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Oschatz Schmiedekurs in Oschatz: Acht Männer stellen ihr eigenes Messer her
Region Oschatz Schmiedekurs in Oschatz: Acht Männer stellen ihr eigenes Messer her
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18:02 17.02.2019
Jörg Hildebrand und Jochen Kneppe haben am Schmiedekurs im Oschatzer E-Werk von Martin Becher (v.ln.r.) teilgenommen. Ihr Ziel an diesem Tag: Ein Messer aus einem Eisenrohling zu schmieden. Quelle: Foto: Bärbel Schumann
Oschatz

Im Freigelände des Oschatzer E-Werkes lodern an diesem Vormittag Schmiedefeuer. Steinkohlenkoks wird zum Glühen gebracht. Werkzeug wie Zangen, Hämmer liegen und Ambosse stehen bereit. Männer sind erwartungsvoll versammelt, um am Kurs Schmieden teilzunehmen. Ein Kurs, den Martin Becher aus Pulsitz für Erwachsene leitet. Eine Premiere. Anja Kohlbach, vom E-Werk, klärt auf: „Zu unserem Kreativmarkt und den anderen Kursen gab es immer wieder Hinweise, ob wir nicht mal etwas für Männer anbieten könnten. Da Martin Becher mit seiner mobilen Schmiede bei uns zum Mittelaltercamp für Kinder war, lag es nahe, ihn zu fragen.“ Am Sonnabend wurde aus der Frage Realität. Acht Männer aus der Region haben bei ihm einen Kurs im Schmieden belegt. Das Ziel: Am Ende nimmt jeder Teilnehmer ein selbst geschmiedetes Messer mit nach Hause.

Große Resonanz auf das Angebot

„Die Resonanz auf unser Angebot war so groß, dass die ersten beiden Kurse im Handumdrehen ausgebucht waren. Das war noch im vergangenen Jahr und so bekam mancher Mann den Kurs von seiner Frau zu Weihnachten geschenkt“, ergänzt Anja Kohlbach.

Acht Männer haben es gewagt, und sind bei Martin Becher für einen Tag als Schmied in die Lehre gegangen. Alle waren hoch ambitioniert, um am Ende des Kurses ein selbst gefertigtes Messer mit nach Hause nehmen zu können. 

Unterdessen hat Martin Becher eine kurze Einführung ins Schmieden gegeben und an jeden Teilnehmer einen eisernen Rohling verteilt. Die ersten davon liegen in der Glut von entschwefelten Steinkohlenkoks und werden auf Temperatur gebracht. „Bei 1200 Grad schmilzt Eisen. Wir brauchen heute 1000 bis 1050 Grad, um das Metall bearbeiten zu können“, erklärt der gelernte Metallbauer, der eigentlich Schmied werden wollte. Erst viel später sei er bei dem international bekannten Freiberger Kunstschmied Fritz Kühn in die Lehre gegangen, danach sein Geselle gewesen. „Ich habe dann etwas ganz anderes gemacht, aber inzwischen bin ich zum Handwerk zurückgekehrt und arbeite als mobiler Schmied auch viel mit Kindern“, erklärt Becher. Auf diese Weise schloss er mit den Machern vom E-Werk Bekanntschaft, schmiedete beim Mittelaltercamp schon mit Kindern. „Meine Tochter war dabei und hat sich da ein Messer geschmiedet“, erzählt Jörg Hildebrand. Nun will der Vater einer Zehnjährigen es ihr gleichtun. Einen Unterschied gibt es allerdings: Das Messer des Vaters wird eine scharfe Klinge haben.

Eine neues Hobby für Männer

Auch Ulf Goldammer schwingt an diesem Tag den Hammer, schlägt auf das heiße Eisen ein. Der Zeitraum, der nach der Entnahme aus der Glut dafür jeweils bleibt, beträgt zwischen drei und vier Minuten. „Es ist schon ungewohnt, mit der einen Hand mit der Zange das Eisenteil festzuhalten und zu bewegen und mit der anderen Hand den Hammer zu schwingen“, meint der Thalheimer. Doch er könnte sich vorstellen, dass das Schmieden ein neues Hobby für ihn werden könnte. Eine alte kleine Schmiedewerkstatt daheim besitzt der Riesaer Christian Puls.

Steinkohlenkoks glüht. Zwischen 1000 und 1050 Grad müssen sein, um den Eisenrohling zu erhitzen, damit er bearbeitet werden kann.

Als der Sozialpädagoge auf einem Kunsthandwerkermarkt vom Kursangebot in Oschatz erfuhr, war für ihn klar, sich anzumelden. Was er gelernt hat, will er daheim als Hobby weiterführen. Übrigens, die Klingen mit der Schneide der geschmiedeten Messer erhielten ihre Schärfe durch gekonnten Schliff von Martin Becher. Er musste bei dem einen oder anderen im Laufe des Tages auch eingreifen, damit am Ende das Messer der Vorlage entsprach. Am Ende aber zählt das fertige Werk jeden Mannes.

Von Bärbel Schumann

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