeindruckend, wenn mächtige Zahnräder, die auf alten Holzwellen ruhen, in Bewegung geraten.

Dabei hatte die Bockwindmühle in den 1980er Jahren noch ein trauriges Bild geboten: Außer Betrieb und ohne Pflege Wind und Wetter ausgesetzt, waren die Flügel bereits zerstört und das Holz an vielen Stellen kaputt. „Der Berliner Senat wollte die Mühle damals eigentlich für Marzahn kaufen. Das war ja ursprünglich ein Mühlendorf, nur hatte man dort alles abgerissen und stattdessen Hochhäuser hingestellt. Um wenigstens mit einer Mühle daran zu erinnern, war man auf die in Luppa aufmerksam geworden“, wusste Jürgen Gutowski. 5000 Mark sollte das schon marode Stück damals kosten, in Einzelteile zerlegt, transportiert und schließlich in der Hauptstadt wieder aufgebaut werden. Doch die Luppaer standen zu ihrer Mühle und überzeugten die Gemeinde, für die gleiche Summe das Wahrzeichen selbst zu kaufen.

Von Jana Brechlin

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