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Oschatz Schlamm flutet in Terpitz gesamte Ortslage
Region Oschatz Schlamm flutet in Terpitz gesamte Ortslage
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10:43 01.06.2017
Neben Feuerwehrtechnik kam in Luppa auch ein Radlager zum Einsatz. Mit Schaufeln und Schneeschiebern schippten Helfer den Schlamm von der Straße. Quelle: Foto: Jana Brechlin
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Region Oschatz

Das Unwetter am Dienstagabend haben Einwohner und Feuerwehrleute in der Region ganz unterschiedlich erlebt: Während es in Naundorf und Teilen der Gemeinde Wermsdorf lediglich heftig regnete, war die Situation im Liebschützberger Ortsteil Terpitz bedrohlich. Dort schoss das Wasser von angrenzenden Feldern auf den Ort zu, die braune Brühe erreichte fast jedes Gehöft, die Aufräumarbeiten dauerten am Mittwoch noch an.

Dazu rückten die Wehren von Bornitz, Gaunitz-Terpitz, Laas, Wellerswalde und Zaußwitz aus. „Teile des Ortes waren stark überschwemmt. Dabei waren Geröll und Schlamm auf die Dorfstraße gespült worden“, sagte Gemeindewehrleiter Mirko Rebholz. Insgesamt seien rund 50 Kameraden damit beschäftigt gewesen, die Straße wieder befahrbar zu machen. „Wir hatten das volle technische Programm – von Pumpen bis Beleuchtung – aufgeboten“, betonte er. Die letzten Kräfte hätten erst gegen 2 Uhr abgezogen werden können.

Dabei waren einige der Wehren vor dem Einsatz in Terpitz schon einmal ausgerückt. Wellerswalde und Zaußwitz waren schon in Wellerswalde im Einsatz gewesen. Deshalb wurden die Bornitzer Kameraden nach Zaußwitz geschickt, als von dort ein umgestürzter Baum auf der S 31 gemeldet wurde. Nur wenige Minuten später rückten die Treptitzer und Laaser Kameraden aus, um in der Laaser Waldstraße einen Keller auszupumpen.

Schlammflut in Luppa

In Luppa heulte kurz vor 20 Uhr die Sirene los, weil das Wasser von einem Feld am Ortsrand mit reichlich Schlamm durch den Bortewitzer Weg bis zur Torgauer Straße lief. Gemeinsam mit der Feuerwehr Wermsdorf pumpten die Luppaer Kameraden Keller aus. Anschließend rückten die Helfer und die Anwohner dem Schlamm zuleibe. Mit Besen, Schaufeln und sogar Schneeschiebern und Unterstützung durch einen Radlader wurden Straße und Einfahrten beräumt.

Ausgerückt, aber letztlich nicht aktiv geworden, war die Freiwillige Feuerwehr Dahlen. Sie war gegen 21.15 Uhr zur Bahnunterführung neben dem Bahnhof gerufen worden, weil diese unter Wasser stand. Beim Eintreffen der Wehr bestand nach Auskunft von Wehrleiter Gunter Löwe jedoch kein Handlungsbedarf.

Mügelner Wehr pumpt Keller aus

Mit drei Fahrzeugen war die Mügelner Wehr ab 19.05 Uhr für etwa eine Dreiviertelstunde im Einsatz. So lange benötigten die Kameraden, um einen Keller in der Ernst-Thälmann-Straße auszupumpen. „Dort stand das Wasser 20 Zentimeter hoch“, erläuterte Wehrleiter Ingo Fischer. In Mügeln waren – nach dem Regenmesser in seinem Garten – 25 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen.

Baum blockiert Straße in Neuböhla und schlägt Telefonleitung zu Boden

Wenige Minuten vor den Mügelnern waren die Großböhlaer Kameraden alarmiert worden. Nach Angaben von Wehrleiter Wulf Sukale waren sie eineinhalb Stunden im Einsatz, um einen umgestürzten Baum von der Straße und einem Gastank zu räumen. Außerdem spannten sie die vom Baum heruntergerissene Telefonleitung wieder.

Während einige Wehren im Dauereinsatz waren, blieben mehrere Kommunen der Collm-Region von größeren Schäden verschont. Die Wehren der Gemeinden Wermsdorf und Naundorf hatten am Dienstagabend keine Einsätze zu verzeichnen.

Knapp 17 Liter Regen pro Quadratmeter

Der Oschatzer Jugendfeuerwehrwart und Hobby-Meteorologe Sebastian Schuffenhauer hatte am Dienstag insgesamt 16,8 Liter Regen pro Quadratmeter gemessen. Davon fielen 2,3 Liter am Vormittag, der Rest zwischen 19 und 21 Uhr. Zwischen 20 und 20.30 Uhr registrierte er eine Sturmböe von 86 Kilometern pro Stunde.

Keine Rekordwerte bei Wind und Wasser

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat am 30. Mai an seiner Wetterstation in Oschatz ähnliche Ergebnisse gemessen.Die Tagessumme der Niederschlagshöhe, die jeweils von 7.50 Uhr bis 0.:50 Uhr des Folgetages erfasst wird, betrug 16,8 Millimeter, was der gleichen Zahl an Litern pro Quadratmeter entspricht .Davon seien im Zeitraum von 19 bis 20 Uhr 14,3 mm gefallen. In diesem Zusammenhang betont der DWD , dass Niederschlag eine hohe zeitliche und räumliche Variabilität aufweist. „Messwerte der Niederschlagshöhe sind daher exakt nur für den unmittelbaren Messpunkt gültig. Bereits in geringer Entfernung kann sich das Niederschlagsgeschehen deutlich anders entwickelt haben“, heißt es in der Mitteilung der Metereologen.Zum Vergleich: Die höchste Tagessumme der Niederschlagshöhe, die seit Beginn der Messungen in Oschatz gefallen ist, beträgt 108,5 Liter pro Quadratmeter. Sie wurde am 12. August 2002 registriert.

Windböen bis zur Stärke 7 traten am 30. Mai an der Station Oschatz bereits in der Mittagszeit auf. Die höchste Windspitze sei 19 Uhr mit 24.4 Metern pro Sekunde, also Windstärke 9, gemessen worden. Das entspricht knapp 88 Kilometern pro Stunde. Die bisher höchste in Oschatz gemessene Windspitze wurde am 24.November 1984 mit 39 m/s erfasst (140 km/h). Das bedeutet Windstärke 12 – Orkan.

Feuerwehren ab 19 Uhr im Dauereinsatz

19.01 Uhr Neuböhla, Am Wiesengrund, umgestürzter Baum kappt Stromkabel und liegt auf Gastank

19.05 Uhr Mügeln, Ernst-Thälmann-Straße, Keller unter Wasser

19.23 Uhr Calbitz, Holzlandstraße, Keller unter Wasser

19.25 Uhr Wellerswalde, Kirchstraße, Baum auf Straße und mehrere Straße geflutet

19.30 Uhr Zaußwitz, S 31 Richtung Borna, Baum auf Straße

19.31 Uhr Sörnewitz, Möhlaer Straße, Baum in Stromleitung gestürzt

19.37 Uhr Mannschatz, Feldstraße, großer Ast auf Straße

19.45 Uhr Leckwitz, K 8993, umgestürzter Baum auf Straße

19.52 Uhr Merkwitz, Oschatzer Straße, Bäume auf Straße

19.55 Uhr Laas, Waldstraße, Keller läuft voll von der Straße aus

19.57 Uhr Luppa, Bortewitzer Weg, Schlammlawine auf Straße und flutet Keller

20.38 Uhr Terpitz, Dorfstraße, gesamte Ortslage, Bäume auf Straßen

21.15 Uhr Dahlen, S 24, Bahnunterführung unter Wasser

21.17 Uhr Malkwitz, Ortslage, Baum auf Straße

Quelle: Landratsamt Nordsachsen

Von Jana Brechlin und Axel Kaminski

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